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Simon Martens
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613
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<!-- sample 1/15: letter 1 (start line 7, block #1) -->
<letterText letter="1">
<page index="1" /><align pos="right">HochEdelgeborner Hochgelahrter Herr <aq>Secretair</aq></align>
<line
type="break" tab="7" /><align pos="right">VerEhrungswürdigster Gönner!</align>
<line type="empty" />
<line
type="empty" />
<line type="empty" /> Ew. HochEdelgebh: haben mich durch die neue Probe von Dero
schätzbaren Gewogenheit ausserorndtlich beschämt. Meine Feder ist zu schwach, Denenselben die
regen Empfindungen meines Herzens darüber zu schildern. Ich weiß Ew. HochEdelgebh: meine
Dankbegierde auf keine andere Art an den Tag zu legen, als daß ich meine gestrigen Wünsche für
Dero Wohlseyn wiederhole, und die gütige Vorsicht um die Erhörung derselben anflehe. Der Herr
überschütte Dieselben und Dero werthes Hauß im künftigen Jahr mit tausend Seegen und Heil. Er
erhalte Ew. HochEdelgebh: bis zu den spätesten Zeiten im ersprießlichsten Wohlergehen. Er bewahre
Ew. HochEdelgebh: für alle wiedrige Zufälle in den künftigen Jahren, und <page index="2" />lasse
mich noch lange das Glük geniessen, Dieselben in dem blühendsten Wohlstande zu sehen, und mich mit
dem erkenntlichsten Herzen nennen zu dürfen <line type="empty" />
<line type="break" /><align
pos="right">HochEdelgebohrner Hochgelahrter Herr Secretair <line type="break" tab="7" />Verehrungswürdigster
Gönner <line type="break" tab="7" />Ew. HochEdelgebh:</align>
<line type="empty" />
<line
type="empty" />
<line type="empty" />
<line type="empty" /> Von Hause, d. 2 Jenner, 1765. <line
type="empty" />
<align pos="right">gehorsamsten Diener <line type="break" />Jacob Michael
Reinhold Lenz</align>
</letterText>
<!-- sample 2/15: letter 28 (start line 567, block #28) -->
<letterText letter="28"><page index="1" />
<line tab="1" />Mein Schatten soll Ihnen Rö schiken ich
bin froh mich Ihnen als Physiognom nur im Profil zeigen zu dürfen, von meinem Brustbild machte
Ihnen die <ul>Güte Ihres Herzens</ul> eine viel zu vortheilhafte Zeichnung. Dafür bin ich aber
Herz genug gewesen, das Ihrige an meine Lippen zu drüken u: einen Wunsch gen Himmel zu schiken,
den Mann von Angesicht zu sehen, mit dem ich einen Briefwechsel scheüe, bis ich ihn inniger u:
vertrauter führen kann das heißt bis Ihre <ul>gute</ul> Meynung von mir nicht mehr Vortheil
ist. <line tab="1" />Ich bin den Armen eines Vaters entschlüpft, der so redlich dachte als Sie,
obgleich nicht so aufgeklärt. Seyen Sie mein Vater! Lenz. </letterText>
<!-- sample 3/15: letter 54 (start line 1123, block #54) -->
<letterText letter="54">
<page index="1" />
<line tab="1" />
<aq>vous pouvez vous fier a ma parole dhonneur que ladite feuille ne sera jamais publiée avec <ul>ma
bonne volonté.</ul> Aussi netoit elle ecrite qu <ul>après le point de vue dune grande partie
de vos lecteurs, dont</ul> les caquets au sujet de vous et de vos ecrits ne parviennent jamais
jusqua vous. Je naurois pas crú, que cela pourroit te faire quelque peine, je ne te l ai
communiqué que pour sonder tes façons denvisager ces choses lá, pour pouvoir a l avenir dire
quelque chose de plus raisonnable la dessuzis. Voila mes intentions, <ul>jai tout employé de</ul>
supprimer cela et je te puis <ul>assurer d avance</ul> quil ne verra jamais le jour. Nous en
parlerons davantage.</aq>
<line type="break" />
<align pos="right">Le.</align>
<sidenote pos="left" page="1" annotation="Am linken Rande, vertikal">
<aq>Remerciemens pour la peine que vous vous etes donnée avec les Lindaviana</aq>
</sidenote>
<page index="2" />
<note>linke Spalte</note>
<line type="break" />
<hand ref="12"><!-- Wie kann ich zwei Hände markieren, wenn das Element <hand> nur eine Referenz
vorsieht? -->
<pe>
<line type="break" />Wurstfresser aus dem Scheishaus. <line type="break" /><ul>Piphahn.</ul>
<line
type="break" />Margaretlin Madre de tuti I Santi <line type="break" /><ul>Galloch Schalloch</ul>
<line
type="break" />Leisekentritt. Schleicher. <line type="break" />Lasueangel. Laus. Angel. <line
type="break" />Hengst mensch von einer Prinzeß <line type="empty" />
<line type="empty" />
<note>rechte
Spalte</note>
<line type="break" /><del>Eulenspiegel <line type="break" />Fotzenhut <line
type="break" />Dreckfincke <line type="break" />Saumagen <line type="break" />Faselhans <line
type="break" />Blaufincke</del> halb <nr> </nr>
<line type="break" />klein Hanswurst <line
type="break" />beym Freyschmausen <nr> </nr>
<line type="break" />Hundsfut Gast Rolle <line
type="break" />Ahlke Pöleke <nr> </nr> die dumm <nr> </nr> ist und war <line type="break" />
na <nr> </nr><nr> </nr>
<line type="break" />Kropfliesgen. von Harz <line type="break" />
Metze <nr> </nr> Dreyhaar Alte Hure Kupplerin <line type="break" />Schlinschlanschlodi, kommt
von Akademien <line type="break" />Metze Magen Regenwurm <line type="break" />Ganz Magen </pe>
</hand>
</letterText>
<!-- sample 4/15: letter 81 (start line 1512, block #81) -->
<letterText letter="81"><page index="1" />
<line tab="1" />Gieb mir den gemißbrauchten Namen Gottes
zurück Herder! mein böser Genius hieß mich das schreiben <line tab="1" />Die Soldaten können noch
nicht gedruckt werden. Erröthen muß ich freilich über den Unverstand meines letzten Briefes. Gott
wo war ich, als ich ihn schrieb. <line tab="1" />Mache Dir keine Gedanken über die Ebbe und Fluth
meines Entschlusses. Es sind lauter Lokalverhältnisse die mich so peinigen. Die aber aufhören
werden. Ein Poet ist das unglücklichste Wesen unter der Sonnen. <line tab="1" />Grüsse Deine Frau.
Sollte ich von hier reisen oder sollte es einst Zeit seyn das grosse Trauerspiel aufzudecken, so
werd ich Dir vorher schreiben. Bis dahin muß ich noch stumm die Zähne zusammenbeissen und die
Leiden meines Volks in meinem verborgensten Herzen wüthen lassen. <line type="empty" />
<line
type="break" />Strasburg d 18ten Nvbr. 1775. <line type="break" /><align pos="right">Lenz.</align>
<sidenote
pos="left" page="1" annotation="am linken Rand, vertikal"> Solltest Du es einst künftig drucken
lassen, so muß auch alsdann mein Name im Anfange verschwiegen bleiben. Ich sag es Dir hier voraus,
falls ich es etwa alsdann zu erinnern vergessen sollte.</sidenote>
<line type="empty" />
<align
pos="center">
<note>Außenseite des zum Umschlag gefalteten Bogens, rotes Siegel:</note>
</align>
<page
index="4" />
<line type="break" /><address>Herrn <line type="break" />Herrn <ul>Herder</ul>
<line
type="break" />Consistorialrath <line type="break" />in <ul>Bückeburg.</ul></address>
</letterText>
<!-- sample 5/15: letter 108 (start line 1907, block #108) -->
<letterText letter="108"><page index="1" /><hand ref="20">
<align pos="right">Empfangen. Den 12 Febr. 1776.</align>
</hand>
<line type="empty" />
<line
type="break" /><align pos="center">Bester Freund!</align>
<line type="empty" />
<line tab="1" />Eben
jetzt erfahre ich von Me. la Roche, was ich noch nie gewußt, daß sie einen Sohn bey Wiel. im Hause
gehabt. Ein Donnerschlag hätte mir nicht empfindlicher kommen können als eine Nachricht, die
soviel Beziehung auf meine Pasquinade hat, denn ich wollte eher alles in der Welt als diese Frau
oder etwas das ihr angeht beleidigen oder kompromittiren. Können Sie es also auf irgend eine Art
machen, daß die Wolken entweder gar nicht oder wenn dies <ul>unmöglich ist,</ul> statt der
deutschen Namen die Griechischen aus dem Aristophanes: <ul>Strepsiades und Phidippides</ul> (für
Leopold Sauk <aq>etc:</aq>) gesetzt und die Vertheidigung W. gegen die Wolken durchaus <ul>nicht
an diese</ul> angehängt, sondern <ul>detaschirt</ul> gedruckt werden als Palinodie nicht als
prämeditirte versteckte Apologie derselben. Wie gesagt ich bin über diese Nachricht ausser mir
denn sie zertrümmert mein ganzes Projeckt, das nichts weniger war als irgend eine Privatperson
durch meine Possenreissereyen zu beleidigen sondern nur W. aus seinen Schriften turlupiniren
wollte. <line type="break" /><align pos="right">L.</align>
<line type="empty" />
<line type="break" />
<sidenote
pos="left" page="1" annotation="am linken Rand, vertikal">
<line tab="1" />Wenn der Druck der Wolken ganz inhibirt werden kann, ich gebe was darum. Die
Palinodie kann und, muß deswegen doch in die Welt. Desto origineller ist sie. Man kann dazu
setzen, der V. habe den Druck der W. verhindert und weil viele sie im Mskpt. gelesen, dies zu
seiner Rechtfertigung geschrieben. Ich will nichts dafür.</sidenote>
</letterText>
<!-- sample 6/15: letter 134 (start line 2257, block #134) -->
<letterText letter="134"><page index="1" /><hand ref="51">
<align pos="right">Empf. 23. März 1776.</align>
</hand>
<line type="empty" />
<line type="break" /><align
pos="center">Den 15ten Merz</align>
<line type="empty" />
<line tab="1" />Eine Reise deren Folgen
für mein Vaterland wichtiger als für mich seyn werden, zwingt mich bester der Menschen Sie zu
beschwören daß Sie bey Herrn Reich alles anwenden mir das Geld das er <ul>für die Soldaten</ul>
versprochen, sogleich durch Ihre gütige Vermittlung zu übermachen und zwar unter <ul>dem Couvert</ul> <ul>des
Herrn Merk in Darmstadt</ul> mit dem ich deswegen schon die gehörige Abrede genommen. Sollte es
auch unter der mir schmerzlichen Bedingung seyn, daß er das Stück schon auf Ostern bekannt machen
müßte. <line tab="1" />Ich brauche Geld nöthiger als das Leben und das zu einem entscheidenden
Augenblick der hernach nicht wiederkommt. Könnt ich auch für die andere Piece etwas vorausbezahlt
bekommen von der Ihnen Boje gesagt haben wird so geschäh mir <ul>auf ewig</ul> eine Wohlthat. Ich
bin auf der Hälfte des Weges der meine Laufbahn endet und komme zu kurz. Helfen Sie! <line
type="empty" />
<line type="break" /><align pos="right">Ihrem <line type="break" />aufs Äusserste
gebrachten <line type="break" />JMRLenz.</align>
<line type="empty" />
<line type="break" />Richten
Sie den Brief nur an Herrn Merk in Darmstadt. <sidenote pos="left" page="1"
annotation="am linken Rande, vertikal">
<line tab="1" />könnte es aufs späteste in 14 Tagen da seyn. Verzeyhen Sie das erste und
letztemal daß mich die Noth zwingt in dem <ul>Grad unbescheiden</ul> zu seyn. Wie werd ichs in
meinem ganzen Leben gut machen?</sidenote>
<page index="2" />
<line type="break" /><address>Herrn <line
type="break" />Herrn Leibarzt <line type="break" /><ul>Zimmermann</ul>
<line type="break" />in <ul>
Hannover</ul></address>
</letterText>
<!-- sample 7/15: letter 161 (start line 2600, block #161) -->
<letterText letter="161">
<page index="1" />
<hand ref="9">
<line tab="1" />Mich freuts liebster Mann wenn es Ihnen wohl gehet. Ihr Briefgen habe erhalten
und ihre aufträge sind besorgt bis auf H: Fibich den ich noch nicht gesehen habe. Herr Prof.
Koch sagt mir Sie hätten ein Buch von der Bibliothek, ich dachte Sie hätten alle nach Hause
geschickt: Er hat es aber doch nicht zurück begehrt. Ich denke Sie kommen bald wieder wann nicht
allenfalls eine beßere <aq>vocation</aq> Sie uns weg kapert. Viele<del>n</del> Empfehlungen an
meinen Liebsten Goethe, H. V. Knebel, Graf Stollberg und unbekannter weis an Hn. Hofrath
Wieland. Hetzler hat mir den 1ten Bogen von meinen Abhandlungen zugeschickt Sie werden auf die
Meße fertig. Lieben Sie mich <line type="break" /><align pos="right">Saltzmann</align>
<line
type="empty" />
<line type="break" />Strasburg den 16ten Apr: <ul>1776.</ul></hand>
<page index="2" />
<line type="empty" />
<line type="break" />
<hand ref="11">D 16. Apr. 76. <line type="empty" />
<line tab="1" />Laß mich mit ein paar Worten
dieß Blatt profaniren, meine Liebe zu Dir mag's wieder heiligen. Meine Seele frohlockt drob daß
Dirs wohl geht. Deine Grüße sind ausgericht. Alle grüßen Dich wieder und sind herzlich froh daß
sie drüber in die Höh springen möchten wann sie hören daß Du glücklich bist. <aq>Mslle.</aq>
König. Lauthin. Fibich. Zimmermann. Mechel. <aq>Spener. Sano.</aq> Prinz grüßen Dich. <line
tab="1" />Hier ist ein Brief aus dem Philanthr. von Simon und Schweigh: es soll eine <aq>
Vocation</aq> drinn seyn für Herrn Lentz den man zum Schriftsteller fürs <aq>Philanth.</aq>
wünscht. Schreibst Du ihnen Antwort, so gieb ihnen meinen Gruß ich werd ihnen bald auch
schreiben. <line tab="1" />Wann ich die Woche das Pack aus Zürich nicht bekommen werde, so
schick ich Dir Deine verlangten Strasb. Manuscripte und machs mit den Briefen wie Du verlangst. <line
tab="1" />Nicht mit meinem Namen aber desto mehr mit meinem Herzen ehre und liebe ich alle
verdienstvollen Männer. Insonders sag Dir wieder mit der wärmsten und immerbleibenden
Zärtlichkeit daß ich bin Dein Röderer. <line tab="1" />Hastu noch nicht 2 Briefe von mir kriegt,
der eine auf Darmstadt an Hn. Merk, der andere nach Weimar, in dem ich Dir sage daß Fräulein von
Waldner mit Herrn von Oberkirch den 1sten April um 12 Uhr in der Neuen Kirch <aq>copulirt</aq>
worden sind.</hand>
</letterText>
<!-- sample 8/15: letter 188 (start line 3052, block #188) -->
<letterText letter="188"><page index="1" />
<line tab="1" />Wie es zugeht lieber Lavater! daß ich das
bewußte Bild noch nicht erhalte, da Du es doch Rödern für mich zugeschickt haben willst, begreiffe
ich nicht, macht mir aber viele Herzensquaal. Das einzige worinn ich auf der Welt (ausser eurer
Freundschaft) einen Werth setze, das einzige das mich in einer selbstgewählten Einsamkeit von der
ganzen Weit vergessen, erhalten sollte, zum Besten manches guten Menschen erhalten soll ich denn
durchaus auf äusserste gebracht seyn. Ich verlange nichts, fodere nichts als einen Schatten
einen Schatten der mich allein an diese Welt binden kann die mich in allen meinen Verhältnissen
peinigt. Ich will nicht müssig gehen in meiner Einöde, aber ich muß etwas haben das meine Kräfte
aufrecht erhält, das mich dem grossen Ziel entgegenspornt um des willen ich nur noch lebe. Ich
weiß sehr wohl daß dies <ul>Schatten,</ul> daß es ein Traum, daß es Betrug ist, aber laß wenn es
nur seine Wirkung <sidenote pos="left" page="1"
annotation="am linken Rand der ersten Seite, vertikal">thut. Und wenn die vorher bestimmten
Schläge durch die unsichtbaren Mächte die mich brauchen <insertion pos="top">wollen</insertion>,
geschehen sind: was ist darnach an dem Instrument gelegen! <del>Das vermuthlich zum Unglück
bestimmt war.</del> Wende um</sidenote>
<page index="2" />
<line tab="1" />Ich habe Deinen 2ten Teil
Physiognomik nur flüchtig mit dem Herzog durchlauffen können, ihn bey manchen Stellen aufmerksam
gemacht, ihm vorgelesen und mich gefreut. Sobald ich Ruhe finde geh ich es mit geweyhter Seele
durch, jetzt bin ich auch selbst dazu unfähig. Du bist der Einzige dem ich diese Art meiner
Existenz klagen kann, und nicht einmal darinn finde ich Trost. Eine gänzliche Taubheit meiner
Nerven, die nur wenn ich arbeite, mich alle Stacheln des Schmerzens fühlen lassen. Sage mir ein
Wort insbesondere, das wird wohlthun: aber um alles in der Welt schone mich nicht. Das macht bey
mir alles nur schlimmer. Ich bin auf den Punkt verschwiegener unangenehmer Nachrichten
scharfsichtiger als Du glaubst. Wahrheit ist immer der einzige Trost <insertion pos="top">für mich</insertion>
gewesen. <page index="3" />
<line tab="1" />Wie ich itzt so klein so schwach gegen ehemals mich
fühle. Gieb mir mehr <insertion pos="top">wirkliche</insertion> Schmerzen damit mich die
imaginairen nicht unterkriegen. O Schmerzen Schmerzen Mann Gottes, nicht Trost ist mein Bedürfniß.
Diese Taubheit allein kann ich nicht ertragen. <line tab="1" />Du bist in Carlsruhe gewesen, wie
mir Herr von Edelsheim, Minister am dortigen Hofe, der die Trauerpost von der russischen
Großfürstin Tode hieher brachte, erzählt hat. Wie hat dirs dort gefallen? Und solltest Du nicht
den Weg über Strasb. genommen haben? Und solltest Du niemand dort gesehen und gesprochen haben? <line
tab="1" />Bode ist eben von hier abgereist der Uebersetzer von Tristram Schandy. Goethens Erwin
ist mit der Musik von der Herzogin Mutter Ietzt hier aufgeführt worden. Frage doch Kaysern ob er
mich ganz vergessen hat? Hier warten soviele auf das Familiengemählde. <line tab="1" />Wie wir mit
Wiel. stehen, soll das Publikum nächstens öffentlich erfahren. Wie wärs, wenn er frömmer wäre als
wir alle? Ein wunderbarer Mann, dessen Erkenntniß mir hier sehr wohlthut. Im Musäum (doch sags ihm
nicht) laß ich bald etwas über ihn einrücken. Ich bin ihm sehr gut und seiner Frau u. Kindern. <line
type="break" /><align pos="right">L.</align>
<page index="4" />
<line type="empty" />
<line
type="break" /><address>Herrn <line type="break" />Herrn <dul>JC. Lavater</dul>
<line
type="break" />Pfarrer am Waysenhause <line type="break" />zu <ul>Zürich</ul></address>
</letterText>
<!-- sample 9/15: letter 214 (start line 3486, block #214) -->
<letterText letter="214"><page index="1" />
<line tab="1" />ich hab Euch versprochen es Euch sauer
zu machen, Klinger, ja Maler Müller und Wagner selbst, den recht sehr schätze. Nehmt Euch also in
Acht vor mir, parirt ja wohl und wenn Ihr Blöße findet, so stoßt hinein auf mich wie ihr wollt und
wie ihr könnt. Göthe hat ein Pasquill von mir, worin Euch allen die Köpfe gewaschen werden bis
ihr gescheuter seyd </letterText>
<!-- sample 10/15: letter 241 (start line 3915, block #241) -->
<letterText letter="241"><page index="1" />An keinem Orte keine Antwort. <line type="empty" />
<line
type="break" />Herr Cästner mündliche Antwort, viele <aq>Compli.</aq> nebst Versicherung der
besten Besorgung. <line type="empty" />
<line type="break" />Herr Herder hat um 12 noch nicht
geschrieben will bis weitere Gelegenheit versparen <line type="empty" />
<line type="break" />Herrn
Göthe habe eigenhändig Ihren Brief gegeben, auch ohne Antwort. <line type="empty" />
<line
type="break" />Philip habe auf 3 mal nicht angetrofen und Bothenfrau, will oder kann nicht
länger warten. <line type="empty" />
<line type="break" />innliegend etwas, u. da es ein
Hofbedienter gebracht. <insertion pos="top">vermuthe</insertion> daß solches von Herrn Göthe sei u
etwan bei Durchl. Herzog geschrieben ist. <line type="empty" />
<line type="break" />Der Schneider
ist nicht fertig. Philip hat es vielleicht vergessen Dürfte ich Ihnen ersuchen, alle Ihre Commiss.
ohne <aq>Compliments</aq>
<line type="break" />
<line type="break" />an mich zu schicken. Jeder Tag
da ich die Bothenfrau vermuthe ist vor mich ein Freuden Tag. Seyn Sie deß versichert. Leben Sie
wohl. <page index="2" />
<line type="empty" />
<line type="break" />Der Brief ist nach Göttingen <aq>
francirt</aq> kostet aber nur 3 g. also 1 g. zurück. <line type="empty" />
<line type="break" />Viele
Compl. von Herrn von Kalb <line type="empty" />
<line type="break" /><align pos="right">
<aq>Schenck</aq>
</align>
</letterText>
<!-- sample 11/15: letter 267 (start line 4227, block #267) -->
<letterText letter="267"><page index="1" />
<line tab="1" />Lieber Hafner! wenn Du oder Herr Otto
unter Euren Pappieren etwas habt, dessen Bekanntmachung ihr wünschtet (vorausgesetzt daß es eurem
eigenen höchsten Ideal von dem entspricht, was über die Sache gesagt werden könne <line tab="1" />so
dürft Ihrs nur mit einem Briefe gerade an Wieland begleiten (Herrn Hofrath Wieland zu Weymar) er
macht sich eine Freude daraus alles zu <ul>befördern</ul> was im Elsaß Aufmerksamkeit verdient.
Euer Zutrauen zu ihm kann unbegrenzt seyn, trauet dieses einem zu, der ihn gesehen, und nicht aus
litterarischpolitischen Absichten sein Freund worden ist. <line tab="1" />Eine Kleinigkeit um die
ich Euch aber bitten will insofern ich Euch nach unserer alten Freundschaft und als geborne
Teutsche ansehe. Diese wäre, aus Gefälligkeit gegen Wieland den Namen unsers Vaterlandes künftig
hin nicht mit einem weichen D. sondern mit einem harten T zu schreiben. Ich habe seine Gründe
drüber gehört und mich aus eigner Willkühr entschlossen <page index="2" />dem alten Schulmeister
Gottsched zum Trotz und einem Mann wie Wieland zu Liebe mein Vaterland nicht mehr zu beschimpfen
wenn ich es von Deut einem Niedersächsischen Wort das „eine Nichtswürdigkeit“ bedeutet herleite,
da unser Stifter Teut hieß und die älteste Schreibart diese kleine aber liebenswürdige Grille
Wielands rechtfertigt. <line tab="1" />Wenn jemand Recht hat, Brüder! wer wollte einen Augenblick
anstehen ihm Recht zu geben. <line tab="1" />Solltet Ihr sonst jemand wissen, der nicht aus
Eigennutz, sondern aus inniger Liebe zur lautersten Ehre, aus Begierde den Edelsten unsers
Vaterlandes auf eine edle Art bekannt zu werden, etwas das dem Elsaß Ehre machte, in den Merkur
wollte rücken lassen, der es auf die geschwindeste und einzig mögliche Art an <page index="3" />unsern
Höfen und in unsern besten Gesellschaften bekannt macht, so werdt Ihr mir einen Gefallen thun, mir
Nachrichten von ihm zu geben, damit ich meine Einladung an ihn selber wenden könne. Adressirt die
Briefe nur: an Herrn Hofrath Schlosser, in Emmedingen, abzugeben an Herrn Lenz. <sidenote
pos="left" page="2" annotation="am linken Rand der zweiten Seite, vertikal">
<line tab="1" />Sehr gut wäre es wenn Ihr zu allem was Ihr einschicktet, hinzusetztet: <ul>aus
dem Elsaß,</ul> es mögte mit Eurem Namen oder mit andern Buchstaben unterzeichnet sein. Ramond
wird vermuthlich schon vom Herrn Aktuarius erfahren haben, daß Ihre Durchl. die Herzoginn Mutter
sein Drama, nachdem sie mich darum gefragt, behalten haben. <line tab="1" />Ganze <ul>grosse</ul>
Dramen würde Wiel. schwerlich in den Merkur rücken können, wohl aber kleine. Ueberhaupt bitte ich,
Euch kurz zu fassen.</sidenote>
<line tab="1" />Wenn Du zu Herrn von Türkheim gehst so mach ihm von
mir viele der schönsten Empfehlungen, nicht bloß wie sie seine persönlichen Liebenswürdigkeiten,
sondern hauptsächlich seine patriotische Wärme für seine Vaterstadt verdienen. Melde mir welch
einen Gang der Bürgerfreund und die Teutsche und Französische Gesellschaft in seinem Hause nehmen.
Herrn Blessig empfiehl mich gleichfalls und schreib mir von seinen Neuigkeiten. Ein Gleiches bitte
den Herren Ramond u. Matthieu zu thun wovon ich dem erstem Glück wünschen lasse, falls er schon
abgestiegen ist von seinem <ul>hölzernen</ul> Pferde. Vermuthlich wirst Du bald hinauf steigen und
dann einen glücklichen Ritt. <line type="break" />E. den 13ten. <line type="break" /><align
pos="right">L.</align>
<sidenote pos="left" page="3"
annotation="am linken Rand der dritten Seite, vertikal">
<line tab="1" />Es steht bei Euch, Eure Namen zu Euren Ausarbeitungen herzugeben, oder vorher zu
versuchen welch ein Glück sie bei Kennern machen. Der Himmel walte über Euch und regiere Euch.</sidenote>
<page
index="4" />
<line type="empty" />
<line type="break" /><address>Herrn <line type="break" />Herrn <ul>
Hafner</ul>
<line type="break" />Candidaten der Theologie <line type="break" />zu Strasburg <line
type="break" />gegenüber der neuen Kirche</address>
</letterText>
<!-- sample 12/15: letter 294 (start line 4983, block #294) -->
<letterText letter="294"><page index="1" /><align pos="right">Bern d. 7 August 1777 <line
type="break" /><gr>εν πιστει</gr>.</align>
<line type="empty" />
<line type="empty" />
<line
tab="1" />Lavater! ich bin hier in einem theuren Wirthshause und ohne Geld und erwarte von Dir
daß Du mir gleich nach Ansicht dieses eine Louisdor und einen Dukaten zuschickest Schiebst Dus
einen Posttag auf, so gerath ich in Schulden und andern Händeln die noch schlimmer sind. Wie ich
hie hergekommen, frag nicht, alles das läßt sich im Briefe nicht füglich sagen. Ich hoffe
Schlosser hat Dir für mich schon Geld von Weygandt zugeschickt; ists geschehn, so wieg ich Deinem
Arm desto weniger, der mich in dem Fall in dem ich itzt bin, ganz allein stützen kann <line
tab="1" />Ich werde nicht in Zürich bleiben können. Ausgenommen daß vor der Hand meine
Wirthschaftsumstände dort richten werde und mir deshalb ein acht Tage Aufenthalt in Deinem Hause
ausbitten muß. Kanns aber nicht seyn so sags nur ohne Rückhalt, <ul>denn Du bist ohnehin geplagt
genug.</ul> Deine jetzige Hülfe aber muß ich haben, weil auf die Schleunigkeit derselben eine
unendliche Menge Nebenumstände beruhet, die für mich eben sowohl von den besten als von den
entsetzlichsten Folgen seyn könnten <line type="break" /><align pos="right">Lenz.</align>
<sidenote
pos="left" page="1" annotation="Am linken Rand, vertikal">Ich habe mich hinter Sitten von
Hohenthal getrennt, von dem ich kein Geld habe nehmen wollen.</sidenote>
<line tab="1" />Meine
Adresse ist in der Krone zu Bern. Ich verlasse mich drauf, aufs späteste künftigen Donnerstag als
den 14ten eine Antwort von Dir zu haben, wie mir Pestalotz der Jüngere, der diesen Brief mitnimmt,
versichert hat. <line tab="1" />Gegenwärtigen Zettel laß doch Bester Kaisern aber nicht dem
Römischen <ul>aufs geschwindeste</ul> zukommen. Vielleicht will er meine Adresse, die ich ihm zu
geben vergessen, alsdenn bitte sie ihm zu sagen. <aq>a rivederti.</aq>
</letterText>
<!-- sample 13/15: letter 321 (start line 5467, block #321) -->
<letterText letter="321"><page index="1" /><ink ref="2">
<align pos="right">Riga d. 2ten 8br 1779 <insertion pos="top">a. St.</insertion></align>
</ink>
<line
type="break" />Theurester Bester! <line type="empty" />
<line tab="1" />Verzeyhen Sie die Form
dieses Briefs, wie die Zumuthung die er enthält und setzen beydes auf die Rechnung des strengsten
Vertrauens nicht in Ihre Freundschaft und Güte für mich, die, wie ich aus Proben ersehen
unbeschränkt ist sondern in Ihre Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe. Ich bitte diese Worte nicht
nach dem Herkommen gedruckter Stutzernomenklatur sondern diesmal nach der Bedeutung der
Einsamkeit und ihres Entschlusses auf immer zu nehmen. Also fort für diesmal mit allen äußern
Verhältnissen, die die schnelle Sprache dessen was eine besondere Lage der Umstände jetzt auf mich
wirken muß, nur höchst unfruchtbar aufhalten würden. <line tab="1" />Ich komme eben von einem
Besuch in Gesellschaft meines lieben grauen Vaters und eines jüngeren Bruders, der Sie in Weymar
gesehen, wo ich auf die sonderbarste Art von der Welt in die Enge gebracht bin. Die zärtesten
Sayten meines Herzens und möcht ich sagen, einer gewissen Art von Ehre deren System ich eben nicht
recht von mir geben kann, sind angeschlagen und kurz ich bin diesmal in großer Verlegenheit
die vielleicht durch diesen Brief noch vergrössert wird; aber genug, ich kann mir nicht helfen. Es
ist lange vor meiner Ankunft in Riga von einer Besetzung des nur halb erledigten Rektorats der
Dohmschule (von dem Hr. D. Schlegel sich den Theologischen Theil vorbehält) die Rede gewesen. Mir
hatte man gleich bei meiner Ankunft ins Land verschiedene Vorschläge nach Petersburg gemacht, von
denen mein Herz, weiß ich aus was für Besorgnissen, zurücksteuerte, doch ohne sie ganz aufzugeben.
Ein Gönner meines Schwagers <page index="2" />ein Edelmann der es auch ohne Geburt seyn würde, den
soll ich sagen sein Herz oder sein Geschmak der auf Ambassaden bis nach Spanien, wohl hat
ausgebildet werden können, auch mir sehr anziehend machen schon damals gemacht hatten, als er
von seinen ersten Reisen als blosser Cavalier durch Königsberg nach Hause zurückgieng; erscheint
in unsers Freund Hartknochs Laden. Außer dem Anzüglichen seiner Person, hielt ichs in Ansehung
meines Schwagers, der von dem Hause viel Güte genossen, für Pflicht, ihn und zugleich dem Haupt
dieser Stadt, seinem Schwiegervater die Aufwartung zu machen. Ich beredte, weil er von einem
vorhabenden Besuch bey meinem Vater sprach, den Altgen mit dazu, ihm zuvorzukommen. Wir treffen
ihn nicht zu Hause, wohl aber den Hn. Bürgermeister, einen der thätigsten und ausgezeichnetsten
Patrioten der Stadt und stellen Sie sich meine Verwirrung vor, als ganz unvorbereitet, ganz
überraschend für mich und vermuthlich für alle die gegenwärtig waren, mit der Naivität von der Sie
sich bey meinem Vater nur eine dunkle Vorstellung auch Sie! machen können, er förmlich bey der
Schule für mich anspricht, und wenn ihnen ein Subjekt dazu fehlte, mich unparteyisch welch ein
Ausdruck unparteyisch dazu empfielt. Herr Burgermeisters S. Miene die sich dabey sichtbar
veränderte, machte mir den Mann noch einmal so ehrwürdig, denn nun hatte ich wenigstens meiner
eignen Verlegenheit etwas zuzugesellen. Noch mehr aber seine langsame und geflissentlich <page
index="3" />überlegte Antwort: es sey deswegen an auswärtige Gelehrte geschrieben worden, von
denen zwey abgesagt, itzt steh man mit einem dritten in Traktaten habe aber auch zugleich an Sie
geschrieben und wolle in dem Stück ganz und gar auf Ihre Empfehlung fussen. Itzt hätte mir wohl
werden sollen, und mir wards aber nicht so ganz ich gehe zu einem Freunde wo ich von andern in
das Fach hin einschlagenden Dingen sehr beunruhigt, aber ohne daß sie mich selbst angiengen, zu
sprechen hatte, komme zurück und will sehen, was unsers Hartknochs sehr üble Brust heute macht und
find ihn an einer Post nach Leipzig die er expedirt, und mir Pappier und Feder hinlegt, wenn ich
auch an jemand schreiben wollte. An wen anders als an Sie mich zu empfehlen? nicht doch
Ihre Empfehlung zu erbitten, zu verbitten auch nicht, kurz ich weiß selbst nicht was ich will,
was ich soll aber an wen anders kann, darf ich das schreiben als an Sie Freund Goethe hat
mich wohl vergessen mag will wie ich sehe sich in keins meiner Angelegenheiten mehr mischen,
wird vielleicht durch jede Art meiner Zuschriften selber soll ich sagen beleidigt? doch gewiß
beunruhigt und soll ich empfolen sein wär ichs am liebsten von Ihnen. Guter Gott, aber Sie
kennen, wenn Sie mein Herz ja kennen, weder mein Geschick überhaupt noch zu einer solchen Stelle
in sonderheit. Soviel sag ich Ihnen frey und wills druken lassen, daß in <ul>meinem Vaterlande</ul>
mir eine solche Stelle die wünschenswertheste wäre. Und wem sollte sie es nicht seyn. Ich wollte
solang wenigstens an mir pressen <page index="4" />bis das was ich gutes und vortheilhaftes
draussen eingesogen, ausgedrükt wäre, mögte man hernach mit dem löchrichten Herzen machen was man
wollte. Bey alledem aber habe ich die Theologie nicht gründlich studirt, kann auch keine grosse
Theologen auf die grosse Bühne der Welt schicken. Dafür aber hab ich mich ein wenig in der
Geschichte und Gesetzen meines Vaterlands umgesehen, die ich immer fleissiger mit Zuziehung der
erfahrensten Männer zu studieren gedenke, will dabey gern in dem bißgen Griechisch und modernen
Sprachen, was ich weiß, auch in der sogenannten schönen Kenntniß von Kunstwerken und Kunstsachen,
auch wenn der Adel, der fast den zahlreichsten Theil unsers Landes ausmacht und um Unterricht
verlegen ist, mit zu unsrer Bürgerschule gezogen werden soll, in besondern Stunden in dem
historischen Theil der alten und neuen Taktik Fortifikation u. s. f. soweit Unterricht geben, daß
er hernach praktischem Unterricht schneller nutzen kann, so auch in Staatsgeschichte und <ul>
Staatswirtschaft</ul> welches mir ein Hauptbedürfniß meines Vaterlands scheint auch lateinische
Autoren lesen, und Redübungen mitbetreiben helfen, nach meinen Kräften <line tab="1" />Wissen
Sie ein redlicheres, stärkeres und ausdaurenderes Subjekt für diese Anstalt deren Einrichtung so
wie die Stärke und Umfang seiner Nerven, Kräfte und erworbenen Anlagen Sie kennen, so bezeuge ich
hiemit vor Gott den ich nicht leichtsinnig zum Zeugen nehmen mag daß ich der Anstalt Glük
wünschen und mit dem Schmerz hier nicht haben nützen zu können mich auch a<tl></tl>hnen lernen
werde ohne einen Gedanken von <tl></tl>le den, Ihnen und Ihnen ähnlichen, mit voller warmer
Hochachtung gewiedmeten wegzugeben oder ärmer an <tl></tl>m Gefühl zu <sidenote pos="left"
page="4" annotation="am linken Rand, vertikal"> werden, mit dem ich auch schweigend mich
jederzeit und überall nennen werde <line type="break" /><align pos="right">Ihren <line
type="break" />gehorsamstergebensten <line type="break" />JMR Lenz.</align>
<line
type="empty" />
<align pos="center">
<note>eingerahmt:</note>
</align>
<line type="break" />Mein Vater ist für mich reich, so
auch meine Geschwister. Daß also das nicht in Anschlag kommen darf.</sidenote>
</letterText>
<!-- sample 14/15: letter 347 (start line 6091, block #347) -->
<letterText letter="347"><page index="1" /><align pos="center">HochEdelgeborner Herr <line
type="break" />Insonders hochzuverehrender Herr Justizbürgermeister.</align>
<line type="empty" />
<line
type="empty" />
<line type="empty" />
<line tab="1" />Die Abwesenheit des Hn. v. Liphardt hindert
mich selbst zu kommen, welches mir auf den ersten freyen Augenblick vorbehalte; da meine Eléven
itzt ganz allein meiner Aufsicht überlassen sind. <line tab="1" />Da ich eben an Hn. <aq>Nicolai</aq>
schreibe, so nehme mir die Freiheit, wenn Ew. HochEdelgebornen an ihn schreiben wollten, Ihnen
mein <aq>Couvert</aq> dazu anzubieten. Ich hoffe alsdenn nächstens, Ihnen von der Erfüllung seines
Versprechens etwas überbringen zu können, da ihn Dero Liebhaberey für seltene Manuscripte bekannt
ist. <line tab="1" />Mit vollkommenster Ehrerbietung nenne mich, nach gehorsamer Empfehlung <line
type="empty" />
<line type="break" /><align pos="right">Ew. HochEdelgebornen <line type="break" />Meines
hochzuehrenden Herrn <line type="empty" />
<line type="empty" />
<line type="break" />ganz
ergebenster Diener <line type="break" />J M R Lenz.</align>
<line type="empty" />
<line type="break" />Von
Hause den 28ten 10br. 1780. <page index="4" />
<line type="empty" />
<line type="break" /><address>Sr.
HochEdelgebornen <line type="break" />dem Herrn Herrn K. F. Gadebusch <line type="break" />Hochachtbaren
Justiz-Bürgermeister der Kaiserlichen Stadt Derpt <line type="break" />in Dero Behausung.</address>
</letterText>
<!-- sample 15/15: letter 374 (start line 6843, block #374) -->
<letterText letter="374"><page index="1" /><align pos="right">d. Jenner 1792.</align>
<line
type="break" /><align pos="center">Hochwolgebohrner Herr <line type="break" />insonders
hochzuverehrender Gönner</align>
<line type="empty" />
<line type="empty" />
<line type="empty" />
<line
tab="1" />Ich habe Russische Zobelhändler aufgesucht, um sie aufzumuntern, eine Reise nach Dörpt
zu übernehmen, da ich weiß, daß der zahlreiche dasige Adel in der h.3. Köngismesse sich sonst mit
Pelzwerk von Frankreich aus Canada versieht und ich nicht begreiffe, warum ein solcher Handel
nicht mit Kaufleuten aus Moskau zu schliessen wäre. Allein ich ward krank über diese Jagd und da
mir das Ausgehen durch heftige Schmerzen gewehrt blieb, so glaubte wenigstens durch einige Zeilen
der Erinnemng genug zu thun, welche von Ew. Hochwolgeb. ersten Bekanntschaft auf der Schule in
fremde Länder mitnahm und wo ich nicht irre auf einem Conzert im Löwensternschen Hause so
überraschend angenehm in einem Jahrmarkt zu erneuren die Ehre hatte. Vielleicht reiset einer
unsrer hiesigen holländischen Kaufleute hinüber und nimmt diese Waare mit sich; es war mir
hauptsächlich daran gelegen, dem Liefländischen Adel welcher wie man mir gesagt, von der Akademie
der Wissenschaften Winke erhalten, daß die Monarchinn entweder in Dörpt oder in Pleskau, wo die
Ewst und Welika sich mit der Toropa vereinigen eine hohe Schule errichten wolle, einheimischen
Adel in den Landessprachen und Rechten unterrichten zu lassen, eh er die Fremde besucht, etwa <ul>zur
Einweyhung</ul> eines neuen Gebäudes, wie der <ul>Domantische</ul> Zauberpallast eines
verwünschten Prinzen in Pieskau seyn soll, Vorschub zu thun. Man sprach von einer Drukerey, die
aus Oberpalen hieher versetzt werden sollte, und in der That wäre Herr Past. Hupel, der sich so
verdient ums Vaterland gemacht, nach der Beschreibung Hn. Bakmeister in Petersb. von der alten
Akademie zu Derpt, der einzige Gelehrte der <ul>werth</ul> wäre, an der <ul>Stiftung</ul> einer
Universität Teil zu nehmen, da es ihm, wenn er sich etwa im Sommer oder Wintersemester dort
aufhalten wollte, an einem Adjunkt in Oberpalen oder auch in Pieskau oder Derpt nicht fehlen
sollte. <page index="2" />
<line tab="1" />Es ist hier ein Fürst Gholizin der in Liefland Güter hat
und von seiner Bekanntschaft weiß ich zwey liebenswürdige Gelehrte aus der Schweitz, die
vielleicht gegen vortheilhafte Anträge aus Liefland nicht unempfindlich seyn würden. Im
Vorbeigehen <aq>„oserois je bien demander, mon cher Baron, si Vous aviez quelques Iiaisons avec
une certaine Dame Douairière, Soeur de Ia Generale Kurganoffsky de Ia flotte à S. Petersbourg. Sa
Soeur, comme elle ne doit pas ignorer, sest donné une superbe maison et je crois que Me. dA **
feroit très bien, de lui confier une ou deux de ses filles, dont on ma dit, quune avoit un
promis, Officier au corps des Cadets, et que jai eû Ihonneur de voir chez Me. de K**. Le
scrupule comme si son fief de Ia couronne courroit risque en eloignant une de ses filles,
cesseroit bien vite parceque ces sortes de donations sont pour Ia vie de Ia Douairière. De plus,
ce jeune officier dont depuis mon sejour ici je nai Ia moindre nouvelle, se trouvera probablement
encore au corps, oú une 20taine de <ul>Livoniens</ul> sont élevés aux depens de IImperatrice. Ces
Livoniens en sort<ul>ant du</ul> corps, pourro<ul>ient con</ul>tinuer leurs études <ul>à Plesc</ul>ou,
et Mons. de Pr<ul>attje se</ul> faire un merite distingué, de les accompagner.“</aq>
<line tab="1" />Verzeihen
Ew. Hochwolgeb. daß ich alle Mißverständnisse zwischen Rußland und Liefland auf die Rechnung alter
Chronikenschreiber und Schulfüchse setze. Sie waren nicht viel besser als die Romanschreiber, die
bei den häuffigen Pressen in Deutschland sich wohl oft der seltsamen Anwendungen ihrer
Rittergeschichten von der runden Tafel nicht versehen würden. Die Schwürigkeiten der Sprache, die
durch Sitten, Gebräuche, Speisen sich gern möchten <ul>errathen</ul> lassen, wenn sie sich Feier
in der <page index="3" />Aussprache zu begehen scheuen, machen das einzige Mißverständniß. Die
Russische Geistlichkeit in Petersburg versteht sich sehr wohl mit der deutschen und wenn
Drukereyen in beiden Sprachen oder die Uebersetzung des nehmlichen Buchs in beyde den Weg
öfneten, so würde man bei dem Russen des nehmlichen Nervensystems und Blutumlaufs, auch die
nehmlichen Gesinnungen antreffen. <line tab="1" />Ich befinde mich ein wenig in einer kritischen
Lage, welche meinen lieben Brüdern und Schwestern nicht unbekannt seyn kann. Man hält mich hier
überall für reich da ich doch einen Vater habe, der bereits über dem Grabe schwebt, eine Wittwe
als Tochter mit ihren Kindern bei sich hat oder in Petersburg unterstützt und von den starken
Familien meiner übrigen wohlversorgten Geschwister gleichfalls in Anspruch genommen wird. Es ist
schwürig, mit meinen Geschwistern Briefwechsel zu führen, denn da ein Prof. in Giessen mir die
Ehre erwiesen mich mit dem Romanschreiber der aber in andem Aemtern dabei steht Hn. Göthe in
eine Liste zu setzen, so suchen und finden sie in allen meinen Briefen nichts als unverständliche
Worte Poesie und Roman. Der Himmel wolle ihnen das wohlbekommen lassen und den Buchhandel in
Liefland vermehren, damit sie auch den berühmten Rousseau vom Fuß der Pedemontischen Gebirge zur
Ehre unsrer Nation in unsrer Sprache lesen können. Meine ziemlich ernsthafte Krankheit setzt
dismal allen launigten Nebenausschielenden Anspielungen Grenzen, unser Leben ist freilich auf
diesem Erdball nur allzuoft wunderbarer, als es sich das Hirn der Dichter und Leser von Gedichten
vorstellen mag. Ew. Hochwolgeb. Wollen mir meine Geschwätzigkeit als einem Kranken und zum
Jahrmarkte verzeihen da man gern viel spricht und ich hoffe, daß auch mein Bruder und Geschwister
das Glük haben werden, denenseihen aufzuwarten. Man spricht von neuen Magazinen die einige reiche
Entrepreneure von Metallgruben an verschiedenen Plätzen des Reichs errichten werden, welches <page
index="4" />da man in Liefland nur Branntwein nach Permien und Casan schikt, leicht zu einem
solidem Handel mit Brod und Gerstensaft Gelegenheit geben könnte, woran es in den Berggruben zu
mangeln scheint. Der Russische Tressenhandel würde z. B. nebst Kupfer zu Branntweinkesseln und
Eisen zu andern Kesseln, gegen Lieferungen an Grütze, Malz u. s. f. über Pleskau, Toropez und
Smolensk durch Agenten sehr wohl geführt werden, und manche Weitläuftigkeiten erspahren. Ich will
vom Leinwand und Strumpfhandel schweigen, der auch aus benachbarten Ländern geführt wird, und da
fast halb Rußland barfuß geht, bei Vereinigung der Düna mit dem Dnepr und der Moskwa mit vielem
Vortheil, nebst dasigen Lächsen und gesalzenem Fleisch gegen Sibirische Fische geführt werden
könnte, die man auf dem Wasser lebend erhalten kann. Sollten die Engländer mehr Bley und Zinn
einführen, daß mehr Küchengeräth angeschafft werden könnte und sich etwa ihres Plüsch und
Manchesterhandels wegen in Absicht der Geistlichen mit der <ul>Krone</ul> in Verhandlungen
einlassen, so würde der innere Handel auf den Liefländischen Märkten bald mehr Vergnügen machen,
als selbst der entfernte. Ich breche ab um Ew. Hochwohlgeb. als ein Kranker die aufrichtige
Achtung zu bezeugen, welche mir Ihr persönliches Bezeigen eingeflößt. Den Liphartischen Häusern
bezeige meine Ehrerbietung gleichfalls, und den jungen von Löwenstern bitte gelegentlich
beizubringen, daß ihr ehmaliger Hofmeister im Hause des D. <ul>Büsching</ul> in Berlin schon vor
mehrern Jahren den Schritt gethan, den wir alle einmal machen werden und welchem in diesen Tagen
auch bisweilen nahe war. <line type="break" /><align pos="right">Ew. Hochwolgebornen <line
type="break" />gehorsamer Diener <line type="break" />JMR Lenz.</align>
<line type="break" />Moskau,
d. 14ten Jenner 1792. <line type="empty" />
<line type="break" />Hn. Postmeister Peuker wird dieser
Brief wo möglich zur Bestellung ergebenst empfohlen. <line type="empty" />
<line type="break" /><address>
<line type="empty" />
<line type="break" />
<align pos="center">
<aq>á Monsieur <line type="break" />Monsieur le Baron de Stiernhielm <line type="break" />possesseur
des terres <line type="break" />á Wasola</aq>
</align>
</address>
</letterText>
</document>