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@@ -1539,14 +1539,14 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. –
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<line tab="1"/>Ich freue mich himmlische Freude, daß Du mein Stück gerade von der Seite empfindest auf der ichs empfunden wünschte, von der Politischen. Doch es konnte nicht fehlen, überall auf Deine Meynungen und Grundsätze gepfropft
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<line tab="1"/>Was die letzte Szene betrifft, so viel ich mich auf sie zurückerinnere, deucht mich könnte allen verdrießlichen Folgen durch Weglassung oder Veränderung einiger Ausdrücke des Obristen begegnet werden. Z. E. das mit den Konkubinen, medischen Weibern, könnte ganz wegfallen und der Obriste dafür lieber von Soldatenweibern sprechen, die wie die Landmilitz durchs Looß in den Dörfern gezogen würden und sodann wie die Römischen Weiber die nicht <aq>confarreatae</aq> waren, auf gewisse Jahre sich verheuratheten. Die Kinder erzöge der König. Sie giengen auch wohl wieder in ihr Dorf zurück und blieben ehrlich, es war <aq>sors.</aq>
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<sidenote pos="left" page="1" annotation="am linken Rand, vertikal"> Doch darf und kann vor einem Jahr von diesem 20sten Novbr. an das Stück nicht gedruckt werden. Und auch dann wenn ich noch hier bin, frage mich. – Verzeyh Grosser! meine närrische <ul>Ordre.</ul> Welch Wort!</sidenote>
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<line tab="1"/>Was die letzte Scene betrift, so viel ich mich auf sie zurückerinnere, deucht mich könnte allen verdrießlichen Folgen durch Weg<subst><del>g</del><insertion>l</insertion></subst>assung oder Veränderung einiger Ausdrücke des Obristen begegnet werden. Z. E. das mit den Konkubinen, medischen Weibern, könnte ganz wegfallen und der Obriste dafür lieber von Soldatenweibern sprechen, die wie die Landmilitz durchs Looß in den Dörfern gezogen würden und sodann wie die Römischen Weiber die nicht <aq>confarreata</aq> waren, auf gewisse Jahre sich verheuratheten. Die Kinder erzöge der König. Sie giengen auch wohl wieder in ihr Dorf zurück und blieben ehrlich, es war <aq>sors.</aq>
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<sidenote pos="left" page="1" annotation="am linken Rand der ersten Seite, vertikal"> Doch darf und kann vor einem Jahr von diesem 20sten Novbr. an das Stück nicht gedruckt werden. Und auch dann wenn ich noch hier bin, frage mich. – Verzeyh Grosser! meine närrische <ul>Ordre.</ul> Welch Wort!</sidenote>
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<line tab="1"/>Ordentliche Soldatenehen wollen mir nicht
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<page index="2"/>in den Kopf. Soldaten können und sollen nicht mild seyn, dafür sind sie Soldaten. Hektar im Homer hat immer recht gehabt, wären der Griechen Weiber mit ihnen gewesen, sie hätten Troja nimmer erobert. Ich hab einige Jahre mit den Leuten gewirthschaftet in Garnisonen gelegen gelebt handthiert
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<page index="2"/>in den Kopf. Soldaten können und sollen nicht mild seyn, dafür sind sie Soldaten. Hecktor im Homer hat immer Recht gehabt, wären der Griechen Weiber mit ihnen gewesen, sie hätten Troja nimmer erobert. Ich hab einige Jahre mit den Leuten gewirthschaftet in Garnisonen gelegen gelebt handthiert
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<line tab="1"/>Wenn Du anstehst Theurer, so schick mir die letzte Scene abgeschrieben zu, daß ich sie ändere. Doch könntest Dus so leicht thun, nur in den <ul>einen</ul> Dialog des Obristen einschieben pp Laß mich die Fürsten erst fragen, ich will Ihnen mein Projeckt schon deutlicher machen.
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<line tab="1"/>Was ich verlange? Nichts verlange ich, einen Dukaten zwey Dukaten was der Kerl geben will. Wär’ ich meiner kleinen Schulden erst frey, nähm’ ich durchaus auch gar kein Buchhändler <ul>honorarium,</ul> das mir jedem Schriftsteller äusserst <ul>schimpflich</ul> scheint.
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<line tab="1"/>Mein Reisegefährt ist ein guter wachsweicher Mensch, der sich itzt so an Strasb. angeklebt hat, daß ich nicht weiß ob er je loßkommen wird. Es ist der Sohn des Münzjuden Ephraim, der sich aber nicht dafür ausgiebt, sondern Flies nennt. Sein voriger Reisegefährt hat ihn beym Mitleiden angepackt, da zappelt er nun. Ich sage kein Wort wie Du Dir leicht vorstellst – wer weiß ob ich gar reise.
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<sidenote pos="left" page="2" annotation="am linken Rand, vertikal"> Abgötterey treib ich mit euren Silhouetten. Sage Deiner Frau, daß ich jeden Buchstaben von ihr küsse. Sie und die Schlossern (von der ich eben komme) sind die Frauen meiner Freunde, an deren Liebenswürdigkeit ich mich auf keine andere Art <ul>zu rächen</ul> weiß als daß ich sie einmal wie Aristoph. aufs Theater ziehe. <gr>έλχειν</gr> – aber erschrick nicht. Auf <ul>meine</ul> Art.</sidenote>
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<line tab="1"/>Was ich verlange? Nichts verlange ich, einen Dukaten zwey Dukaten was der Kerl geben will. Wär’ ich meiner kleinen Schulden erst frey, nähm’ ich durchaus auch gar kein Buchhändler<ul>honorarium,</ul> das mir jedem Schriftsteller äusserst <ul>schimpflich</ul> scheint.
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<line tab="1"/>Mein Reisegefährth ist ein guter wachsweicher Mensch, der sich itzt so an Strasb. angeklebt hat, daß ich nicht weiß ob er je loßkommen wird. Es ist der Sohn des Münzjuden Ephraim, der sich aber nicht dafür ausgiebt, sondern Flies nennt. Sein voriger Reisegefährth hat ihn beym Mitleiden angepackt, da zappelt er nun. Ich sage kein Wort wie Du Dir leicht vorstellst – wer weiß ob ich gar reise.
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<sidenote pos="left" page="2" annotation="am linken Rand der zweiten Seite, vertikal"> Abgötterey treib ich mit euren Silhouetten. Sage Deiner Frau, daß ich jeden Buchstaben von ihr küsse. Sie und die Schlossern (von der ich eben komme) sind die Frauen meiner Freunde, an deren Liebenswürdigkeit ich mich auf keine andere Art <ul>zu rächen weiß </ul> als daß ich sie einmal wie Aristoph. aufs Theater ziehe. <gr>έλκειν.</gr> – aber erschrick nicht. Auf <ul>meine</ul> Art.</sidenote>
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