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@@ -2221,20 +2221,20 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. –
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<letterText letter="131"><page index="1"/><align pos="right"><hand ref="20"> Empf. den 16ten März. 1776.</hand></align>
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<line tab="1"/>Ich danke Ihnen lieber wahrer warmer Freund! für alle Ihre freundschaftlichen, soll ich lieber sagen, patriotischen Mühwaltungen. Alles ist <ul>gegangen wie ichs wünschte</ul> und das, weil das Geschäft Ihnen anvertraut war. Lassen Sie die abgedruckten Exemplare <ul>alle zu</ul> sich kommen und heben Sie sie sorgfältiger <ul>als Schießpulver auf – <fn index="5"><anchor>#</anchor></fn></ul> bis ich Ihnen sage was damit anzufangen. Eins möcht ich doch zur Probe haben mehrere Vertheidigungen aber halte ich mir ja aus. Der Verlust kränkt mich nicht, so beträchtlich er für einen Poeten ist. Und nun nehmen Sie nochmals meinen Dank und meinen Kuß und meine Umarmung für das Vollziehenhelfen einer Sache deren Folgen ich alle zu rechter Zeit zu benutzen wissen werde.
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<line tab="1"/>Jetzt will ich Ihnen gestehen, daß dem armen Hellwieg ohnehin bey den Wolken ein Nachdruck würde zuvorgeeilt seyn den ich mit allen Kräften die ich anwandte nicht würde haben verhindern können. Es hatte jemand durch die dritte Hand das Mskpt. bekommen eine Abschrift davon genommen und schrieb mir er würde es drucken lassen, ich möchte’s erlauben oder nicht. Jetzt ist auch das durch eine Aufopferung verhindert –
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<line tab="1"/>Jetzt will ich Ihnen gestehen, daß dem armen Hellwieg ohnehin bey den Wolken ein Nachdruck würde zuvorgeeilt seyn den ich mit allen Kräften die ich anwandte nicht würde haben verhindern können. Es hatte jemand durch die dritte Hand das Mskpt. bekommen eine Abschrift davon genommen und schrieb mir er würde es drucken lassen, ich möcht’s erlauben oder nicht. Jetzt ist auch das durch eine Aufopferung verhindert –
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<sidenote pos="left" page="1" annotation="am linken Rand, vertikal"> <fn index="5"><anchor>#</anchor></fn> Kein Mensch darf sie zu Augen bekommen, oder unsre Freundschaft ist todt.</sidenote>
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</letterText>
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<letterText letter="132"><page index="1"/>
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<line tab="1"/>Ja lieber Lindau es ist geschehen das Luftschloß ist gebaut und auf Deine Unkosten. Sag mir nur wem ich die 9 Louisdor wieder einhändigen soll die Du mir geliehen hast. Deinen Fräulein Schwestern oder Schlossern oder Lavatern daß sie sie zur Erziehung Deines Peters anwenden. Sobald ichs im Stande bin will ich auch weiter für ihn sorgen und in Deine Stelle treten. Was sollte er auch jetzt in Amerika: Wenn er reiffer ist kann er Dir schon nachreisen. Ueberhpt hast Du mit Dir genug zu thun und so gern ich gewollt hätte, so war Deine Idee doch unmöglich auszuführen. Ich bekam das Geld erst den 15ten nach der Schweitz nach Zürch hätt es 8 Tage gehen müssen von da nach Marschlins, ehe Dein Bube in Straßbg ankommen wäre warst Du über alle Berge geschweige denn ehe wir beyde die Reise hinaufgemacht
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<line tab="1"/>Zu dem hatte ich dringende Angelegenheiten die meine Gegenwart in Weymar nothwendig machten und die Du auch einmal erfahren und Dich drüber freuen sollst. Mach nur daß Du bald wieder nach Europa kommst. Sey brav aber nicht zu verwegen. Vor allen Dingen behalte kaltes Blut und Augenmaaß die Grenzen der Gefahr abzumessen und dann ihrer zu lachen. Gewöhne Deine Soldaten dem Musketenfeuer geschlossen und mit aufgepflanzten Bajonetten entgegenzugehen ihr werdt die Feinde aus der Fassung bringen sie werden schiessen aber nicht treffen. Kommt ihr nah so schießt auch aber zielt nicht zu hoch, in einer Entfernung von 50 Schritt zielt nach dem Bein. Vor allen Dingen marschirt fest und gerade daß die Linie nicht an zu schwanken fängt. Die kreutzenden Feuer sind die besten wenns doch geschossen seyn soll. Im Marschiren schießt gar nicht Könnt ihr den Feind mit Bäumen die halb umgehauen halb noch an den Wurzeln hängen und mit Strömen die ihr an einem Ort dämmen könnt, damit sie am andern austreten aufhalten so thut es. Kehrt Euch an die Kanonen nicht die mehr Lärmen machen als Schaden thun verändert eure Bewegungen und eure Märsche beständig so verwirrt und dekontenancirt ihr den Feind. Und seht ihr die Colonisten einmal so sagt ihnen daß sie Narren sind daß sie für eine Freiheit fechten die in der Natur der Englischen Verfassung nicht liegt die nur ein eingeschlichener Mißbrauch ist. Das Unterhaus hat nie Stimme im Parlament gehabt als da die Könige Geld von ihnen brauchten
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<line tab="1"/>Ja lieber Lindau es ist geschehen das Luftschloß ist gebaut und auf Deine Unkosten. Sag mir nur wem ich die 9 Louisdor wieder einhändigen soll die Du mir geliehen hast. Deinen Fräulein Schwestern oder Schlossern oder Lavatern daß sie sie zur Erziehung Deines Peters anwenden. Sobald ichs im Stande bin will ich auch weiter für ihn sorgen und in Deine Stelle treten. Was sollte er auch jetzt in Amerika: Wenn er reiffer ist kann er Dir schon nachreisen. Ueberhpt hast Du mit Dir genug zu thun und so gern ich gewollt hätte so war Deine Idee doch unmöglich auszuführen. Ich bekam das Geld erst den 15ten nach der Schweitz nach Zürch hätt es 8 Tage gehen müssen von da nach Marschlins, ehe Dein Bube in Strasbg ankommen wäre warst Du über alle Berge geschweige denn ehe wir beyde die Reise hinaufgemacht
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<line tab="1"/>Zudem hatte ich dringende Angelegenheiten die meine Gegenwart in Weymar nothwendig machten und die Du auch einmal erfahren und Dich drüber freuen sollst. Mach nur daß Du bald wieder nach Europa kommst. Sey brav aber nicht zu verwegen. Vor allen Dingen behalte kaltes Blut und Augenmaaß die Grenzen der Gefahr abzumessen und dann ihrer zu lachen. Gewöhne Deine Soldaten dem Musketenfeuer geschlossen und mit aufgepflanzten Bajonetten entgegenzugehen ihr werdt die Feinde aus der Fassung bringen sie werden schiessen aber nicht treffen. Kommt ihr nah so schießt auch aber zielt nicht zu hoch, in einer Entfernung von 50 Schritt zielt nach dem Bein. Vor allen Dingen marschirt fest und gerade daß die Linie nicht an zu schwanken fängt. Die kreutzenden Feuer sind die besten wenns doch geschossen seyn soll. Im Marschiren schießt gar nicht Könnt ihr den Feind mit Bäumen die halb umgehauen halb noch an den Wurzeln hängen und mit Strömen die ihr an einem Ort dämmen könnt, damit sie am andern austreten aufhalten so thut es. Kehrt euch an die Kanonen nicht die mehr Lärmen machen als Schaden thun verändert eure Bewegungen und eure Märsche beständig so verwirrt und dekontenancirt ihr den Feind. Und seht ihr die Colonisten einmal so sagt ihnen daß sie Narren sind daß sie für eine Freiheit fechten die in der Natur der Englischen Verfassung nicht liegt die nur ein eingeschlichener Mißbrauch ist. Das Unterhaus hat nie Stimme im Parlament gehabt als da die Könige Geld von ihnen brauchten
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<page index="2"/>und den Adel scheeren wollten. Sie hatten nie ein anderes Recht als zu bitten Suppliken einzureichen und das behalten sie ja noch. Wenn der König sie nöthig hat und sie ihm Geld stossen wird er ihnen schon mehr bewilligen.
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<line tab="1"/>Unterdessen gehabt euch wohl und Gottes Schutz walte über euch. <ul>Er wird walten über euch.</ul> Und hab ich euch beleidigt verzeyht mir. Der Peter wär auch nur zur Last dort geworden und nach Europa sollt und müßt Ihr wieder zurückkehren mein lieber lieber Lindau.
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<line type="break" /><align pos="right">mit innigster Wehmuth</align>
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<line tab="1"/>Unterdessen gehabt euch wohl und Gottes Schutz walte über euch. <ul>Er wird walten über euch.</ul> Und hab ich euch beleidigt verzeyht mir. Der Peter wär euch nur zur Last dort geworden und nach Europa sollt und müßt ihr wieder zurückkehren mein lieber lieber Lindau.
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<line type="break" /><align pos="right">mit innigster Wemuth</align>
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<line type="break" /><align pos="right">Lenz</align>
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<line tab="1"/>Macht die Distanzen zwischen euren Divisionen immer grösser und grösser, so sehen sie euch immer für noch einmal soviel an. Ich schike das Geld Deinen Fräulein Schwestern mögen sie damit disponiren oder Lavatern wie Dus befiehlst.
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<line tab="1"/>In der Magna charta von England steht kein Wort vom Unterhause. Nur durch das Geld das sie dem König Eduard stiessen brachten sie es bey ihm dahin
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<line tab="1"/>Macht die Distanzen zwischen euren Divisionen immer grösser und grösser, so sehen sie euch immer für noch einmal soviel an. Ich schike das Geld Deinen Fräulein Schwestern mögen sie damit disponiren oder Lavatern wie Dus befielst.
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<line tab="1"/>In der <aq>Magna charta</aq> von England steht kein Wort vom Unterhause. Nur durch das Geld das sie dem König Eduard stiessen brachten sie es bey ihm dahin
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<line tab="1"/>Auch werden es die Kolonisten nicht lange machen alles rüstet sich wieder sie und das Geld wird ihnen in die Länge auch schon fehlen. Schreibt aus Amerika an mich wenn ihr euren Peter verlangt kann er künftiges Frühjahr ein wenig gescheuter mit den Schiffen zu euch kommen
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<line tab="1"/>Greven ist bey euch, grüßt ihn feurig wenn er mich gleich nicht leiden kann.
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</letterText>
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@@ -2356,14 +2356,15 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. –
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<letterText letter="141"><page index="1"/>Lieber Lentz,
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<line tab="1"/>alle Deine Briefe hab ich, verstehe sie und spotte Deiner nicht. – Ich habe <ul>ein</ul> Bild von der Waldnern, nicht <ul>zwey</ul> erhalten. Das von Baly – leicht u: schlecht gemahlt – übrigens noch <ul>so,</ul> daß ich all Dein Zittern u: Sehnen verstehe u: natürlich finde. Es ist unmöglich, daß ich Dir izt was drüber sage. Es ist Samstag, u: ich kann nicht aufsehn. Das Engelsbild kam erst vorgestern. Hätt’ aber lieber eine bloße Silhouette gehabt. Das muß ein ganz ander Gesicht seyn, in der Wahrheit. Das Bild ist, wie sehr mans kenntlich nennen mag, abscheulich verschwemmt; der große göttliche Umriß so zaghaft unbestimmt herabgepinselt, daß ich über den Mahler recht unwillig wurde – unmöglich ists, Lieber, daß ich Dir das Bild mit der ersten <del>fah</del> Landkutsche zurücksende. Ich habe nur Eines. Dieß laß ich sogleich, so gut, als möglich kopiren. Ich erhielts erst Mittwoch Abends, Donnerstag ließ ichs anfangen. Soll ichs <ul>Dir</ul> senden das Original, als <ul>Dein</ul> oder <ul>mein</ul> Eigentum. Hats die W. <ul>mir</ul> oder <ul>Dir</ul> geschenkt? Thut nichts, es ist immer <ul>Dein.</ul> Nur daß ich, des Dankens wegen es wiße. Hierauf deutl. bestimmte Antwort.
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<line tab="1"/>Vorläufig werd’ ich ihr schreiben. – Ihr Brief ist <ul>entsetzl. kalt.</ul> recht so im Fürstenstyl – das thut aber nichts. Ihr Gesicht ist tausendmal beßer, als ihr Brief. Die Nase allein ist mehr werth, als tausend andre Gesichter, obwohl auch diese verzeichnet ist.
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<line tab="1"/>alle Deine Briefe hab’ ich, verstehe sie u. spotte Deiner nicht. – Ich habe <ul>ein</ul> Bild von der Waldnern, nicht <ul>zwey</ul> erhalten. Das von Baly – leicht u: schlecht gemahlt – übrigens noch <ul>so,</ul> daß ich all Dein Zittern u: Sehnen verstehe u: natürl. finde. Es ist unmöglich, daß ich Dir izt was drüber sage. Es ist Samstag, u: ich kann nicht aufsehn. Das Engelsbild kam erst vorgestern. Hätt’ aber lieber eine bloße Silhouette gehabt. Das muß ein ganz ander Gesicht seyn, in der Wahrheit. Das Bild ist, wie sehr mans kenntlich nennen mag, abscheulich verschwemmt; der große göttliche umriß so zaghaft unbestimmt herabgepinselt, daß ich über den Mahler recht unwillig wurde – unmöglich ists, lieber, daß ich Dir das Bild mit der ersten <del>fah</del> Landkutsche zurücksende. Ich habe nur Eines. Dieß laß ich sogleich, so gut, als möglich kopiren. Ich erhielts erst Mittwochs Abends. Donntags ließ ichs anfangen. Soll ichs <ul>Dir</ul> senden das Original, als <ul>Dein</ul> oder <ul>mein</ul> Eigenthum. Hats die W. <ul>mir</ul> oder <ul>Dir</ul> geschenkt? Thut nichts, Es ist immer <ul>Dein.</ul> Nur daß ich, des Dankens wegen es wiße. Hierauf deutl. bestimmte Antwort.
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<line tab="1"/>Vorläufig werd’ ich Ihr schreiben. – Ihr Brief ist <ul>entsetzl. kalt.</ul> recht so im Fürstenstyl – das thut aber nichts. Ihr Gesicht ist tausendmal beßer, als Ihr Brief. Die Nase allein ist mehr werth, als tausend andre Gesichter, obwol auch diese verzeichnet ist.
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<line tab="1"/>Kayser wünscht zu wissen, wo Du bist. Ich bin ruhig. Er nicht so.
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<line tab="1"/><ul>Kaufmann</ul> wird ein herrlicher Mensch <ul>werden.</ul>
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<line tab="1"/>Alles was ich izt schreiben kann. <ul>Lebe</ul> u: <ul>Liebe.</ul> Amen! D 22 Mz 76. L.
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<line tab="1"/>Kaufmann <ul>wird</ul> ein herrlicher Mensch <ul>werden.</ul>
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<line tab="1"/>Alles, was ich izt schreiben kann. <ul>Lebe</ul> u: <ul>Liebe.</ul> Amen! D 22 Mz 76. L.
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<page index="2"/>
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<line type="break"/><address><tl></tl>rn <ul>Lenz</ul> in <ul>Straßburg.</ul></address>
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<line type="break"/><address><tl></tl>rn <ul>Lenz</ul>
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<line type="break"/>in <ul>Straßburg.</ul></address>
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<letterText letter="142"><page index="1"/>
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@@ -2375,8 +2376,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. –
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<letterText letter="143"><page index="1"/>D 25 Mertz
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<line tab="1"/>Sagen Sie doch Lentz daß Frl. von Waldner eine Braut ist, mit einem Mann der nicht ganz ihrer werth ist, ohne die feinen Empfindungen die ihren Haupt Character bezeichnen und besser gemacht ein alltags Geschöpf glücklich zu machen wie <ul>sie</ul>, ihr Hertz hat ihn auch nicht gewählt, Vernunft und starcke Ursachen die sich nicht sagen lassen, haben die Sache entschieden ich hoffe aber doch sie soll glücklich seyn wann sie will – <del>ich ken</del> dieß ist das Geheimniß das <del>sie</del> Lentz so sehnlich zu wissen verlangte, nun hat er es – es ist H. v. Oberkirch der älteste der ihn sie heurathet, gleich nach Ostern wird sie ihr Glück entscheiden, o es werde vollkommen!! – ich kann Ihnen heute nichts nichts sagen, ich habe keinen
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<page index="2"/>Augenblick Zeit dazu, doch wollte ich Lentzen den Antheil belohnen den er an meiner Freundin Schicksal nimmt. Versichern Sie ihn meiner Freundschaft Sie wißen daß Sie sie auf ewig haben
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<line tab="1"/>Sagen Sie doch Lentz daß Frl. v. Waldner eine Braut ist, mit einem Mann der nicht gantz ihrer werth ist, ohne die feinen Empfindungen die ihren Haupt Character bezeichnen, u beßer gemacht ein alltags Geschöpf glücklich zu machen wie <ul>sie</ul>, ihr Hertz hat ihn auch nicht gewählt, Vernunft u starcke Ursachen die sich nicht sagen laßen, haben die Sache entschieden, ich hoffe aber doch sie soll glücklich seyn wann sie will – <del>ich ken</del> dieß ist das Geheimniß das <del>sie</del> Lentz so sehnlich zu wißen verlangte, nun hat er es – es ist Hl. v. Oberkirch der älteste der <del>ihn</del> sie heurathet, gleich nach Ostern wird sie ihr Glück entscheiden, o es werde vollkommen!! – ich kan Ihnen heute nichts nichts sagen, ich habe keinen
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<page index="2"/>Augenblick Zeit dazu, doch wollte ich Lentzen den Antheil belohnen <del>ohne</del> den er an meiner Freundin Schicksaal nimmt Versichern Sie ihn meiner Freundschaft Sie wißen daß Sie sie auf ewig haben
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<line type="break" /><align pos="right">Luise</align>
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</letterText>
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@@ -2385,28 +2386,30 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. –
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<line type="break" /><align pos="center">Darmstadt</align>
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<line tab="1"/>Ich will Dir alles sagen Herder! Das Mädchen das die Hauptfigur meiner Soldaten ausmacht, lebt gegenwärtig in der süßen Erwartung ihren Bräutigam, das ein Offizier ist getreu wiederkehren zu sehen. Ob der’s thut oder sie betrügt steht bei Gott. <ul>Betrügt er sie,</ul> so könnten die Soldaten nicht bald genug bekannt gemacht werden um den Menschen zu zerscheitern oder zu seiner Pflicht vielleicht noch zurück zu peitschen. <ul>Betrügt er sie nicht,</ul> so könnte vielleicht das Stück ihr ganzes Glück und ihre Ehre verderben, obschon nichts als einige Farben des Details von ihr entlehnt sind und ich das Ganze zusammengelogen habe.
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<line tab="1"/>Ich will Dir alles sagen Herder! Das Mädgen das die Hauptfigur meiner Soldaten ausmacht, lebt gegenwärtig in der süssen Erwartung ihren Bräutigam, das ein Offizier ist getreu wiederkehren zu sehen. Ob der’s thut oder sie betrügt steht bey Gott. <ul>Betrügt er sie,</ul> so könnten die Soldaten nicht bald genug bekannt gemacht werden um den Menschen zu zerscheitern oder zu seiner Pflicht vielleicht noch zurück zu peitschen. <ul>Betrügt er sie nicht,</ul> so könnte vielleicht das Stück ihr ganzes Glück und ihre Ehre verderben, obschon nichts als einige Farben des Details von ihr entlehnt sind und ich das Ganze zusammengelogen habe.
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<line tab="1"/>Das ist die Bewandniß nun entscheide!
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<sidenote pos="left" page="1" annotation="am linken Rand der ersten Seite, vertikal">
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<line tab="1"/>es ist mir Last der Verzweiflung wenn man meine Wolken Goethen auf den Rücken schieben wollte. Er weiß nicht einmal daß ich die <ul>Idee</ul> gehabt welche zu schreiben. – Ueberhaupt stehe ich allein.</sidenote>
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<page index="2"/>
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<sidenote pos="top" page="2" annotation="am oberen Rand, horizontal gespiegelt">auf das Paradies wär ich begierig Könnt ichs nicht bekommen Vater Herder?</sidenote>
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<line tab="1"/>Wenigstens müßte <ul>in ein Zeitungsblatt</ul> gesetzt werden, das Stück wäre von einem gewissen Theobald Steenkerk aus Amsterdamm geschrieben worden, damit wenigstens bey den Stadtwäschern die nichts weiter als Detail drin sehen vor zu großen Unverschämtheiten eine Sperrkegel gelegt würde. Meine Exemplare kommen nicht aus den Händen. Für die Bezahlung danke.
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<sidenote pos="top" page="2" annotation="am oberen Rand, horizontal gespiegelt">auf das Paradies wär’ ich begierig könnt ichs nicht bekommen Vater Herder?</sidenote>
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<line tab="1"/>Wenigstens müste <ul>in ein Zeitungsblatt</ul> gesetzt werden, das Stück wäre von einem gewissen Theobald Steenkerk aus Amsterdamm geschrieben worden, damit wenigstens bey den Stadtwäschern die nichts weiter als Detail drinn sehen vor zu grossen Unverschämtheiten eine Sperrkegel gelegt würde. Meine Exemplare kommen nicht aus den Händen. Für die Bezahlung danke.
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<sidenote pos="left" page="2" annotation="am linken Rand des ersten Absatzes der zweiten Seite, vertikal"> nichts von Schicksal hier!</sidenote>
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<sidenote pos="left" page="2" annotation="am äußeren linken Rand der zweiten Seite, vertikal">
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<line tab="1"/>Solltest Du ein Exemplar der Wolken selber zu Handen bekommen, so halt es unter sieben Siegeln. Sie könnten mir alles verderben was ich thun will kann werde. Deinem Weibe Heil!!!</sidenote>
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<line tab="1"/>Solltest Du ein Exemplar der Wolken selber zu Handen bekommen, so halt es unter sieben Siegeln. Sie könnten mir <dul>alles</dul> verderben was ich thun will kann werde. – Deinem Weibe Heil!!!</sidenote>
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<line tab="1"/>Ich bin auf dem Wege nach Weymar wo ich auch Dich zu
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<page index="3"/>sehen hoffe. Armer Herder mit den verdrüßlichen Schritten die Du durch Koth machen mußt, da Du zum Fliegen Fittige und Bestimmung fühltest. Aber vergiß nicht Liebgen daß wir auch Thiere bleiben und nur Klopstocks Engel und Miltons und Lavaters Engel auf den Sonnenstrahlen reiten. Ich bin <dul>stolz darauf</dul> Mensch zu seyn.
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<line tab="1"/>Ich hoffe heut beym Geh. Rath Dein und Deines Weibes Angesicht zu schauen und viel mehrers zu eurem Bilde zu sagen. Liebe mir doch den Merck bey dem ich dies schreibe.
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<line tab="1"/>Ich hoffe heut beym Geh. Rath Dein und Deines Weibes Angesicht zu schauen und viel mehrers zu eurem Bilde zu sagen. Liebe mir doch den Merk bey dem ich dies schreibe.
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<line type="break" /><align pos="right">Lenz.</align>
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<line tab="1"/>Probebredigen? lustig genug aber sieh das als eine Farce an, und denk an Coriolan im Candidatenrock. Ulyß gar in Bettlerslumpen. – Küß Deinen Sohn!!!
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<line tab="1"/>Probebredigen? lustig genug aber sieh das als eine Farce an und denk an Coriolan im Candidatenrock. Ulyß gar in Bettlerslumpen. – Küß Deinen Sohn!!!
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<sidenote pos="left" page="3" annotation="am linken Rand der dritten Seite, vertikal">
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<line tab="1"/>Die Wolken <ul>dürfen</ul> nicht eher als nach meinem Tode ans Licht kommen. Es sind wahre Wolken voll Schnee und Hagel die Gott wegwehte. Der Anhang wird Dir besser gefallen, und <ul>den solltu haben</ul>. –Grüsse Zimmermann.</sidenote>
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<line tab="1"/>Die Wolken <ul>dürfen</ul> nicht eher als nach meinem Tode ans Licht kommen. Es sind wahre Wolken voll Schnee und Hagel die Gott wegwehte. Der Anhang wird Dir besser gefallen und <ul>den solltu haben</ul>. – Grüsse Zimmermann.</sidenote>
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<sidenote pos="top" page="3" annotation="am oberen Rand der dritten Seite, horizontal gespiegelt"> Die Meynungen – sind von mir.</sidenote>
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<page index="4"/>
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<line type="empty" />
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<align pos="center"><note>Außenseite des zum Umschlag gefalteten Bogens, rotes Siegel:</note></align>
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<line type="empty" />
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<line type="break" /><address>Herrn
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<line type="break"/>Herrn Oberkonsistorialrath <dul>Herder</dul>
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<line type="break"/>in Bückeburg.</address>
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@@ -915,7 +915,7 @@
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<letterTradition letter="143">
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<app ref="4">
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Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, NL Lenz, Bd. 2, (Nr. 236),
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Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, NL Lenz, Bd. 2 (Nr. 236),
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Bl. 64. Lenz machte Station bei Friederike Hesse, daher richtete Luise König den Brief dorthin.
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</app>
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</letterTradition>
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Reference in New Issue
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