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@@ -2119,15 +2119,17 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. –
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<letterText letter="125"><page index="1"/><align pos="right">Hannover. Den 8ten Merz. 1776.</align>
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<letterText letter="125"><page index="1"/><align pos="right">Hannover. Den 8ten Merz. 1776.</align>
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<line tab="1"/>Empfangen Sie, liebster Lenz, meinen besten, warmen Dank für Ihr Schauspiel. Ich hab es mit Entzücken gelesen, und es hat mich gerührt und getroffen, wie irgend eines. Ich wollt es heute mit Zimmermann lesen, aber wir haben uns verfehlt, und aufhaltennwill ichs nicht, damit Helwing es ja früh genug erhalte. Sie sehen aus der Ueberschrift, daß ich hier bin. Ich habe meine Stelle angetreten, und befinde mich ganz wohl.darin, wenn ich nur erst aus dem Wirbel von Zerstreuungen heraus wäre, worin ich jetzt schwebe. Wenn ich nur erst die nöthige Routine in den mir ganz fremden militarischen Geschäften habe, werd ich auch Muße für mich zu leben und zu arbeiten find en. Zimmermanns Umgang, so wenig ich auch noch ihn genießen kann, ist mir große Wonne. Sie sind oft der Inhalt unsrer Gespräche gewesen. Er liebt Sie mit Wärme wie ich. Wären Sie doch bey uns! – – – Helwing hat mir endlich, zwar ziemlich verdrießlich und unzufrieden, aber doch geschrieben, daß er die W. unterdrücken will. Der erste Bogen der Vertheidigung war angedruckt. Auch der muß umgedruckt werden. Er verlangt 29 1/2 Rthl, so viel ihm Druck und Papier gekostet, zur Entschädigung. Das soll sich aber schon
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<line tab="1"/>Empfangen Sie, liebster Lenz, meinen besten, warmen Dank für Ihr Schauspiel. Ich hab es mit Entzücken gelesen, und es hat mich gerührt und getroffen, wie irgend eines. Ich wollt es heute mit Zimmermann lesen, aber wir haben uns verfehlt, und aufhalten will ichs nicht, damit Helwing es ja früh genug erhalte. Sie sehen aus der Ueberschrift, daß ich hier bin. Ich habe meine Stelle angetreten, und befinde mich ganz wohl darin, wenn ich nur erst aus dem Wirbel von Zerstreuungen heraus wäre, worin ich jetzt schwebe. Wenn ich nur erst die nöthige Routine in den mir ganz fremden militarischen Geschäften habe, werd ich auch Muße für mich zu leben und zu arbeiten finden. Zimmermanns Umgang, so wenig ich auch noch ihn genießen kann, ist mir große Wonne. Sie sind oft der Inhalt unsrer Gespräche gewesen. Er liebt Sie mit Wärme wie ich. Wären Sie doch bey uns! – – – Helwing hat mir endlich, zwar ziemlich verdrießlich und unzufrieden, aber doch geschrieben, daß er die W. unterdrücken will. Der erste<del>n</del> Bogen der Vertheidigung war angedruckt. Auch der muß umgedruckt werden. Er verlangt 29 1/2 Rthl, so viel ihm Druck und Papier gekostet, zur Entschädigung. Das soll sich aber schon
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<page index="2"/>geben. Wenn er die Vertheidigung, für die ich, wie für die W. einen Duk. für den Bogen gefodert hatte, nun umsonst erhält, und für das Schauspiel nur 1 Duk. bezahlt, wird er sich schon zufrieden geben. Ich hab ihm geschrieben, der V. bekäme sonst 4. Ich habe die W. gedruckt, und würde sie Ihnen schicken, wenn ich nicht das Postgeld schonte. Die andern Exemplare sind versiegelt, und H. hat mir sein Wort gegeben, daß niemand sie gelesen hat, noch lesen soll. Auch mein heiliges Wort geh ich Ihnen hier. Doch dächt ich Z. dem Sie selbst davon geschrieben haben, könnte sie wohl lesen. Nach dem, was er mir gesagt, fürcht ich nur, daß sie durch die genommene Abschrift bekannt werden, und da wär’s doppelt Uebel. – – Stella hab ich endlich. Welch ein Stück! Welch ein Zauberer dieser Göthe! Ich hab auch versucht, auch gedichtet – – seitdem ich Euch beide kenne, lese, fühle, ihn und Dich, Du, zweyter Zauberer! nichts mehr versucht!
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<page index="2"/>geben. Wenn er die Vertheidigung, für die ich, wie für die W. einen Duk. für den Bogen gefodert hatte, nun umsonst erhält, und für das Schauspiel nur 1 Duk. bezahlt, wird er sich schon zufrieden geben. Ich hab ihm geschrieben, der V. bekäme sonst 4. Ich habe die W. gedruckt, und würde sie Ihnen schicken, wenn ich nicht das Postgeld schonte. Die andern Exemplare sind versiegelt, und H. hat mir sein Wort gegeben, daß niemand sie gelesen hat, noch lesen soll. Auch mein heiliges Wort geb ich Ihnen hier. Doch dächt ich Z. dem Sie selbst davon geschrieben haben, könnte sie wohl lesen. Nach dem, was er mir gesagt, fürcht ich nur, daß sie durch die genommene Abschrift bekannt werden, und da wär’s doppelt Uebel. – – Stella hab ich endlich. Welch ein Stück! Welch ein Zauberer dieser Göthe! Ich hab auch versucht, auch gedichtet – – seitdem ich euch beyde kenne, lese, fühle, ihn und Dich, Du, zweyter Zauberer! nichts mehr versucht!
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<line tab="1"/>Haben Sie denn nun unser Mus. gesehen? Ihr Zerbin ist nun ganz abgedruckt. Nochmals meinen besten, wärmsten Dank dafür! Hier hat er große Sensation gemacht, und allgemeinen Beyfall gefunden. Wenn Sie noch die Deklamation des Schulmeister Hieronymus nicht angebracht haben, so laßen Sie sie mir für eins der folgenden Stücke. Ich hab ihm Unrecht gethan. Schreiben Sie mir doch Ihre Meynung übers Mus. Haben Sienun nicht bald wieder was dafür! Zimm. hat mich, wie er sagt, bey Schloß. gerechtfertigt. Sobald ich vom Verleger Geld habe, schreib ich ihm und danke selbst.
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<line tab="1"/>Haben Sie denn nun unser Mus. gesehen? Ihr Zerbin ist nun ganz abgedruckt. Nochmals meinen besten, wärmsten Dank dafür! Hier hat er große Sensation gemacht, und allgemeinen Beyfall gefunden. Wenn Sie noch die Deklamation des Schulmeister Hieronymus nicht angebracht haben, so laßen Sie sie mir für eins der folgenden Stücke. Ich hab ihm Unrecht gethan. Schreiben Sie mir doch Ihre Meynung übers Mus. Haben Sie nun nicht bald wieder was dafür? Zimm. hat mich, wie er sagt, bey Schloß. gerechtfertigt. Sobald ich vom Verleger Geld habe, schreib ich ihm und danke selbst.
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<line tab="1"/>Gestern hat mich Lindau sehr unerwartet überrascht. Er geht, wie Sie vielleicht wißen, als hessischer Lieutenant, mit nach Amerika. Sonderbar und unbegreiflich! Von Herdern weiß ich lange nichts. Ob er nach Göttingen geht oder nach Weymar?
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<line tab="1"/>Gestern hat mich Lindau sehr unerwartet überrascht. Er geht, wie Sie vielleicht wißen, als heßischer Lieutenant, mit nach Amerika. Sonderbar und unbegreiflich! Von Herdern weiß ich lange nichts. Ob er nach Göttingen geht oder nach Weymar.
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<line tab="1"/>Ihr Brief findet mich hier, unter der Adreße an den Stabs Sekretair Boie. Ich umarme Sie mit vollem Herzen. Ewig der
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<line tab="1"/>Ihr Brief findet mich hier, unter der Addreße an den Stabs Sekretair Boie. Ich umarme Sie mit vollem Herzen. Ewig der
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<line type="break" /><align pos="center">Ihrige Boie.</align>
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<line type="break" /><align pos="center">Ihrige Boie.</align>
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<line type="break"/><address>Herrn Herrn <ul>Lenz,</ul> Gelehrten
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<line type="break" /><align pos="center"><note>Außenseite des zum Umschlag gefalteten Bogens, rotes Siegel:</note></align>
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<line type="break"/>in <ul>Straßburg</ul></address>
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Riga, Latvijas Akadēmiskā Bibliotekā, Ms. 1113, F. 25, V. 32, Nr. 3.
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Riga, Latvijas Akadēmiskā Bibliotekā, Ms. 1113, F. 25, V. 32, Nr. 3. Auf dem Umschlag handschriftlicher Vermerk „über Khel“ und „fr. Rheinhausen“; Stempel: „D’ALLEMAGNE“, rotes Siegel.
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