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@@ -1605,17 +1605,18 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. –
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<line tab="1"/>Ich habe noch etwas für Sie Boje! daß ich aber unter zehn Dukaten baare Bezahlung nicht herausgeben kann. Es ist eine Erzehlung in Marmontels Manier, aber wie ich hoffe nicht mit seinem Pinsel. Sie können (wie zu allem was ich Ihnen schicke) dreist meinen Namen nennen, wenn Ihnen das rathsamer deucht. Auch hat es in der That fünf Bogen, sehr kompreß geschrieben.
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<line tab="1"/>Verzeyhn Sie mir meinen Ungestüm, ich sitzejetzt recht mitten in der Noth drin. Meine Schulden sind nach meiner Proportion beträchtlich und wenn ich nicht geschwinde Rath schaffe, muß ich befürchten an einem Ort wo meine Reputation mir bisher meinen ganzen Unterhalt verschafft hat, für immer und unwiederbringlich prostituirt zu werden.
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<line tab="1"/>Leben Sie wohl Lieber! und antworten mir sobald es seyn kann. Sobald ich Ihre Meynung mit dem Vorschuß erhalte, sollen Sie meinen Zerbin unfehlbar ehe Sie sich umsehen, in die Arme schließen, der Ihnen mehr Freude machen wird als alles was Sie noch bisher von mir gesehen.
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<line tab="1"/>Verzeyhn Sie mir meinen Ungestüm, ich sitzejetzt recht mitten in der Noth drin. Meine Schulden sind nach meiner Proportion beträchtlich und wenn ich nicht geschwinde Rath schaffe, muß ich befürchten an einem Ort wo meine Reputation mir bisher meinen ganzen Unterhalt verschaft hat, für immer und unwiederbringlich prostituirt zu werden.
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<line tab="1"/>Leben Sie wohl Lieber! und antworten mir sobald es seyn kann. Sobald ich Ihre Meynung mit dem Vorschuß erhalte, sollen Sie meinen Zerbin unfehlbar ehe Sie sich umsehen, in die Arme schliessen, der Ihnen mehr Freude machen wird als alles was Sie noch bisher von mir gesehen
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<line type="break"/><align pos="right">Ihr Freund Lenz.</align>
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<letterText letter="89"><page index="1"/><hand ref="20">Empfangen den 2ten Jan. 1776.</hand>
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<letterText letter="89"><page index="1"/><align pos="right"><hand ref="20">Empfangen den 2ten Jan. 1776.</hand></align>
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<line tab="1"/>Hier lieber Freund, Zerbin, den ich aber unverzüglich zurück haben muß, wenn Sie ihn nicht brauchen können, wollen, was weiß ich. Ich habe mehr als einen, der mir zehn Dukaten dafür giebt und was ich thue, thu ich um Ihrentwillen. Mit den Knitteln, dacht ichs doch daß es nicht gehen würde ’neinzuwerfen, Sie schicken mir aber, ich bitte, sie wieder, es wartet hier jemand mit Ungeduld auf sie. Meine grösseren Sachen können eine Weile ruhen, unterdessen bitte Hellwiegen einen warmen Gruß von mir zu sagen. Meinen letzten Brief an Sie und meine Umstände bitte verschwiegen zu halten.
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<line tab="1"/>Hier lieber Freund, Zerbin, den ich aber unverzüglich zurück haben muß, wenn Sie ihn nicht brauchen können, wollen, was weiß ich. Ich habe mehr als einen, der mir zehn <aq>Ducaten</aq> dafür giebt und was ich thue, thu ich um Ihrentwillen. Mit den Knitteln, dacht ichs doch daß es nicht gehen würde ’neinzuwerfen, Sie schicken mir aber, ich bitte, sie wieder, es wartet hier jemand mit Ungeduld auf sie. Meine grösseren Sachen können eine Weile ruhen, unterdessen bitte Hellwiegen einen warmen Gruß von mir zu sagen. Meinen letzten Brief an Sie und meine Umstände bitte verschwiegen zu halten.
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<line tab="1"/>Herr Blessig den Sie noch aus Göttingen kennen werden arbeitet an etwas das wir Ihnen auch zugedacht haben und von dem er den ersten Bogen in einer unserer Versammlungen mit allgemeinem Beyfall vorgelesen. Sein Sujet ist die Bildung der Griechischen Sprache durch die Poeten und Philosophen und er sammelt noch fleissig Materialien zu künftiger Bearbeitung. Sie kennen vielleicht schon die ganze Feinheit und Stärke seiner Diktion.
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<line tab="1"/>Unsere deutsche Gesellschaft vergrössert sich von Tage zu Tage. Schlosser ist auch davon und in Colmar Freyburg und andem benachbarten Oertern bekommen wir Zuwachs. In Erwartung baldiger Antwort und
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<sidenote pos="left" page="1" annotation="am linken Rand, vertikal"> Nachricht von Zerbins Schicksal, das ich ganz ohne Umstände mir als ein Biedermann zu bestimmen bitte, bin mit wahrer Freundschaft<line type="break"/>Ihr ehrlicher Fr. u. Diener Lenz.</sidenote>
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<line tab="1"/>Unsere deutsche Gesellschaft vergrössert sich von Tage zu Tage. Schlosser ist auch davon und in Colmar Freyburg und andern benachbarten Oertern bekommen wir Zuwachs. In Erwartung baldiger Antwort und
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<sidenote pos="left" page="1" annotation="Fortsetzung am linken Rand, vertikal"> Nachricht von Zerbins Schicksal, das ich ganz ohne Umstände mir als ein Biedermann zu bestimmen bitte, bin mit wahrer Freundschaft
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<align pos="right"><line type="break"/>Ihr ehrlicher Fr. u. Diener Lenz.</align></sidenote>
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