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@@ -1712,9 +1712,9 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen.
</letterText>
<letterText letter="95"><page index="1"/>
<line tab="1"/>Lieber Bruder ich trag etwas im Sinn das ich Dir sagen will und wozu ich all Deine Liebe und Theilnehmung auffordre mir beyzustehn! Ich habe Bedürfniss nach einem Stück dramatischer Poesie, das ich ganz nach meinen Ideen und Phantasien voll und prächtig componieren mögte. Und lass Dir jezt klagen liebster Junge daß unter dem hellen Haufen gedrukten Wesens nicht ein Blatt für mich ist! Da bin ich drauf gefallen mich an Dich zu wenden und Dir mit allem trauen und wähnen die Grille zu entdecken, ob Du was machen willst. Es wär ein schönes Ding drum wann Du mir und Dir und allen die Du liebst, so was gäbst und ich drinn auch das treiben meines Geists da abreiben könnte. Ich mag für diessmal nicht lang von reden, denn alles beruht nur für erst darauf ob ich Dir so was zumuthen darf und wie sich Dein inneres darzu geberdet wann Dus überdenkst. Es b<tl></tl> nicht Cantate nicht Lied nicht <tl></tl>rium und all das Ge<tl></tl> solte würkliche <aq>Opera</aq> <tl></tl> <aq>Drame heroique</aq> der <tl></tl> Fühle hier meinen <tl></tl> fürchte mich nicht mehr z<tl></tl> wie ihr Leute seyd <tl></tl> was das heißt: <tl></tl>
<line tab="1"/>Lieber Bruder ich trag etwas im Sinn das ich Dir sagen will und wozu ich all Deine Liebe und Theilnehmung auffordre mir beyzustehn! Ich habe Bedürfniß nach einem Stück dramatischer Poesie, das ich ganz nach meinen Ideen und Phantasien voll und prächtig componieren mögte. Und laß Dir jezt klagen liebster Junge daß unter dem hellen Haufen gedrukten Wesens nicht ein Blatt für mich ist! Da bin ich drauf gefallen mich an Dich zu wenden und Dir mit allem trauen und wähnen die Grille zu entdecken, ob Du was machen wilst. Es wär ein schönes Ding drum wann Du mir und Dir und allen die Du liebst, so was gäbst und ich drinn auch das treiben meines Geists da abreiben könnte. Ich mag für dießmal nicht lang von reden, denn alles beruht nur für erst darauf ob ich Dir so was zumuthen darf und wie sich Dein inneres darzu geberdet wann Dus überdenkst. Es b<tl></tl> nicht Cantate nicht Lied nich<tl></tl> <tl></tl>rium und all das Ge<tl></tl> solte würkliche <aq>Opera</aq> <del><nr></nr></del> <tl></tl> <aq>Drame heroique</aq> der <tl></tl> Fühle hier meinen <tl></tl> fürchte mich nicht mehr z<tl></tl> wie ihr Leute seyd <tl></tl> was das heißt: <tl></tl>
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<line tab="1"/>Vielleicht begegnet Dein Geist hier unmittelbar dem meinen und Du verstehst mich dann gleich. Könt ich Dir so sagen wie das doch Verdruss ist wann man so was braucht und nichts hat. Siehe das schöne heroisch, simple, verliebte Zeitalter der Griechen, und was so ein Süjet da heruasgenommen für liebe Reize darböte Ich will nur schweigen! Bitte Dich antworte mir gleich auf meine Idee und lass es gut aus fallen. Wilst Du Dich mit einlassen so reden mehr, und wilst Du noch etwas weiter fragen wie ichs für die Macht der Darstellung der Musik am besten halte so rede und ich antworte. Nur schlag mir wenigstens den Zunder nicht aus der so gut gefangen hat, und lass es dann während so langs will biss Feuer gibt. Adieu. Adieu.
<line tab="1"/>Vielleicht begegnet Dein Geist hier unmittelbar dem meinen und Du verstehst mich dann gleich. Könt ich Dir so sagen wie das doch Verdruß ist wann man so was braucht und nichts hat. Siehe das schöne heroisch, simple, verliebte Zeitalter der Griechen, und was so ein Süjet da herausgenommen für liebe Reize darböte Ich will nur schweigen! Bitte Dich antworte mir gleich auf meine Idee und laß es gut aus fallen. Wilst Du Dich mit einlaßen so reden wir mehr, und wilst Du noch etwas weiter fragen wie ichs für die Macht der Darstellung der Musik am besten halte so rede und ich antworte. Nur schlag mir wenigstens den Zunder nicht aus der so gut gefangen hat, und laß es dann während so langs will biß Feuer gibt. Adieu. Adieu.
<line type="empty" />
<line type="break" /><align pos="right">K.</align>
</letterText>
@@ -1781,22 +1781,23 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen.
</letterText>
<letterText letter="100"><page index="1"/>
<line tab="1"/>Daß ich Deinem Peter viel sagen könnte ist wahr. Daß ich von ganzem Herzen gern seinem Genie den ersten Stoß und die erste Richtung geben, ihn bey seinem Eintritt in das was <ul>man WeIt</ul> nennt begleiten, die neuen Gegenstände die er sehen wird all in ihrem wahren Licht weisen und mit allen den Muth herunterspannenden Gefahren die auf ihn warten bekannt machen möchte, ist auch wahr, denn es wäre Schade wenn ein Mensch wie der durch Gesichter die nicht denken wie er jemals heruntergespannt oder gleich im Anfange seiner Laufbahn für immer gelähmt würde
<line tab="1"/>Aber nun die Kosten lieber Lindau! die Kosten. Ihr seyd nicht reich, ich bin ein Bettler Apostolisch zu reisen leidet die Jahrszeit nicht. Ich muß hier hundert Bändergen zerhauen die ich nachher schwer wieder anknüpfen kann.
<page index="2"/>Doch <ul>kann ich sie</ul> anknüpfen und an eine Entschädigung will ich nicht denken, nur freye Reisekosten hin und zurück, freyer Aufenthalt in Weymar und Cassel sind Sachen die ich verlangen muß. Den Hof zu Weymar zu sehen, der jetzt ein Zusammenfluß der schönen Geister in Deutschland wie der Medicis ehemals in Florenz wird, wäre mir freylich mit eine große Belohnung für die Beschwerlichkeiten der Reise. Also rechnet nun nach dem Postkalender die Meilen, rechnet die Tage unsers Aufenthalts, rechnet die Rückreise, ein zwölf Louisdor werdt Ihr müssen in die Hand nehmen, von Ernmedingen nichts zu sagen und dem Umweg auch darüber.
<line tab="1"/>Daß ich Deinem Peter viel sagen könnte ist wahr. Daß ich von ganzem Herzen gern seinem Genie den ersten Stoß und die erste Richtung geben, ihn bey seinem Eintritt in das was <ul>man Welt</ul> nennt begleiten, die neuen Gegenstände die er sehen wird all in ihrem wahren Licht weisen und mit allen den Muth herunterspannenden Gefahren die auf ihn warten bekannt machen möchte, ist auch wahr, denn es wäre Schade wenn ein Mensch wie der durch Gesichter die nicht denken wie er jemals heruntergespannt oder gleich im Anfange seiner Laufbahn für immer gelähmt würde
<line tab="1"/>Aber nun die Kosten lieber Lindau! die Kosten. Ihr seyd nicht reich, ich bin ein Bettler. Apostolisch zu reisen leidet die Jahrszeit nicht. Ich muß hier hundert Bändergen zerhauen die ich nachher schwer wieder anknüpfen kann
<page index="2"/>Doch <ul>kann ich sie</ul> anknüpfen und an eine Entschädigung will ich nicht denken, nur freye Reisekosten hin und zurück, freyer Aufenthalt in Weymar und Cassel sind Sachen die ich verlangen muß. Den Hof zu Weymar zu sehen, der jetzt ein Zusammenfluß der schönen Geister in Deutschland wie der der Medicis ehemals in Florenz wird, wäre mir freylich mit eine große Belohnung für die Beschwerlichkeiten der Reise. Also rechnet nun nach dem Postkalender die Meilen, rechnet die Tage unsers Aufenthalts, rechnet die Rückreise, ein zwölf Louisdor werdt ihr müssen in die Hand nehmen, von Ernmedingen nichts zu sagen und dem Umweg auch darüber.
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<line tab="1"/>Ihr geht also sicher nach Amerika. Auch darüber hätt ich viel mit euch zu reden. NB. das läßt sich nur reden. Wenn ihr nach Amerika geht, müßt Ihr nicht <ul>umsonst dagewesen</ul> seyn, so wenig als euer Peter der euch in allem unterstützen wird. Mein Rath soll Euch bis dahin begleiten
<line tab="1"/>Kennt Ihr Gaudi Anweisung für Offiziers von der Infanterie Feldschanzen anzulegen p. Schafft euch das an, es kann euch brauchbar seyn und ist nicht schwer. Hier ists nicht zu h<tl></tl> sonst schickt ichs euch.
<line tab="1"/>Meldt mir wenigstens was aus eurem Projekt und aus eurem Peter wird und wenn ihr nach Weymar kommt, grüßt Goethen. Ists wahr daß er ganz dableibt? Sagt ihm ich könnte ihm noch nicht schreiben. Ihn mündlich zu sprechen wünschte sehr. Auch soll er Wieland grüssen von mir.
<line tab="1"/>Ihr geht also sicher nach Amerika. Auch darüber hätt ich viel mit euch zu reden NB. das läßt sich nur reden. Wenn ihr nach Amerika geht, müßt ihr nicht <ul>umsonst dagewesen</ul> seyn, so wenig als euer Peter der euch in allem unterstützen wird. Mein Rath soll euch bis dahin begleiten
<line tab="1"/>Kennt ihr Gaudi Anweisung für Offiziers von der Infanterie Feldschanzen anzulegen. p Schafft euch das an, es kann euch brauchbar seyn und ist nicht schwer. Hier ists nicht zu h<tl></tl> sonst schickt ichs euch.
<line tab="1"/>Meldt mir wenigstens was aus eurem Projeckt und aus eurem Peter wird und wenn ihr nach Weymar kommt, grüßt Goethen. Ists wahr daß er ganz dableibt? Sagt ihm ich könnte ihm noch nicht schreiben. Ihn mündlich zu sprechen wünschte sehr. Auch soll er Wieland grüssen von mir.
<line type="break" /><align pos="right">Lenz.</align>
<line tab="1"/>Seinen Egmond habe noch nicht bekommen.
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<line type="empty" />
<line type="break" /><align pos="center"><note>Außenseite des zum Umschlag gefalteten Bogens, rotes Siegel:</note></align>
<line type="break"/><address><aq>A Monsieur Monsieur Henri Jules
<line type="break"/>de <ul>Lindau,</ul> chez Monsieur
<line type="break"/>Logis Inspecteur des églises
<line type="break"/>Logis Inspecteur des èglises
<line type="break"/>françoises de la Hesse
<line type="break"/>á Cassel.</aq></address>
<line type="break"/>à Cassel.</aq></address>
</letterText>
<letterText letter="101"><page index="1"/>
@@ -1875,7 +1876,7 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen.
<line tab="1"/>ob Sie bey diesem Betragen nicht Ihnen Schaden gethan ob Sie denen nicht Verbindlichkeit haben die Sie dieser Mühe überheben und zugleich Ihre Zuschauer in den Gesichtspunkt stellen wo sie bloß mit der stärkeren Phantasey das schöne Ganze Ihrer Produktionen auff<subst><del>fegen</del><insertion>assen</insertion></subst> nicht aber zu ihrem eigenen und der Kunst und des <dul>Geschmacks</dul> Verderben an einzelnen Theilen derselben hängen bleiben die nur durch die üble Anwendung die man davon macht gefährlich werden
<line type="break" /><align pos="right">Ihr Freund und Diener</align>
<line type="empty"/>
<line tab="1"/>Daß das was ich Ihnen hier sage nicht blosse Pralerey sond. schon vollführte Handlungen sind, werden Sie nun bald öffentlich erfahren. Und sollen es inskünftige noch besser erfahren wenn
<line tab="1"/>Daß das was ich Ihnen hier sage nicht blosse Pralerey sond. schon vollführte handlungen sind, werden Sie nun bald öffentlich erfahren. Und sollen es inskünftige noch besser erfahren wenn
</letterText>
<letterText letter="106"><page index="1"/>