diff --git a/data/xml/briefe.xml b/data/xml/briefe.xml index 433a681..eb79287 100644 --- a/data/xml/briefe.xml +++ b/data/xml/briefe.xml @@ -13,17 +13,17 @@ Ew. HochEdelgebh: haben mich durch die neue Probe von Dero schätzbaren Gewogenheit ausserorndtlich beschämt. Meine Feder ist zu schwach, Denenselben die regen Empfindungen meines Herzens darüber zu schildern. Ich weiß Ew. HochEdelgebh: meine Dankbegierde auf keine andere Art an den Tag zu legen, als daß ich meine gestrigen Wünsche für Dero Wohlseyn wiederhole, und die gütige Vorsicht um die Erhörung derselben anflehe. Der Herr überschütte Dieselben und Dero werthes Hauß im künftigen Jahr mit tausend Seegen und Heil. Er erhalte Ew. HochEdelgebh: bis zu den spätesten Zeiten im ersprießlichsten Wohlergehen. Er bewahre Ew. HochEdelgebh: für alle wiedrige Zufälle in den künftigen Jahren, und lasse mich noch lange das Glük geniessen, Dieselben in dem blühendsten Wohlstande zu sehen, und mich mit dem erkenntlichsten Herzen nennen zu dürfen -HochEdelgebohrner Hochgelahrter Herr Secretair -Verehrungswürdigster Gönner -Ew. HochEdelgebh: +HochEdelgebohrner Hochgelahrter Herr Secretair +Verehrungswürdigster Gönner +Ew. HochEdelgebh: Von Hause, d. 2 Jenner, 1765. -gehorsamsten Diener -Jacob Michael Reinhold Lenz +gehorsamsten Diener +Jacob Michael Reinhold Lenz @@ -92,11 +92,11 @@ Von Hause, d. 2 Jenner, 1765. anfangen wollen. Die Wittwe ist eine simple Frau mit der der Umgang ziemlich langweilig wird: aber die Kinder sind rechte Unholde, und ich habe sie noch in meinem Leben so ungezogen nicht gesehen. Die jüngere Tochter strich ohne uns zu grüssen mir wie ein Wirbelwind vorbey und nahm ihren Weg gerade nach dem Tisch zu, auf den sie mit einem Satz sich heraufschwung und die Aelteste machte es eben so, nur mit dem Unterschied daß sie bey jedem Schritt eine Art von Kniks machte, wie ihn ihr die Natur gelehrt hatte. Bey Tisch schreyt alles so untereinander, daß wir stumm seyn müssen, weil wir unser Wort nicht hören können. Der Bruder läßt sich recht sehr entschuldigen, daß er nicht mit geschrieben: er ist vom Morgen bis Abend zu mit Arbeiten und Bräutigammen und Lehrlingen überhäufft, überdem auch mit seiner Wirthschaft beschäftigt, mit der es noch nicht in den Gang kommen will, weil die alte Jungfer noch immer Rasttage hält und überhaupt ein bisgen unlustig ist, weil sie, wie sie sagt und sich einbildt, unter lauter Feinden hier leben muß. Er befindet sich aber sonst nach der Reise, so wie auch ich und die Jungfer, Gottlob recht gesund und läßt Sie, das junge Paar und alle Geschwister aufs ehrerbietigste und zärtlichste grüssen. Ich bitte gleichfalls den Neuverbundnen und allen Geschwistern meinen zärtlichsten Gruß zu vermelden und küsse Ihnen die Hand als -Meiner verehrungswürdigsten Eltern +Meiner verehrungswürdigsten Eltern -gehorsamster Sohn -Jacob Michael Reinhold Lenz +gehorsamster Sohn +Jacob Michael Reinhold Lenz Tarwast den 9ten November 1767. Der Frau Obristin und ihrem würdigsten Hause, wie auch dem Herrn Pastor Oldekopp bitte unser beyder gehorsamste Empfehlung zu machen und letzterem zu seinem Nahmenstage zu gratuliren. Ich werde meine Kur erst mit der künftigen Woche anfangen und mache mir deswegen in der jetzigen bisweilen eine Motion, mit Reiten und Spazierengehen. Auf den Sonntag wird der Bruder teutsch predigen @@ -125,8 +125,8 @@ ohne-dem ausgegeben haben, so daß ich Uebrigens küsse ich Ihnen und meiner besten Mamma ganz gehorsamst die Hand und bin nach 1000 Grüssen an alle meine Geschwister und nach gehorsamen Empfehl an die Frau Obristin Albedille nebst Ihrem ganzen würdigsten Hause, an den Herrn Pastor Oldekopp und alle übrige Gönner und Freunde Meines verehrungswürdigsten Herrn Papas -gehorsamster Sohn -Jacob Michael Reinhold Lenz. +gehorsamster Sohn +Jacob Michael Reinhold Lenz. Tarwasts Pastorath den 24ten November 1767 P. S. Der Bruder läßt sich nochmals gehorsamst entschuldigen, daß er dismal nicht mit geschrieben. Er hat gestern den ganzen Tag mit Brautsleuten und Lehrlingen zu thun gehabt, gestern Abend um 12 Uhr in aller möglichen Eile noch nach Reval geschrieben, welchen Brief er gehorsamst zu bestellen bittet und ist heut früh schon bey dem scharfen Frost den wir seit einiger Zeit gehabt haben und bey dem Schnee und Sturm der verwichenen Nacht, catechisiren mit Schlitten gefahren. Er läßt unterdessen Ihnen und seiner würdigsten Frau Mama seinen kindlichen Handkuß und allen seinen Geschwistern besonders dem jungen Paar, wie auch allen guten Freunden seinen zärtlichsten Gruß versichern. @@ -176,8 +176,8 @@ ohne-dem ausgegeben haben, so daß ich Papa und Mamma, die sich Gottlob! noch erträglich befinden, Moritz und seine Frau, die vielleicht selbst auch schreiben werden, Lieschen, Christian und die kleinen Geschwister, alle Freunde besonders die Frau Obristin und die Fräuleins grüssen und küssen 1000mal Fräu- und Männlein. Auch wird die alte Jungfer begrüßt. Leben Sie gesund und vergnügt mein liebstes Paar! und behalten Sie immer lieb Ihren Ihres Herrn Bruders seine grüsse von mich sind zu kalt, hier folgen die zärtlichsten die aufrichtigsten die feurigsten von mich und meiner Tochter, von meiner eigenen Hand.
    Albedyll
-zärtlichsten Bruder -Jacob Michael Reinhold Lenz +zärtlichsten Bruder +Jacob Michael Reinhold Lenz Am Geburtstage. 1768. P.S. Wenn Du, liebster Bruder! einige Exemplare von den hochzeitlichen Gedichten hast, so schike sie mir doch, ich habe kein einziges. Onkel Kellner vergaß auch uns welche mitzugeben. Die Capit. Sege und die Lieutnantin Brandt von Fetenhof und die Majorin Toll von Wissus haben junge Söhne. Die alte Oldenkoppin ist ziemlich krank. Heut hat H. Rektor für Reichenberg gepredigt. Adieu! Dieses am Sonntage. @@ -189,8 +189,8 @@ ohne-dem ausgegeben haben, so daß ich Um den Brief nicht überflüssig groß und dik zu machen, muß ich mich begnügen, nur gegenwärtigen kleinen Zettel in denselben an Sie einzuschliessen. Christian wird vermutlich in seinem Schreiben weitläuftiger zu seyn und ich habe also nur noch einige kleine Supplemente zu meinem vorigen Briefe zu geben. So sehr ich Ihnen für die gütige Besorgung eines Theils meines jährlichen Fixi verbunden bin, so sehr sehe mich genöthigt, Sie nochmals gehorsamst um die sovielmöglich baldige Beförderung dessen, was Ihre Gütigkeit zu unserer Kleidung bestimmt hat, zu bitten. Pranumeration ist nothwendig, wenn ein Student gut wirthschaften will und also ist ihm im Anfange des Jahrs immer Geld unentbehrlich. Noch einige Ausgaben habe Ihnen schon vorhin specificiren wollen, für die ich gleichfalls von Ihrer Gewogenheit einigen Ersatz hoffe, wenn es Ihre Umstände zulassen. Der Band einiger Exemplare meiner Landplagen, insonderheit der letzte, der nach Petersb. bestimmt und den ich schon dem Herrn v. Schulmann an Sie mitgegeben: kostet mir wenigstens bis 2 Dukaten. Hernach haben alle Landsleute zum Begräbniß des seel. Herrn Langhammers was beytragen müssen: weil seine Mutter eine Wittwe ist, die sich selbst nicht ernähren kann, und derjenige, der ihn studiren lassen, nicht einmal soviel, als zu den Ausgaben, an Doktor p. in seiner Krankheit erfordert worden, überschikt hat. Dieser Beytrag war bis über 4 Thlr. – Wenn Sie von dem Obristen Bok was gehört haben, so seyn Sie so gütig, es mir bey Gelegenheit zu melden. – Neulich haben wir einen gewissen Bar. Cloth, Ihren gewesenen Eingepfarrten, 2 Bar. v. Baranow und den jungen H. D. Stegemann, der vielleicht schon jetzt in Dorpat angekommen seyn, allhier gesprochen. – Der Catalogus lectionum ist zwar jetzt heraus, allein ich fürchte er würde den Brief zu sehr anschwellen, wenn ich ihn hier beylegte. Ich werde dieses halbe Jahr, ausser den philosophischen und andern Collegiis von theologicis das Theticum bey D. Lilienthal und ein Exegeticum über die Ep. Pauli an die Römer bey D. Reccard hören. Die andern theologischen Collegia bedeuten in diesem halben Jahr nicht viel. Ueberhaupt wenn man nebst einigen wenigen Professoren die Magister von Königsberg nähme, würde die Akademie wenig oder gar nichts werth seyn. Nächstens werde weitläuftiger sein. Vergeben Sie unser öfteres unverschämtes Geilen nach Geld: die Noth lehrt hier beten und betteln. Gegen den Winter kommen viel neue Ausgaben. Holz: ein neuer Schlafrock, Tisch – – – Grüssen Sie doch alle Verwandte u. Freunde, besond. aber meine theureste Frau Mama 100000mal von Ihrem -gehorsamsten Sohn -J. M. R. Lenz. +gehorsamsten Sohn +J. M. R. Lenz. P. S: Wenn Sie an den Tarwastschen Bruder schreiben, so sagen Sie ihm doch, daß ich recht sehr begierig bin, einmal einen Brief von ihm zu sehen. @@ -221,8 +221,8 @@ darf den Bogen nicht zu hoch spannen, weil er dir in d. Noth geholfen p. Du hast Sie werden mir ein kleines Stillschweigen zu gut halten, das auf eine Abreise ohne Abschied seltsam genug aussieht. Die gegenwärtige Lage meiner Seele wird mich entschuldigen. Sie kriecht zusammen, wie ein Insekt, das von einem plötzlichen kalten Winde berührt worden. Vielleicht sammelt sie neue Kräfte, oder vielleicht ist dieser Zustand gar Melancholey. Sey es was es wolle, ich befinde mich eben nicht unglücklich dabey, es ist kein Schmerz den ich fühle, sondern bloß Ernst und obschon dieser den Jüngling nicht so sehr ziemet als den Mann, so denk ich, ist er auch für jenen unter gewissen Umständen vortheilhaft. Geben Sie mir doch Nachricht von Ihrem Befinden, ändern Sie Ihr sonst so gütiges Zutrauen gegen mich nicht. Meine Umstände können meine Oberfläche zwar ändern, aber der Grund meines Herzens bleibt. – Ich beschäftige mich gegenwärtig vorzüglich mit Winkelmanns Geschichte der Kunst, und finde bei ihm Genugthuung. O daß dieser Mann noch lebte! Schaffen Sie sich sein Werk an, wenn Sie einmal auf Verschönerung Ihrer Bibliothek denken. Wenn seine Sphäre nur nicht von der Art wäre, daß er sich durch einen großen Nebel von Gelehrsamkeit in derselben herumdrehen muß, der den gesetzten und edlen Flug seines großen Geistes merklich niederschlägt. In der Jurisprudenz hab ich nur noch eine kleine Sayte in meiner Seele aufgezogen, und die gibt einen verhenkert leisen Thon. Der waltende Himmel mag wissen, in was für eine Form er mich zuletzt noch gießt und was für Münze er auf mich prägt. Der Mensch ist mit freyen Händen und Füssen dennoch nur ein tändelndes Kind, wenn er von dem großen Werkmeister, der die Weltuhr in seiner Hand hat, nicht auf ein Plätzchen hingestellt wird, wo er ein paar Räder neben sich in Bewegung setzen kann – Ist Ihre Abhandlung schon vorgelesen? Und wie haben sich Ott und Haffner das letztemahl gehalten; ich zähle auf Ihr Urtheil davon. Ihre weisen Rathschläge über einen gewissen Artikel meines Herzens, fang ich an mit Ernst in Ausübung zu setzen: allein eine Wunde heilt allemahl langsamer, als sie geschlagen wird. Und wenn ich die Leidenschaft überwände, wird doch der stille Wunsch ewig nicht aus meinem Herzen gereutet werden, mein Glück, wenn ich irgend eines auf dieser kleinen Kugel erwarten kann, mit einer Persohn zu teilen, die es mir allein wird reitzend und wünschenswerth machen können. Ich habe heut einen dummen Kopf, aber ein gutes und geruhiges Herz: aus der Fülle dieses Herzens will ich Ihnen sagen, daß ich bin Ihr -unaufhörlich ergebenster Freund -J. M. R. Lenz. +unaufhörlich ergebenster Freund +J. M. R. Lenz. am Rand: Von Herrn von Kleist ein ganz ergebenstes Compliment. Wollen Sie so gütig seyn, mich Ihrer Tischgesellschaft zu empfehlen, vorzüglich Herrn Leibhold und Hepp. @@ -432,14 +432,14 @@ darf den Bogen nicht zu hoch spannen, weil er dir in d. Noth geholfen p. Du hast Heute komme ich von Lichtenau, aus einer sehr vergnügten Gesellschaft, in welcher ich vielleicht allein die Larve war. Ich will meinen Brief an Sie bis zum Ende bringen, ich erwarte heute Abend noch einen Gnadenstoß. O lassen Sie mich, mein beschwertes Herz an Ihrem Busen entladen. Es ist mir Wollust zu denken, daß Sie nicht ungerührt bei meinem Leiden sind, obschon es Ihnen noch unbekannt ist. Denn Trennung ist nicht die einzige Ursache meines Schmerzens. – Wir wollen von andern Sachen reden. Ich werde noch, vor meiner Abreise, einmal aus Fort-Louis an Sie schreiben und alsdann aus Landau, sogleich nach meiner Ankunft. Mein Studiren steht jetzt stille. Der Sturm der Leidenschaft zu heftig. Ich wünsche mich schon fort von hier, alsdann, hoffe ich, wird er sich wieder kümmerlich legen. In Landau will ich, so viel es mein zur andern Natur gewordenes Lieblingsstudium erlaubt, das Jus eifrig fortsetzen. Auf den Winter denk’ ich mit Herrn von Kleist, der sich Ihnen gehorsamst empfehlen läßt, einige Monate in Mannheim, einige in Straßburg zuzubringen. Wo zuerst weiß ich nicht. Seyen Sie so gütig und sagen es der Jungfer Lauthen noch nicht, daß ich von Fort-Louis weggehe, ich will es ihr, wenn ich noch einen Posttag abgewartet, selber schreiben. Das weibliche Herz ist ein trotzig und verzagt Ding. Leben Sie wohl bis auf meinen nächsten Brief. Ich bin von ganzem Herzen Ihr -Sie ewig liebender Alcibiades -J. M. R. L. +Sie ewig liebender Alcibiades + J. M. R. L. Mein theuerster Freund! Auf einem Fuß, wie ein reisefertiger Kranich, steh’ ich jetzt und schmiere Ihnen mit dem andern mein Adieu auf’s Papier. Ich glaube zum wenigsten, daß dieß mein letzter Brief von Fort-Louis seyn wird. Ich gehe jetzt nach Sesenheim hinaus, um den letzten Tag recht vergnügt dort zuzubringen. Recht vergnügt – Nicht wahr, Sie lächeln über meine stolze platonische Sprache, mittlerweile mein Herz mit dem Ritter Amadis (oder was weiß ich, wie der Liebhaber der Banise hieß) von nichts als Flammen, Dolchen, Pfeilen und Wunden deklamirt. Was soll ich sagen? Ich schäme mich meiner Empfindungen nicht, wenn sie gleich nicht allezeit mit festem Schritt hinter der Vernunft hergehen. O! und Salzmann bedauert mich – sehen Sie die Schürze von Feigenblättern, die meine gefällige Vernunft mir allezeit vor die Blöße meines Herzens bindet. Ich habe in Sesenheim gepredigt, sollten Sie das glauben? Den Sonnabend Nachmittags karessirt; nach Fort-Louis gegangen; das Thor zu gefunden; zurückgegangen; den Pfarrer am Nachtessen unruhig gefunden, daß er so viel zu thun habe; mich angeboten; bis vier Uhr in der Laube gesessen; mich von meinen Fatiguen erholt; eingeschlafen; den Morgen eine Bibel und eine Concordanz zur Hand genommen und um 9 Uhr vor einer zahlreichen Gemeine, vor vier artigen Mädchen, einem Baron und einem Pfarrer gepredigt. Seh’n Sie, daß der Liebesgott auch Candidaten der Theologie macht, daß er bald in Alexanders Harnisch wie eine Maus kriecht, bald in die Soutane eines Pfarrers von Wackefield, wie ein der Liebesgelahrtheit Beflissener. Mein Text war das Gleichniß vom Pharisäer und Zöllner und mein Thema die schädlichen Folgen des Hochmuths. Die ganze Predigt war ein Impromptu, das gut genug ausfiel. – Himmel die Uhr schlägt sechs und ich sollte schon vor einer Stunde in S. seyn. Diesmal sollen Sie mich dort entschuldigen. Ihren Heineccius nehme ich mit. Ohne Erlaubniß – ach, mein Freund, dura necessitas läßt mich nicht erst lange fragen, ich greife zu – aber ich gebe auch wieder. Allein was werden Sie sagen, wenn ich Ihnen Ihren Tom Jones noch nicht zurückschicke? Ich bin schuld daran, daß ihn mein faules Mädchen noch etwas länger behält, er soll sie für meinen Verlust entschädigen, denn wenn man gute Gesellschaft hat, sagte sie, so kann man nicht viel lesen. Ich habe so brav auf Ihre Güte gethan, daß ich ihr mein Wort drauf gegeben, Sie würden es verzeihen, wenn sie Ihnen denselben erst durch Mamsell Schell zuschickte; ja Sie würden sogar so gütig seyn und ihr noch die zween letzten Theile alsdann dazu leihen, wenn sie die ersten wieder gegeben. Das heißt gewagt, mein bester Sokrates, aber Jugend ist allezeit ein Waghals, und bricht doch nur selten den Hals; ich denke, Sie werden meine tollkühne Freundschaft noch nicht fallen lassen: wenn sie älter wird, soll sie weiser und vorsichtiger werden. Für Ihre Adressen in Landau danke ich Ihnen unendlich, wer weiß, wozu sie gut sind. Ich hoffe eher nach Straßburg zu kommen, als nach Mannheim. Ich kann nicht mehr, theuerster, bester, würdigster Freund! ich bin schon ein Jahr über meine bestimmte Stunde ausgeblieben. Leben Sie recht sehr glücklich; mein Großfürst heirathet eine darmstädtische Prinzessin; leben Sie allezeit gleich heiter und vergnügt; ich möchte gerne den Namen des Russischen Envoyé an diesem Hofe wissen; erinnern Sie sich meiner zuweilen; der Friede soll auch schon geschlossen seyn; grüßen Sie die Lauth’sche Gesellschaft und die Mademoiselles tausendmal; doch was berichte ich Ihnen Neuigkeiten, die bei Ihnen schon in der Hitze werden sauer geworden seyn – und bleiben Sie gewogen -Ihrem verschwindenden Alcibiades -J. M. R. L. +Ihrem verschwindenden Alcibiades + J. M. R. L. Weissenburg im Elsaß d. 2ten Septbr: 1772. @@ -452,8 +452,8 @@ darf den Bogen nicht zu hoch spannen, weil er dir in d. Noth geholfen p. Du hast Viele Vorfälle, die mich ganz foderten, haben mir nicht soviel Zeit gelassen, meinen Brief an Sie zu endigen. Hier muß ich ihn eben stehendes Fußes zum Ende bringen, da sich eine gute Gelegenheit findet, ihn fortzuschaffen. Ich habe in Landau noch sehr wenig Bekanntschaft gemacht. Der Senior Herr Mühlberge, ein Schwager meines geliebten Freundes, dH. Licentiats Salzmann in Straßburg, scheint ein wackerer Mann zu seyn. Ich bin bey ihm gewesen, habe ihn aber nicht angetroffen. Seyn Sie doch so gütig, und lassen einliegenden Brief nach Reval kommen, er ist von einem Feldwebel aus unserm Regiment, der mein Landsmann ist, und als solcher mich gar zu inständigst gebethen, doch einmal einen Brief von ihm an die Seinigen zu schaffen. Er ist itzt schon 30 Jahr von Hause, verschiedene Landsleute haben seinen Brief angenommen, keiner aber bestellt. O dacht ich, so werden deine saubern Landsleute es mit deinen Briefen auch gemacht haben – wenigstens will ich so leichtsinnig nicht seyn. Sie werden mir vergeben, daß ich Ihnen dadurch Kosten mache. Der Mann heißt Hönn, ist eines Predigers Sohn, und hat unter die Soldaten gehen müßen, weil seine unmenschliche Stiefmutter, sogleich nach dem Tode seines Vaters, ihm da er kaum 1 Jahr auf der Akademie gewesen, weder Geld noch Brief noch Anweisung mehr geschickt. Er macht noch Ansprüche auf das Vermögen seines Vaters, wenn anders welches da ist, indem sie sich verheyrathet haben soll und zwar an einen gewissen Past. Oldekop: ich kann nicht begreifen, ob dieser Past. Oldekop ein weitläuftiger Verwandte von unserm liebenswürdigen Freunde seyn sollte. Übrigens führt dieser Mensch sich ganz ordentlich. Jetzt muß ich abbrechen, wenn Sie anders diesen Brief noch erhalten sollen. Es heißt, das Regiment soll auf den Winter nach Straßburg. Wenn ich nach Liefland komme, weiß Gott, indessen sorgen Sie nie für mich, überlassen Sie dieses ihm. In dessen Vorsorge ich auch Sie empfele. Tausend Grüße an alle gute Freunde, tausend Küsse an alle meine Geschwister. Meine beste Mama! o könnte mein Gebeth Sie gesund machen. Ich küsse Ihr und Ihnen aufs zärtlichste die Hände als Dero -gehorsamster Sohn -J. M. R. Lenz +gehorsamster Sohn +J. M. R. Lenz Landau, den 7. September. @@ -581,8 +581,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Hier, meine liebe Freunde Lenke und Röderer – den März. April ist noch nicht gemacht. – Habt ihr Herders älteste Urkunde des Menschengeschlechts, so leset miteinander, und sättigt Euch, und wärmt euch an der Morgensonne. Ach! daß er mir – mein tiefster Wunsch – so gut würde, dieß Jahr Euch auch nur eine Stunde zu sehn – Lebet und leidet, und liebt! – -L. -Den 22. April 74. +L. +Den 22. April 74. @@ -743,11 +743,11 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Auch werden herauskommen Meynungen eines Layen zum Besten der Geistlichen: und Stimmen eines Layen auf dem letzten theologischen Reichstage. Die Du Dir anschaffen sollst. wovon aber der Verfasser unbekannt bleiben will. Laß Dir die drey Komödien zusammen binden, den Hofmeister, den Menoza und den Poeten und schenk sie Deiner lieben Frauen auf den Nachtisch als ob sie von mir kämen. Schreib ihr hinein von meinetwegen - -Fühl alle Lust, fühl alle Pein -Zu lieben und geliebt zu seyn -So kannst du hier auf Erden -Schon ewig seelig werden. + + Fühl alle Lust, fühl alle Pein + Zu lieben und geliebt zu seyn + So kannst du hier auf Erden + Schon ewig seelig werden. Und nun lebt wohl lieben Kinder! und laßt mich euch um den Hals fallen und mein Gesicht zwischen euren verbergen. Laßt mich eure Küsse euch zubringen und indem ich so euch beyde zwischen meine Arme an mein Herz drücke und Gott um Unsterblichkeit bitte für euch – so schickt eure warmen brüderlichen Seufzer auch für mich empor, daß auch mir es so gut werde – oder wenn ich dies Glück nicht verdiene daß ich müd von des Tages Hitze einst am Abend meines Lebens in euren Armen ausruhe und sterbe. Ich behalte mir den Platz aus mein Bruder! willigen Sie drin meine Schwester? So seegne sie Gott für den guten Willen Amen. Jakob Michael Reinhold Lenz. @@ -940,9 +940,9 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Eine und viele der seeligsten Stunden meines Daseyns hab’ ich Ihnen, seyn Sie wer Sie wollen, zu danken. In einer Lage, wie’s wenige giebt – am Sterbebeth einer nahen, eben nicht warm doch redlich geliebten Schwägerinn – fieng ich an, Ihre wolerhaltnen Meynungen eines Layen, zu lesen, mit inniger Freud’ in der Stille der Mitternacht – – Meine Schwägerinn entschlummerte sanft – Ich ging schnell nach Hause; an einem hellen doch kühlen Frühlingsmorgen – fuhr sogleich, morgens vor 5 Uhr fort zu lesen; vor Freude zu zittern, vor Freude zu weynen, bald eine Zeile draus an meinen Bruder Pfenninger, der auf dem Lande ist, zu schreiben! Sturm von Seite der Cabale, die das Sendschreiben eines zürcherschen Geistlichen geboren hat – stürmte dazwischen! aber Ihre prophetische Geisteskraft trug mich. – Nun hab’ ich’s vollendet; – nun liest’s neben mir Passavant – und den Abend noch – (warum ich nicht an seiner Seite) Pfenninger? – Ich kann nichts, nichts sagen, als – Sie sind mein Freund, ich bin der Ihrige. Nicht bitt’ ich Sie um Ihre Freundschaft; nicht trag ich Ihnen die meinige an – wir sind schon Freunde. Lichtstral darf nicht Lichtstral bitten: „Fließe mit mir zusammen.“ Das geschieht, in dem sie einander begegnen – aber das ist ein Ziel meiner Bitte, daß Sie mir bäldest eine Zeile schreiben und zu mir sagen: „Lavater! hier und dort hast du geirrt; das Ziel nicht erreicht, vorbeygeflogen – bist angeprallt. Vor dem hüte dich! da ist Quell deines Irrthums! da Fallstrick für deine Imagination, deinen Verstand, dein Herz –“ Dann will ich auch sagen, welche Zeilen Ihrer Schrift unter die Gottesgeistigkeit herabsinken, hinausgleiten, nach meinem Sinn. -Den 20 April 75. -Lavater -Zürich, Donnerstags, Abends nach 3 uhr. +Den 20 April 75. +Lavater + Zürich, Donnerstags, Abends nach 3 uhr. Adresse: @@ -1161,7 +1161,7 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Strass. d. 13t julii 75 Eben komme ich von Buchsweiler zurück. desswegen eine so späte Antwort auf Ihr liebes herrliches Briefchen – ja wohl Briefchen! aber liegt nicht dein gantzes, liebendes Hertz darinne, dies ersetzt mir alles – meine gantze Seele umfasst dich dafür, u seegnet laut. Amen Amen! – ich habe Freunde in Buchs. verlassen – den würdigen Rathsamhausen verlassen, ländliche Freuden – u doch ist mir wohl dass ich hier bin – ich bin in meinem Eigenthum. diess geht mir über alles – Raths. will ich soll ihn in Ihr Andencken zurückrufen, es ist ihm kostbar, er verehrt Sie, dann er kennt Ihren gantzen Werth – er hat es mir oft wiederholt ihn nicht bey Ihnen zu vergessen – diesser liebe Man! warum kan ich nicht immer um ihn leben! so einen Man – u ich heurathe noch – unsre Rehfeldin ist noch immer das muntre schwindliche Weib, aber dabey redlich u gut – ich habe ihr die Stelle aus Ihrem Brief für sie gelesen u es hat ihr wohl gethan – sie wollte mir einen Brief für Sie mitgeben, aber unter den Freuden u Herrlichkeiten des Lebens, vergass sie ihn. unsre beyden jüngern Printzen waren da, die haben alles froh gemacht – hat Ihnen unsre Hessin die Stelle aus Lentzens Brief an mich, ausgeschrieben? hier ist noch einmahl „ich bitte sie sagen Sie doch der theuren Herderin viel Gutes von mir, u welche Aufmunterung u Erquickung mir ihr Beyfall ist. ich wünschte ich kennete ihren Geschmack u könte für sie allein ein Stück schreiben, sie sollte mir so viel werth sein als das ganze Publicum. sagen Sie ihr ich habe eine Lucretia geschrieben, vieleicht dass Götte sie drucken lässt, sie möge alsdann auf die Sceenen acht haben in welchen Flavia vorkommt u mir ihre Meinung drüber wissen lassen. ihr Gefühl allein soll mir der Probierstein all der weiblichen Characktere sein die ich mir vorzüglich geglückt glaube“ – u dencken Sie diessen neuen lieben Freund verliehre ich vieleicht bald – u auf lange – hier fühle ich mich wieder in der Welt, ob ich schon in Augenblicken von oben herunter auf sie blicke – ich soll eine Fürbitte bey Ihnen für ihn einlegen – eurer beyden Schattenriss soll ihm Stärkung Trost u Freude auf seiner langen Reise seyn – wären sie auch nur halb gut – er will das übrige hinzusetzen u glücklich dabey seyn – doch hier kommt er selbst, zu bitten – zu flehen – ich will ihm noch einmahl die Conditionen weisen unter welchen er sie haben soll – aber dafür will ich davon frey sein – selbst mein Gesicht das Sie kennen, sagt Ihnen warum – u dazu – habe ich es unsrer Fridericke abgeschlagen, sie hat die Ursachen gebilligt, sie mag sie Ihnen sagen – kriechet immer mit eurem Buben auf Teppichen herum – da wo Agesilaus unter seinen Kindern auf einem Steckenpferde herum reitet, ist er mir am grössten Luise. -Das Geld ist ganz recht, noch rechter dass Sie mit mir zufrieden sind. +Das Geld ist ganz recht, noch rechter dass Sie mit mir zufrieden sind. Lenz’ Hand: Ich bin itzt ganz glücklich da ich das beste Paar unter der alles anschauenden Sonne auch das glücklichste weiss. Die Freude die aus Ihrem ganzen Briefe athmet würdigste Sterbliche! und die selbst mehr Tugend als Genuss ist, hat auch mein Herz das ihr nun lange schon verschlossen schien, wieder erfüllt und erwärmet. Gönnen Sie mir Ihr und Ihres Mannes – und Ihres Kindes Gesichter. Wenn kein unsichtbarer Zug dem Maler die Hand führen sollte, so schicken Sie mir sie auch halb ähnlich, ich hoffe noch so viel Imagination übrig zu haben, aus dem was ich von Ihnen gelesen und gesehen mir das übrige zu ergänzen. Sagen Sie Ihrem Mann, er soll mich wenn ich weit bin, unter seine Kinder aufnehmen und manchmal einen freundlichen Wunsch für mich thun. Ich kann nicht mehr schreiben. Goethe ist bey mir und wartet mein schon eine halbe Stunde auf dem hohen Münsterthurm. @@ -1180,8 +1180,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Ihre deutsche Diction bewundre ich. Personen aus Ihrer Sphäre, (das will noch ganz etwas anders sagen, als: von Ihrem Stande) sollten doch unsrer treuen Muttersprache die Hand bieten. Wär’ es auch nur, um einen gewissen Ton in unsre Gesellschaft zu bringen, wo deutsch-französisch Geplauder mit räthselhaften Kränzchen-Witz abwechseln, und so mancher ehrliche Fremde auf der Folter liegt, welches einen am Ende ganz und gar mistrauisch in seinen eigenen Verstand machen kann. Ich höre eine Deutsche mit Vergnügen fremde Sprachen wie ihre eigene reden und schreiben; aber Schriftstellerin darin zu werden, ist doch zu viel Herablassung. Werden Sie nicht glauben, ich höre mich gern, daß ich so viel rede? Ach freilich, so ist es! Mit gewissen Personen fühlt man sich so offen, besonders wenn es selten kömmt. Wenigstens lernen Sie nun auch mich ertragen, der freilich es selbst wohl fühlt, wie sehr er nicht mit Wieland allein, (denn das würde mir Ehre machen,) sondern mit hundert Tausend bessern Personen absticht. Bey allen dem bin ich mir keiner Absichten bewußt, und das erhält mich. Ihr Ausdruck: neuer Freund, soll mich lange, lange durch heiße Sandwüsten begleiten und erfrischen, denn ich sehe deren vor mir. Ich will niemals fodern; aber ich bitte Sie, ach! gnädige Frau, sagen Sie mir Ihre ganze Meinung; aber ich werde mich niemals ändern. Modifiziren kann sich der nur, der nicht von Jugend auf, wie ich, mit dem Kopf gegen die Wand gerennt ist. Aber sagen Sie mir alles; ich beschwöre Sie. Ewig -Ihr Freund und Verehrer, -M. R.
    Lenz.
+Ihr Freund und Verehrer, +M. R.
    Lenz.
Den 22. Jul. 75 @@ -1315,8 +1315,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Pastor Oldecob und seine Frau laßen Dich hertzlig, grüßen, sie wohnen jetzt im Garten Hauß, weil sie ganz abgebrannt sind und alles verlohren haben die Häuser auff dem Margt sind alle abgebrant, wie auch das Rathaus, und Löwensterns Haus, die Russische Buden und straffhalter, nebst der großen Brücke sind alle abgebrant. es ist alles wüste Die Frau Oberst Albedill, ist noch in Curland, sie hat ihre älste Freilen Tochter, als Hoff Freilein bei der Alten Herzogin, hingebracht, wir warten sie täglig zurück. Ubrigens Grüße und Küße ich Dich Zährtlig mein liebes Kind. Gott segne Dich und leite Dich auff seinen wegen, verbleibe -Deine zärtliche Mutter -Dorothea Lenz +Deine zärtliche Mutter +Dorothea Lenz @@ -1367,15 +1367,15 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – In der unteren Hälfte des Blattes: -Es will und
    darf
kein Mensch meine
    Wolken
drucken lassen Sobald ich aber zu Gelde komme laß ichs auf meine Kosten drucken in Kehl, wo ich Götter Helden und Wieland drucken ließ. Dann sollst Dus haben Bis dahin – ich beschwöre Dich – schweig davon.
+Es will und
    darf
kein Mensch meine
    Wolken
drucken lassen Sobald ich aber zu Gelde komme laß ichs auf meine Kosten drucken in Kehl, wo ich Götter Helden und Wieland drucken ließ. Dann sollst Dus haben Bis dahin – ich beschwöre Dich – schweig davon.
Ihr wollt die Wolken Wiel. zuschicken. Lieben Freunde, wo ist euer Verstand, wo ist eure Freundschaft für mich? Was hab ich mit W. zu schaffen! Kennt ihr die süßlächelnde Schlange mit all ihren Krümmungen noch nicht. Unsere Feindschaft ist so ewig als die Feindschaft des Wassers und Feuers, des Tods und des Lebens, des Himmels und der Hölle. Und ihn zu bekehren – wäre Lästerung. Ihn durch dies Stück bekehren wollen – Freunde ich fahre aus der Haut. Alle seine Absichten befördern, sagt, und mich zerhauen, im Mörser zusammen stossen. Schreib ich denn das Stück für mich? Oder hab ich hier mit W.
    dem Menschen,
nicht mit Wiel. dem
    Schriftsteller
zu thun? Thu ich
    mir
nicht den grösten Schaden th damit? Und jetzt W. in die Hände geben, damit er
    frohlocken kann über
mich? Und das meine eignen Freunde. Jeder Autor
    hat ein Recht auf das was er
geschrieben. Ich bitte euch also mirs zurückzuschicken und mich meinem Schicksal zu überlassen. Ich schreibe dies mit dem kältsten Blut und der gelassensten Ueberlegtheit von der Welt. -Lenz -verte +Lenz +verte @@ -1441,9 +1441,9 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Dero -ganz ergebenster -Diener u. Verehrer -JMRLenz. + ganz ergebenster + Diener u. Verehrer + JMRLenz. Strasb. d 13ten 8br 1775. @@ -1582,8 +1582,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Vor allen Dingen sagen Sie aber Goethen kein Wort von alledem, wenn Ihnen meine Freundschaft noch werth ist. Ich erwarte die Missive mit der fahrenden. Oder das Mskpt. wieder. Warum geben Sie mir denn keine Nachricht von Ihrer Fräulein Schwester. Werden wir nicht das Versprechen erfüllt sehen, daß Sie sich thaten, Strasbg. zu dem Mittelpunkt ihrer Zusammenkunft zu machen. Und warum haben Sie an das nicht gedacht, woran mein Brief wenigstens Erinnerung seyn sollte? Ich sage Ihnen Sie erweisen Vaterlande und Freunden einen Dienst damit. Von Ihren theatralischen Sachen hör’ ich soviel reden u. kann sie kann sie nicht zur Ansicht bekommen. Leben Sie wohl bester und antworten balde -Ihrem äusserst zerstreuten -aber stets redlichen JMRlenz +Ihrem äusserst zerstreuten +aber stets redlichen JMRlenz im Begrif zu Pferde zu steigen – Wenn Sie Stolbergs sprechen, tausend Empfehlungen von mir, die ihnen Lavater auszurichten vergessen hat. @@ -1623,7 +1623,7 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Herr Blessig den Sie noch aus Göttingen kennen werden arbeitet an etwas das wir Ihnen auch zugedacht haben und von dem er den ersten Bogen in einer unserer Versammlungen mit allgemeinem Beyfall vorgelesen. Sein Sujet ist die Bildung der Griechischen Sprache durch die Poeten und Philosophen und er sammelt noch fleissig Materialien zu künftiger Bearbeitung. Sie kennen vielleicht schon die ganze Feinheit und Stärke seiner Diktion. Unsere deutsche Gesellschaft vergrössert sich von Tage zu Tage. Schlosser ist auch davon und in Colmar Freyburg und andern benachbarten Oertern bekommen wir Zuwachs. In Erwartung baldiger Antwort und Nachricht von Zerbins Schicksal, das ich ganz ohne Umstände mir als ein Biedermann zu bestimmen bitte, bin mit wahrer Freundschaft - Ihr ehrlicher Fr. u. Diener Lenz. +Ihr ehrlicher Fr. u. Diener Lenz.
@@ -1648,8 +1648,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – in der Mitte des zum Umschlag gefalteten Blattes, roter Siegelrest: -An -HliB von Lindau. +An +HliB von Lindau. Lieber Lindau nur ein Wort auf diesen Brief. Seegne Dich Gott ferner mit gutem Glauben und Freude an Dir selbst. Wir sehn einander wohl wieder. Schreib mir nur ein Wort hierher wie Dir’s geht, und wohin Du ziehst grüse den Engel. Weimar d. 8. Jan 1776. @@ -1669,7 +1669,7 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Haben Sie die Gütigkeit Ihre mir unschätzbare Zuschriften künftighin immer unter folgender Adresse an mich kommen zu lassen -A Messieurs Meuille et Perrin +A Messieurs Meuille et Perrin Marchands trés renommés pour rendre a Mr. Lenz a Kehl. @@ -1744,8 +1744,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Hochgeehrtester Herr! Hier die Offenbarung Johannis von Lavater – an Herder. Lavater grüßt Sie herzlich – hat nicht Zeit zu schreiben. Bittet Sie die Offenbarung, so bald möglich an Herder durch Hrn. Geheimen Rath Heß in Darmstadt – zu überschicken – nebst Stollberg – eins vor Sie samt Passavant und Pfenninger. Leben Sie wol. Ihr ergebener Diener bey -Johann Caspar Lavater. -befindt sich sehr wol. +Johann Caspar Lavater. + befindt sich sehr wol. Zürich. den 14. Jan. 76. @@ -1870,8 +1870,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Liebster
    Lenz,
Dank für Deine Herzens Brief, Deine Herzenssachen. Nur dieß: wie kann ich den Schatten verlangen? vielleicht, wenn Du mir die Person nennest – kann ich, darf ich an sie schreiben? Sag mir, was Du willst u: kannst. Dein Petrarch ist endlich fertig. Aber hinten am
    Bücher Catalog,
ist zum toll lachen. Friz
    Stollberg
(Porträte von beyden bekommst Du durch Emmerich!) ist Cammerherr in Weymar. Bravißimo. Wann kommst Du? Du – u: Zimmermann. Schloßers Epistel herrlich, göttlich .... aber nicht ganz. Muß alles ungöttliche weg. Solche Sachen halb, sind sehr schädlich. Soviel dießmal. Adieu. Paßavant ist wol u: brav, und ich ein zertretner Wurm – -D 24. Jan: 76. -J. C. L. +D 24. Jan: 76. +J. C. L.
@@ -2082,8 +2082,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. –
    Klinger
Das Drama ist ein Meisterstück. Aber die Musik war nicht dabey. Sende sie mir lieber – ob ich gleich nicht weiß ob sie mit darzu kan gedruckt werden. Die Vertheidigung der Wolken wird hier unter uns circulieren. Schloßer schrieb drunter: Helas tais toi Jean Jaq. ils ne t’entendront pas – und das ist herrlich wahr! Darf ich mich unterstehen Dir aufzutragen eine Empfehl. vor meines Goethes herrliche Schwester zu bringen. O! o! Kl. dankt Dir 1000 mal für Petrarch. Er hat an Petrarch diesen ter sein ganzes Labsal gefunden die Canzonette sorella übersetzt die Du einmal sehen sollst. Steiner wird Dir Expl. zugeschickt haben. Er grüßt Dich und ist Dein wie ich! Kaufm. macht mir viel Freude denn er ist eine kostbare Seele. Lavater wird immer mehr mein! O was er von seinen Feinden gepeinigt wird! Gut u. wohl Dir daß Du’s nicht so weißt. Du würdest Höllenangst für ihn leiden wie wir alle. Ich will was für ihn thun u. wär’s mein Blut und Leben, das ich ihm willig darbringe weil er ein
    Heiliger
ist. Harre es wird werden!!! -Leb wohl ewiglieber Bruder. K -Zürch 3 Merz 76. +Leb wohl ewiglieber Bruder. K +Zürch 3 Merz 76.
    Herrn Lenz
@@ -2220,8 +2220,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Zu dem hatte ich dringende Angelegenheiten die meine Gegenwart in Weymar nothwendig machten und die Du auch einmal erfahren und Dich drüber freuen sollst. Mach nur daß Du bald wieder nach Europa kommst. Sey brav aber nicht zu verwegen. Vor allen Dingen behalte kaltes Blut und Augenmaaß die Grenzen der Gefahr abzumessen und dann ihrer zu lachen. Gewöhne Deine Soldaten dem Musketenfeuer geschlossen und mit aufgepflanzten Bajonetten entgegenzugehen ihr werdt die Feinde aus der Fassung bringen sie werden schiessen aber nicht treffen. Kommt ihr nah so schießt auch aber zielt nicht zu hoch, in einer Entfernung von 50 Schritt zielt nach dem Bein. Vor allen Dingen marschirt fest und gerade daß die Linie nicht an zu schwanken fängt. Die kreutzenden Feuer sind die besten wenns doch geschossen seyn soll. Im Marschiren schießt gar nicht Könnt ihr den Feind mit Bäumen die halb umgehauen halb noch an den Wurzeln hängen und mit Strömen die ihr an einem Ort dämmen könnt, damit sie am andern austreten aufhalten so thut es. Kehrt Euch an die Kanonen nicht die mehr Lärmen machen als Schaden thun verändert eure Bewegungen und eure Märsche beständig so verwirrt und dekontenancirt ihr den Feind. Und seht ihr die Colonisten einmal so sagt ihnen daß sie Narren sind daß sie für eine Freiheit fechten die in der Natur der Englischen Verfassung nicht liegt die nur ein eingeschlichener Mißbrauch ist. Das Unterhaus hat nie Stimme im Parlament gehabt als da die Könige Geld von ihnen brauchten und den Adel scheeren wollten. Sie hatten nie ein anderes Recht als zu bitten Suppliken einzureichen und das behalten sie ja noch. Wenn der König sie nöthig hat und sie ihm Geld stossen wird er ihnen schon mehr bewilligen. Unterdessen gehabt euch wohl und Gottes Schutz walte über euch.
    Er wird walten über euch.
Und hab ich euch beleidigt verzeyht mir. Der Peter wär auch nur zur Last dort geworden und nach Europa sollt und müßt Ihr wieder zurückkehren mein lieber lieber Lindau. -mit innigster Wehmuth -Lenz +mit innigster Wehmuth +Lenz Macht die Distanzen zwischen euren Divisionen immer grösser und grösser, so sehen sie euch immer für noch einmal soviel an. Ich schike das Geld Deinen Fräulein Schwestern mögen sie damit disponiren oder Lavatern wie Dus befiehlst. In der Magna charta von England steht kein Wort vom Unterhause. Nur durch das Geld das sie dem König Eduard stiessen brachten sie es bey ihm dahin @@ -2261,9 +2261,9 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Eine Reise deren Folgen für mein Vaterland wichtiger als für mich seyn werden, zwingt mich bester der Menschen Sie zu beschwören daß Sie bey Herrn Reich alles anwenden mir das Geld das er
    für die Soldaten
versprochen, sogleich durch Ihre gütige Vermittlung zu übermachen und zwar unter
    dem Couvert
    des Herrn Merk in Darmstadt
mit dem ich deswegen schon die gehörige Abrede genommen. Sollte es auch unter der mir schmerzlichen Bedingung seyn, daß er das Stück schon auf Ostern bekannt machen müßte. Ich brauche Geld nöthiger als das Leben und das zu einem entscheidenden Augenblick der hernach nicht wiederkommt. Könnt’ ich auch für die andere Piece etwas vorausbezahlt bekommen von der Ihnen Boje gesagt haben wird so geschäh mir
    auf ewig
eine Wohlthat. Ich bin auf der Hälfte des Weges der meine Laufbahn endet – und komme zu kurz. Helfen Sie! -Ihrem -aufs Äusserste gebrachten -JMRLenz. +Ihrem +aufs Äusserste gebrachten +JMRLenz. Richten Sie den Brief nur an Herrn Merk in Darmstadt. @@ -2355,8 +2355,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Ew. Hoch Edelgebohren werden gehorsamst ersucht gegenwärtiges Päckgen gedruckter Sachen mit eilf Dukaten beschwert an Dero Herrn Bruder Hn. Hofrath Schlosser in Emmedingen aufs geschwindemöglichste gütigst zu befördern -L. -Lenz. +L. +Lenz. D 25 Mertz @@ -2409,9 +2409,9 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – -Ihr -Verehrer -Christian Heinrich Schmid. +Ihr +Verehrer +Christian Heinrich Schmid. @@ -2483,9 +2483,9 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Ihren -Simon -Professor am Philanthropin -
    zu Deßau.
+Simon +Professor am Philanthropin +
    zu Deßau.
Deßau d: 4ten Aprill
    1776.
@@ -2555,9 +2555,9 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Deine Physiognomick habe ich mit einem der herrlichsten Geschöpfe auf Gottes Erdboden durchblättert, der Frau v. Stein Goethens grossen Freundinn. Aber auch nur durchblättert, drum kann ich Dir nichts drüber sagen. Wenn Du doch hier wärst! Wolltest Du doch die einzige Gütigkeit haben und Käisern bitten, daß er 2 Exemplare von den beyden Alten einpacke und nach Lausanne schicke unter der Adresse - a Monsieur Monsieur Werthes - Gouverneur du jeune Baron de Hompesch - a Lausanne +a Monsieur Monsieur Werthes +Gouverneur du jeune Baron de Hompesch +a Lausanne abzugeben beym Herrn Professor Appeln, wo mir recht ist, ich habe seinen Namen vergessen, Röder könnt’ ihn allenfalls unter meinen Briefen auffinden. Vielleicht weißt Du die Namen einiger Professoren in Lausanne. K. könnte ihm schreiben, daß ich itzt in Weimar, ihn aber beordert ihm das zuzuschicken und dem jungen Hn. v. Hompesch das eine beygeschlossen, dessen Hn. Vater dem Minister in Mannheim ich gewiß die Aufwartung gemacht haben würde, wenn er nicht eben mit dem Hofe auf der Jagd gewesen als ich durchgieng verte @@ -2664,11 +2664,11 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Lenz. -Brief -über Wielanden -und einige seiner Gedichte -Hauptsächlich über Aga den -neuen Amadis. +Brief + über Wielanden + und einige seiner Gedichte + Hauptsächlich über Aga den +neuen Amadis. Endlich hab ich den Mann kennen lernen der allen jungen Leuten in seinen Schriften sowohl als in seinen Handlungen ein wahrer Probierstein der Gesundheit ihrer Einbildungskraft so wohl alswie der Stärke ihrer Urtheilskraft seyn kann. Jene kann unersetzlichen Schaden an den ersteren nehmen, wenn sie schwach, kränkelnd, oder noch nicht zu ihrer gehörigen Reiffe gekommen ist, so wie diese wenn sie sich zu frühzeitig vermißt mit ihm fertig zu werden, erbärmlich scheitern und die ganze traurige Schule der Selbsterkenntniß zurückzumachen gezwungen seyn wirdeden kann. Dagegen kann jene unendlich an den erstem gestärkt werden und gewinnen, wenn sie sich gewöhnt gefährliche und reizvolle Gegenstände die ihr in der Welt so oft vorkommen aus ihrem rechten Licht und nicht mit der unreiffen Hitze und verstohlnern Kützel eines Knaben, sondern mit dem Ernst und der Kälte eines Kenners anzusehen, der nur denn warm wird wenn die Magie des allgewaltigen Spottes der aus der tiefsten Philosophie seine Bevollmächtigung und von dem schwelgerischsten Witz seinen Zauberstab erhielt, ihn mit zum Sokratisch mitleidigen Lächeln über die Thorheiten und Schwachheiten der Menschen dahin reißt So wie auch die Urtheilskraft an ihm und seinen Handlungen lernen soll sich nicht in ihren Schlüssen von Personen zu übereilen bevor sie uns in allen ihren Verhältnissen bekannt geworden sind. Wie oft verwandelt sich dann Nebel in Sonnenschein, Feindschaft in Uebereinstimmung der Gesinnungen, Haß in Liebe? Ich fange so ziemlich in dem Ton eines Schulmonarchen oder Professors der Moral an lieber Freund! aber ich finde ihn für nothwendig Ihnen meine wahre Meynung von diesem treflichen Mann ein für allemal aufzuklären und darzustellen. @@ -2682,8 +2682,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Da unsere Generation dem grossen Zeitpunkt näher rückt da Schwachheit selbst unverzeybares Verbrechen wird, so hoffe ich seine komischen Gedichte werden immer mehr zu lachen machen und immer weniger schaden Meine Grimassen gegen ihn verlang ich nicht zu entschuldigen Wenn ich Vater wäre und einen Sohn hätte der an der Schwelle der Pubertät stünde würde ich in seinen Morgenseegen eine Bitte um Reinheit und Festigkeit der Imagination setzen um ein mit Verstand und Entschluß bewafnetes Auge und ein mit zuversichtlichen Hofnungen gesichertes Herz, sich nicht nur an Statuen und Gemählden die einen momentanen Eindruck machen, sondern auch an Produkten des Geistes dieser Art üben zu dürfen Und ich hoffe ich brächte es dahin es durch sein Exempel zu bewähren daß die höhere Physiologie die die Nothwendigkeit der Stillung eines Triebes der wie alle menschlichen Triebe willkührlich ist, lächerlich macht allgemein zu machen wäre. -Brief von Lenzen an Grafen -Friedrich Leopold von Stollberg. +Brief von Lenzen an Grafen +Friedrich Leopold von Stollberg. Wundern Sie sich nicht bester Graf! statt einer geschriebenen eine gedruckte Antwort von mir zu erhalten? Sie werden begierig seyn zu wissen, wie Wieland mich empfangen hat, Wieland der einzige unter allen Menschen den ich vorsetzlich und öffentlich beleidigt habe. Sehen Sie da, ob sein Benehmen gegen mich nicht des menschenfreundlichsten Philosophen würdig ist. Als ich ihn das erstemal sahe, machte die zutrauenvolle vergnügte Bewegung, mit der er mich grüßte, mich schon wirre; es war, als ob’s ihm jemand gesagt hätte, ich sey um seinetwillen gekommen, obschon wir uns nur auf der Strasse antraffen. Wir speisten den ersten Abend am dritten Ort zusammen, es fiel kein Wort von dem Vergangenen vor und unser Gespräch ward so herzlich und munter ja als es später gegen die Nacht kam so freundschaftlich als ob wir Jahre lang in dem besten Vernehmen bey einander gewohnet. Diese Amnestie hat er bey allen Gelegenheiten so unverbrüchlich beobachtet, daß er sogar bei Hofe, wo er am ersten Gelegenheit gehabt, mich durch feine Vorwürfe aus der Fassung zu bringen und wo ich die Dreistigkeit soweit trieb, ihm über einige Stellen seiner komischen Gedichte meine Bedenklichkeiteil zu sagen er mich mit der größten Sanftmut und Ernst zurecht wieß und mir über verschiedene Dinge Aufschlüsse gab die ich nebst dem was ich durch weiteres Nachdenken darüber herausgebracht Ihnen mittheilen will. @@ -2735,8 +2735,8 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. – Den 27. Apr. 76. -
    Promemoria
-an
    Wieland, Goethe, Lenz.
+
    Promemoria
+ an
    Wieland, Goethe, Lenz.
Ich kehre mein Viertelstündchen, u: bis es herunter gesandet hat, schreib ich Euch, lieben Drey, was mir einfällt. @@ -2996,8 +2996,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Depuis, j’ay entrepris un nouvel ouvrage; il sera d’haleîne. et je le croyais fait pour fixer un peu l’attention, au moins par son genre. Mais mille obstacles me font à chaque instant intérrompre mon Travail. Au milieu des orages de ma vie je n’ai que des eclairs d’espérance; bientôt viennent les peines d’esprit, les peines du cœur, la lassitude et le découragement, et adieu au monde imaginaire que l’on s’ était créé. Vous êtes maintenant plus Tranquille, et plus heureux que moi. cultiviéz les muses pour le charme des cœurs sensibles; ils vous doivent déjà beaucoup. Daigneéz vous Souvenir quelquefois de moi. je n’oublierai jamais le peu d’Instans agréables que nous avons Passé ensemble; alors je ne croyais pas que ce Seraient les derniers. J’ay l’honneur d’ être avec le plus sincêre et inviolable attachement, Monsieur et cher ami -Votre très humble et très obeïssant Serviteur. -Ramond +Votre très humble et très obeïssant Serviteur. +Ramond
@@ -3042,8 +3042,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Zugleich bin ich so frey, Sie um etwas zu bitten, aber Sie dürfen nicht glauben, daß ich dieser Bitte wegen, Ihre Freundschaft wünsche. Ob Ihnen einige kleine u. grosse Produkte meiner Arbeit zu Gesicht gekommen, thut nichts zur Sache; aber ich gebe gegenwärtig eine Art von periodischer Schrift heraus, die weder in Absicht der Theile noch der Zeit, gewisse Bestimmung hat; soviel kann ich Ihnen sagen, daß ich sie wenigstns so gut zu machen suchen werde, als möglich. Bürger schickt mir etwas zu, und unsern theuren Göthen hab’ ich auch drum gebeten. Nun hätte ich freylich auch gern etwas von Ihnen, es sey was es wolle Wollten Sie mir wol was schicken? – Aber lieb wäre mirs, wenn ich noch etwas zum dem 1. Theil haben könnte. Ich halte Sie für gut, drum wünsche ich Ihre Freundschaft; und ob ich sie in diesem Falle verdiene, darum fragen Sie Göthen. Empfehlen Sie mich doch allen Ihren Freunden, und werden Sie vorzüglich der Meinige. -Magister Becker, -wohnhaft im Schloßgarten bey Madame Blanchard. +Magister Becker, +wohnhaft im Schloßgarten bey Madame Blanchard. Vergeßen Sie mir Ihre Adresse nicht. @@ -3091,9 +3091,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Auch bitt ich Zimmermann sehr, im Fall die mir vom Buchhändler noch zukommenden Exemplare der Soldaten noch nicht nach Strasburg abgegangen eins davon einzupacken und unserm lieben Fritz Stollberg zuzuschicken mit der Nachricht daß ich hier und sehr wohl sey, aber sehnlich auf seine Ankunft warte.
-Auszug einer Stelle aus einem Briefe des Herrn -Klinger aus Giessen, eines gebohrnen Frankfurters -an Lenzen. +Auszug einer Stelle aus einem Briefe des Herrn + Klinger aus Giessen, eines gebohrnen Frankfurters + an Lenzen. Hier haben Sie meine Geschichte. Soviel ich von meinem Vater weiß, war er ein wunderbarer feuriger Mann, der nicht an seinem Platz war. Dabey von edlem Sinn. Gott weiß wie seine Seele die Richtung bekam. Ich verlor ihn in meinem achten Jahr da er an einem Fall starb, das so zu gieng. Er etc. Nach seinem Tode wird meine Mutter krank auf 18 Wochen für Kummer. Wir Kinder all, und fremde Leute nahmen das bisgen weg das noch übrig war. Meine Mutter von der Liebe zu uns gestärkt ermunterte sich. Arbeitet mit ihren Händen, ernährt drey unmündige Kinder, ohne zu vermeiden, nicht in Schulden zu kommen. Als ich heranwuchs bat und flehte ich mich in die Lateinische Schule zu halten. Das geschah, sie konnte mir nichts abschlagen. Noch erinnere mich daß sie mein erstes Schulgeld nicht bezahlen konnte und es borgen mußte. Das gieng so fort. Sie erhielt mich bis ins 19 Jahr in allem, denn was ich mit Informiren und vom Chor bekam war sehr gering. Zwey Jahr erhielt ich mich und gab ihr was ich konnte. Nun wollte @@ -3285,9 +3285,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Federmeßer und Rasierpulver von mir. -Was ich da lasse und nicht zu eröffnen bitte +Was ich da lasse und nicht zu eröffnen bitte -Im Coffer. +Im Coffer. Briefe Zwey Päcke Pappier @@ -3415,9 +3415,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Noch ein Wort. Lieber Lenz – wieg Deine Schritte, und thu nie nichts ohn einen Freund. Laß den Freund Deine Vernunft seyn. Sey zufrieden mit Deinem Herzen und Deinem Genius. Adieu. Ich bin – vieles und keines, und alle Tage nur wenige Momente meiner selber. Kaufmann und Pfenninger sind izt bey Schloßern. – -Dein Lavater. +Dein Lavater. -Hegi, den 10 Julius 1776. +Hegi, den 10 Julius 1776. Hier ist der Guibert die andern Bücher sind nicht zu haben. @@ -3498,8 +3498,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Geben Sie bald Gelegenheit Ihnen mündl. zu sagen daß ich bin Dero -aufrichtiger Freund -Wilkau +aufrichtiger Freund +Wilkau @@ -3511,8 +3511,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Besatzung ist hier 11000 Mann stark. 350 ziehen täglich auf die Wache von der Infanterie 26 von der Reuterey und 24 Dragoner. In der Citadell 36. Jedes Regiment giebt 80 Mann alle Tage. alle 6 Tage kommts an einen. Der Hr. v. Birch wird noch einige Ordonanzen erwarten und wann sie complet sind werd ich sie bekommen und mitnehmen. Deinen 2ten Brief hab ich auch bekommen. brauch Dir also nicht zu antworten weg. Deinem Projekt mit Wieland. Ich danke Deiner schwärmenden Freundschaft. Aber sie scheint doch kaum so schwärmend zu seyn daß Du mich für was mehr als ein Kind hältest. Wann ich Dir schreibe und nicht immer oder vielmehr nie mich genire und gerade zu wie’s mir vom Herz oder vom Eselskopf oder gar von der Hand kommt und Dir hernach mein Brief unverständlich oder nicht pünktlich genug oder weiß Gott wie vorkommt, was geht michs an. Ein andermal mehr. Halt mich vor was Du willst – ich bleibe -Dein Freund -R. +Dein Freund +R.
An @@ -3565,8 +3565,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Ihr Brief hat mir viel Freude gemacht, lieber Freund! ich bin auf dem Lande und in mir selbst sehr glücklich, nach dem ich am Hofe fast verwittert war. Ihre Nachrichten sind mir sehr lieb und sehr leid, ich hoffe es soll bald besser thonen Wenn Sie doch die Schwärmer erst auf Ihrer Seite hätten und nicht die Tugendschwärmer die nur Lärm machen wollen, die andern, die Thoren, die Unglücklichen mit ihrer kauderwelschen pietistischen Sprache, – die aber thun. Ich bin von Herzen -Ihr Freund -Lenz +Ihr Freund +Lenz Kein Wort vom
    lieben Heiland
in Basedows Nachrichten kein Wort wie es denen schmeckt, denen nun das ihr höchstes Gut ist und deren doch die größte Anzahl ist. Entweder ich schwiege ganz von Religion oder ich richtete sie mehr für den Schwärmer als für den Freygeist ein.
@@ -3701,8 +3701,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Ich hoffte selbst das Vergnügen zu haben, Sie , theuerster Freund, persönlich zu sprechen, verschiedene Umstände haben es aber nöthig gemacht, gerade nach Berlin und von da wieder hieher zu gehen; ich schike Ihnen also hier die Briefe, so mir Röderer mit gegeben; sollten Sie mich für würdig halten Ihre Briefe zu bekommen, wiewohl die fehlgeschlagenen Hoffnung einer Antwort auf meinem ersten, mich es fast nicht zu hoffen läßt, so bitte ich solche nur nach Halle zu adreßiren. Ich wünsche Ihnen alles mögliche WohlErgehn und Vergnügen und bin -Ihr gehorsamter Diener -Eisenberg +Ihr gehorsamter Diener +Eisenberg Candidat en Droits.
@@ -3737,8 +3737,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Salzmann schreibt Dir, Deine übrigen Freunde grüßen Dich, die Sozietät und H. v. Kleist. Vor 14 Tagen hab ich Pfenninger bey mir gehabt und bin mit ihm samt Blessig und Wagner nach Emmendingen wo wir Lavater antrafen und 2 Tage sehr vergnügt bey einander blieben. Hr Hofrat und seine Frau grüßen Dich herzlich, Du hättest wieder dabey seyn sollen als sie uns alte Romanzen sang und besonders die aus dem Faust. Pf. konnts kaum tragen in Strasburg Dich nicht zu sehen. Wann Du mir was zu schicken hast, so schicks bald wenigstens doch ein Briefchen, dann ich geh nach 6 Wochen aufs aller spätste von hier nach Göttingen, und bald drauf ohne lang da zu weilen werd ich durch Leipzig nach Dessau gehn wanns meine Finanzen zu lassen. Die Adresse ist (Du hattest es Iezt vergessen) bey Rausch zu Kehl. -Lieb mich noch immer und sey glücklich. -Dein Röderer. +Lieb mich noch immer und sey glücklich. +Dein Röderer. Strasb. den 8 Augst. 1776. P. S. Die gnädige Frau ist zu Schweighusen im Obern Elsaß auf ihres Papas Landgütern, befindt sich wohl weiters weiß ich nichts. @@ -3810,8 +3810,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Darf ich Sie zum Beweise daß Sie mich nicht ganz vergessen haben, bitten, mir doch alles was Sie von den Lebensumständen und Schicksalen Ihres seeligen Großvaters und Eltervaters wissen unter der Adresse des
    Hr. geheimen
    Legationsrath Goethe
in
    Weymar
mitzutheilen. Ich erinnere mich von meinem Vater soviel gehört zu haben, daß der erstere im dreyssigjährigen Kriege gedienet und der andere wo mir recht ist Staabsoffizier gewesen. Diese Nachrichten, wenn sie mir aufs eheste gegeben würden, könnten mir besonders jetzt ungemein vortheilhaft werden. Ich bin so frey besonders meinem jüngsten Hn. Onkel mit diesem Auftrage beschwerlich zu fallen, dessen Güte für mich schon bey so manchen Gelegenheiten mich ihm vorzüglich verbindlich macht. Sollten allenfalls die Vaterbrüder in Cöslin mehr Spezielles von
    Ihrem Grosvater
wissen so bitte doch, sich desfalls an sie zu wenden. Die Ursache warum ich gerade diese Nachrichten mir ausbitte, würde Ihnen auseinanderzusetzen die Grenzen eines Briefes überschreiten. Seyn Sie übrigens versichert daß es mir auch an diesem Hofe wohlgeht und daß ich wohin mich auch mein Schicksal verschlägt mich jederzeit mit der wärmsten Hochachtung Ergebenheit und Liebe nennen und zu beweisen suchen werde als Ihren -ganz ergebensten Neffen -Lenz. +ganz ergebensten Neffen +Lenz.
Herrn Herrn Heinrich @@ -3857,9 +3857,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D inliegend 1 gr. übrig gebliebenes Brief Porto. Ich fahre fort zu dienen mit dem unendlichsten Vergnügen und verharre Zeitlebens mit der grösten Hochachtung -Ihr -gehors. Diener -Schenk +Ihr +gehors. Diener +Schenk Bester Vater! @@ -4036,13 +4036,13 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D all my English, by being no more inspired from as gracious a Scolar, of whom the very presence and her application to that tongue did improve me of all that i could teach her and to speak truly, have been much more profitable to me than all my instructions could have proued to her. I intreat you to remember the passage in Master Goethe’s Goetz from Berlichingen that there is something of divinity in the conversation of a Carrictura. I hope you will not need an explanation of this name nothing than your heart the bettest could make it, having so often put into shame Master Theobald’s and Warburtons learning in the explanation of great Shakespeare. I pray you to commend my respects to your most honorable husband and the whole family and flattering myself with some lines answer as you have given me the permission to do so, i am with the most sincere veneration -Madam -Your -most humble and -obedient servant -Lenz. +Madam +Your +most humble and +obedient servant +Lenz. -Berka the third of 9br. 1775. +Berka the third of 9br. 1775. Gedruckter Text: @@ -4069,10 +4069,10 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Ich verlange fünf neue Louisd’or. Bitte um geschwinden aber korreckten Druck und gut Pappier. Es wäre mir sehr dran gelegen wenn Sie mir die Zeit bestimmen könnten wenn ich das erste Explar erwarten darf. Sollte Ihnen zu diesen Bedingungen das Stück zu theuer seyn so bitte mir das Manuscript ohne es weiter sehen zu lassen baldigst zurück. Ich bin mit vieler Achtung Dero -ergebenster -Lenz. +ergebenster +Lenz. -Weymar d. +Weymar d. Empfangsnotiz Reichs: @@ -4193,8 +4193,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Lieber Herr Lenz ich habe weiter nichts zu erinnern als den Degen. Besinnen Sie sich doch es wär doch dumm wenns damit gehen sollte wie mit denen Coloschen. Und dann hat letzhin der Hr. Geh. Leg Rath nach der Laube gefragt ich weis nicht warum, wollts Ihnen aber doch sagen. Am vergangenen Donnerstag sind die Mitschuldigen gespielt worden. Die Rollen waren so ausgetheilt:
    Alzest.
Hr. G.L.R.
    Söller.
Bertuch
    Wirth
Musäus.
    Sophie.
Neuhaus.
    Keller.
Kozebue. Es soll wieder auserordentlich schön gewesen seyn. -geh. Diener -Seidel. +geh. Diener +Seidel. D. 30ten Nov. 1776.
@@ -4265,8 +4265,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Lieber Herder! was kann, was darf ich Dir sagen. Es wäre betrübt für mich, wenn Du mein Stillschweigen nicht verstündest. Ich habe Dich gesehen und gesprochen, habe an Deinem Halse gehangen und Dir Lebewohl gesagt. Was bedarfs des Schauspiels Kaufmann ist noch nicht da, zweifle auch ob ich ihn sehen werde. Schick mir wo möglich noch einige Zeilen Stärkung derweil ich in Emmend. bin. Adieu! Grüß Weib und Kind! Adieu Herder! ich mache keine Entschuldigung. -In der Christnacht -bey Schlossern. +In der Christnacht +bey Schlossern.
@@ -4288,8 +4288,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D verte. -Emma und Eginhard -an Barthy +Emma und Eginhard +an Barthy Geh Betti schließ die Laube zu Und gieb die Harfe mir @@ -4344,16 +4344,17 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D J’attend, Mon cher ami, l’instruction que vous voudréz bien me donner, pour prendre la libérté d’ écrire à M. Goethé et le prier d’ accepter un témoignage de ma Vénération pour sa personne et ses ecrits. J’ay l’honneur d’Être avec le plus sincêre et parfait attachement, Monsieur et cher ami, -Votre très humble -et très obéissant serviteur -Ramond +Votre très humble +et très obéissant serviteur +Ramond -avocat au Conseil. +avocat au Conseil. -Empfangen – den 22sten Apr. 77. + + Empfangen – den 22sten Apr. 77. -Emmedingen. +Emmedingen. Es wundert mich ausserordentlich lieber Freund! daß ich noch nichts von Pfeffeln erhalte, der mir erst gestern schrieb. Sollten Sie das Geld etwa noch bey sich haben so schicken Sies jetzt nur gerad unter Schlossers Adresse her, der wieder da ist. Ich wollt es nach Colmar weil ich dahin zu gehen gedachte und von da weiter – So aber halten Sie mich allein zurück – Die Zerstückelung des Landpredigers war mir nicht die angenehmste Neuigkeit. Auch heißt er nicht Wangen- sondern Mannheim, welcher Name hoffentlich nicht dort herum sich finden dürfte. @@ -4405,11 +4406,11 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Wie Lebten Sie dann, seit deme das lezte mahl die Ehre hatte sie zu sehen? Vermuthl. gut, gesund und vergnügt, Ich wünsche das wenigstens von grund meiner Seele. für' s vergangene und für' s zukünftige. Ich, meinerseits, bin, Gott sey’s gedankt seit meiner Abreiße von Strasburg – glücklicher geweßen, als verdiente, – habe die Bergwercke meinem Bruder in Lotharing. endossirt, und mich gäntzl. der Handlung gewiedmet. Stehe auch von da an allhier in Basel, in einer berühmtesten Band fabriquen, als bedienter unter den schönsten Bedingnießen in Condition. und bleibe vom Höchsten erwartend, wie mich seine Güte, den rest meiner Jahre, mit – vernunft vollends ausleben laßen wird –. Solte, wie Ich hofe, Ihre Freundschaft noch einen Funcken Herz zu mir haben. so machen sie mir das vergnügen. mich deßen schriftlich zu versichern; kann ich hingegen mich deren aufs neue würdig zu machen Ihnen viel angenehmes, in hiesigen gegenden erweißen, so befehlen sie über denjenigen der mit besonderer Hochachtung, Aufriebt Gesinnungen, und mit vollem warmen Hertzen, die Ehre hatt, sich ewig zu nennen -Dero Gehorsamster und bereitwilligster Freund und Diener -Emanuel Friederich Mayer -bey -Gedeon Bourcard. - Basel, 9. April
    1777.
+Dero Gehorsamster und bereitwilligster Freund und Diener +Emanuel Friederich Mayer +bey +Gedeon Bourcard. +Basel, 9. April
    1777.
Monsieur @@ -4510,11 +4511,11 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Sie dürften Ihren Brief nur an Herrn Sarasi adressiren, daß er mir ihn nach Zürich, oder wo ich von da hingehen werde wenn ich von Schinznach zurückkomme, schickte, er wird mir eppen eine außerordentliche Freude machen und die Rolle die ich für Sie ausarbeite nur desto besser ausfallen. Empfehlen Sie mich allen Freunden Ihres Hauses die ich nicht in Schinznach zusprechen die Ehre haben sollte. Ihren kleinen Inokulierten druck ich manch herzliches Küßgen auf ihre Narben und höre Sie oft im Geist ihnen kleine Geschichtgen erzehlen. So habe ich auch dem letzten Ball unsichtbar zugesehen, Sie haben recht viel getanzt. - -Da lenkten im reitzenden Wirbel -Die Grazien selbst Ihren Flug -und machten dem schnappenden Tänzer -Entzückender Schmerzen genug. + + Da lenkten im reitzenden Wirbel + Die Grazien selbst Ihren Flug + und machten dem schnappenden Tänzer + Entzückender Schmerzen genug. Empfehlen Sie mich den Neuvermählten und Ihrem Hn. Schwager gleichfalls und bereiten sich nur auf eine recht beschwerliche Gedächtnißarbeit. @@ -4572,8 +4573,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Lenz. -Der Schauplatz stellet die Allee eines kleinen Gartens vor, der überall mit Gebirgen eingeschlossen ist, auf denen man in einiger Entfernung Schlösser und Landhäuser entdeckt, die an dem Fusse derselben das Ufer eines in ihrer Mitte schlängelnden Flusses verschönern helfen. - Sophie Detmond tritt auf, ländlich gekleidet +Der Schauplatz stellet die Allee eines kleinen Gartens vor, der überall mit Gebirgen eingeschlossen ist, auf denen man in einiger Entfernung Schlösser und Landhäuser entdeckt, die an dem Fusse derselben das Ufer eines in ihrer Mitte schlängelnden Flusses verschönern helfen. + + Sophie Detmond tritt auf, ländlich gekleidet Hier wär’ es denn wo mir dein Blick das erstemal Dein Mund o Wadrigan! die goldne Freiheit stahl Hier schien ein jedes Wort dir Zung und Herz zu brechen @@ -4603,9 +4605,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Bey mir nun Lindrung sucht für alter Wunden Schmerz Bey mir den Abgott sucht den er drey Jahr besessen, Der ihm entrissen ward, bey mir den zu vergessen -Bey mir – und Wadrigan – Gott ihr mißhandelt mich. -Zweyte Scene. -Belmont kommt. +Bey mir – und Wadrigan – Gott ihr mißhandelt mich. +Zweyte Scene. +Belmont kommt.
    Belmont.
So ungelegen kam kein Mensch vielleicht als ich. Den Tag, der Sie gebar, im Stillen zu begehen Die feyrende Natur darüber froh zu sehen @@ -4712,8 +4714,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D
    Sophie
Gehen Sie, dort kommt Herr Hackly -Dritte Scene Hackli zu den Vorigen. -Hackli, Belmonten, der in der feurigsten Entzükung Sophiens Hand küßt, von hinten zu auf die Schultern schlagend.) +Dritte Scene Hackli zu den Vorigen. +Hackli, Belmonten, der in der feurigsten Entzükung Sophiens Hand küßt, von hinten zu auf die Schultern schlagend.) So? Das geht ja Extrapost. Glück zu! Bravissimo Wie steht das Leben sonst? ists Reislein wohl bekommen @@ -4814,8 +4816,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Meine itzige Schweizerreise geht (in Gesellschaft eines Sächsischen Freyherrn v. Hohenthal) über Neuburg u. Yverdon nach Lausanne und Genf, von da ins Walliserland und zu den Eisgebirgen ؘ– sollten Sie etwa eine Marschroute für uns haben (wir denken auch nach Graubündten und von da nach Zürich zurückzukommen) so würden Sie sie nur gütigst Herrn Pfenninger abzugeben belieben, der sie mir schon nach Lausanne zukommen lassen wird. Bern, das Entlibuch, die freyen Aemter, wollen wir auf unsre Rückreise von Zürich über Bern u. Basel versparen. Mit den wärmsten Empfehlungen in Ihre Güte u. Freundschaft beharre in und ausser der Schweitz dero -ergebenster -Lenz. +ergebenster +Lenz. @@ -4880,9 +4882,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Tabelle -Pro Memoria +Pro Memoria -Zu einer Reiße nach Italien von Sarasin an Lenz +Zu einer Reiße nach Italien von Sarasin an Lenz Haupt Züge @@ -4979,8 +4981,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Villeicht finden Sie in Meyland noch einen Brief von mir. -Bern d. 7 August 1777 -εν πιστει. +Bern d. 7 August 1777 +εν πιστει. Lavater! ich bin hier in einem theuren Wirthshause und ohne Geld – und erwarte von Dir – daß Du mir gleich nach Ansicht dieses eine Louisd’or und einen Dukaten zuschickest Schiebst Dus einen Posttag auf, so gerath ich in Schulden und andern Händeln die noch schlimmer sind. Wie ich hie hergekommen, frag nicht, alles das läßt sich im Briefe nicht füglich sagen. – Ich hoffe Schlosser hat Dir für mich schon Geld von Weygandt zugeschickt; ists geschehn, so wieg ich Deinem Arm desto weniger, der mich in dem Fall in dem ich itzt bin, ganz allein stützen kann @@ -5000,8 +5002,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Herr Wilhelmi hat mir die angenehme Neuigkeit gesagt daß Sie den Kaiser in Ihrem Kamin gehabt, ein solcher Schinken fällt einem nicht alle Tage auf den Herd und ich gratuliere Ihnen und Ihrer Frau Gemahlinn zu einer Ehre, die der grand Voltaire mit großen Zurüstungen die er in Ferney gemacht, als ich in Genf war, und einem Compliment das eines starken Geistes würdig war, sich nicht hat erwerben können. Vermutlich wird er sich darüber, wie an unserm Herrgott, der ihm auch viel Streiche wieder seine Erwartungen gespielt haben mag, durch eine Plaisanterie zu rächen suchen. Möge der Himmel alle mögliche Koketterien um Sie verschwenden, Sie und Ihre Likoris noch in diesem herrlichen Monath zu einer Spatzierfahrt nach Zürich zu verführen. Oben auf dem Gipfel des Rigi werd ich Ihnen einige Anmerkungen die ich über Ihr der wolhtätigen Gesellschaft vorgetragnes allerphilanthropinischtes Projekt zu Pappier gebracht, vorlesen und wie mit doppelten Kräften so mit doppelter Achtung und Ergebenheit seyn Ihr -zugewandtester -Lenz. +zugewandtester +Lenz. @@ -5103,8 +5105,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Zürich. D. 28sten Sptbr. 1777. -Hochedelgebohrner Herr -Insonders hochzuehrender Herr Rathsschreiber +Hochedelgebohrner Herr +Insonders hochzuehrender Herr Rathsschreiber Nur zu lange habe ichs anstehen lassen Ihnen mein verehrungswürdiger Freund und Gönner für alle Ihre mir in und ausser Basel erzeigten Gütigkeiten schriftlich meinen verbindlichsten Dank abzustatten, da ich mir diese Genugthuung bey meiner Unschlüssigkeit in Zürich zu bleiben, immer Persöhnlich vorbehielt. Die Personen an die Sie so gütig waren mir und Hn v. Hohenthal Adressen mitzugeben, der bey seiner Rückreise seine Aufwartung zu machen nicht ermangelt haben wird, verdienen in der That alle Aufmerksamkeit und Achtung der Reisenden, besonders Herr Tscharner in Rolle, von dem wir viele Gegenempfehlungen zu versichern haben. Herr Schmidt in Nion ist vollkommen so, wie Sie ihn beschrieben, doch hat sein lichtbraunes Auge bey all seiner Schüchternheit einen weiten Blick. @@ -5273,8 +5275,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D seyn; auch bin ich überzeugt, daß Sie dieselbe in diesen Augenblicken so wenig verkannt haben, als Sie sie noch jetzt, wenn Sie sich alles das was damals vorgegangen, in einem ruhigen Augenblick vergegenwärtigen wollten, verkennen werden und können. Mein Aufenthalt in dem Hause des Herrn Pfarrers Lavaters sollte mich freylich in meinen Reden und Handlungen ein wenig fürsichtiger gemacht haben, wenn man bei einem dringendem Herzen nur fürsichtig bleiben könnte und ich durch fatale Schriftstellerverhältnisse hinaufgeschraubt, alle politischen Reservationes mentales für Cruditäten in meinem Gewissen zu halten, nicht beruffen gewesen wäre. So wenig aber Herr Pfarrer Lavater von meinem Besuch bey Ihnen wußte, da ich eben von ihm auszuziehen willens war und schon die Nacht ausser seinem Hause geschlaffen; so wenig, wie ichs mit dem theuresten Eyde bekräftigen kann, hat er an irgend einem Wort das ich bey Ihnen gesprochen Antheil gehabt, vielmehr bin ich versichert, daß er meine ganze Art zu seyn, nach seinem Gesichtspunkt diesesmal äusserst tadelhart ge funden haben würde. Da nun aber jeder für
    sich
Rede stehen muß und ich übrigens im Schooß Ihrer Familie für allen Mißdeutungen meiner Absicht sicher zu seyn glaubte; so habe ich diesesmal lieber eine scheinbare Unbescheidenheit wagen, als über gewisse Punkte Ihrer Art zu denken und zu fühlen unaufgeklärt und in meinem Urtheil von Ihnen falsch bleiben wollen. Nahmen Sie einen Anstand an dieser Behandlungsart, so bitte ich Sie ganz und gar an mir zu ahnden, als aus dessen Charakter und Genie sie
    ganz allein
geflossen, übrigens aber versichert zu seyn, daß mich fremde Meynungen, wenn sie nicht schon vorher in diesen gelegen, niemals verändern können – Uebrigens brauch ichs Ihnen, würdigster Herr Doktor! nicht zu versichern daß meine Absichten bey meiner Schweitzerreise, da das Richteramt mein Beruf nicht ist niemanden zum Schaden gereichen können. Mit der ehrerbietigstell Empfehlung an Ihre Gemalinn und Familie nenne mich -Dero gehorsamsten -Diener Lenz. +Dero gehorsamsten +Diener Lenz.
Winterthur. Den 12.ten Dcbr. 1777. @@ -5330,9 +5332,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Ihnen unbekandt war ich lange Ihr Freund, durch Ihren Herrn Sohn. Drey Jahre sinds, daß ich diesen kenne, und, ob gleich wir nur selten beysammen seyn konnten; so waren wir doch Freunde. Ich ehrte sein Herz und seine Talente und liebte ihn darum; aber ich übersahe ihm seine Fehler nie, am wenigsten den, daß er sich so weit von Ihnen entfernte. Er fühlte sein Herz noch nicht rein und kindl. genung, meinen Rath zu folgen. Vor einiger Zeit schlug ihn Gott mit einer harten Krankheit. Mit dieser kehrte sein Erinnern an Ihre väterl. Treue und alle kindl. Gefühle zurück. Er war fest entschlossen, zurück zu kehren zu Ihnen, sich in Ihre Arme zu werfen und durch die Tugenden und den Werth seines männlichen Alters, Ihr Greisen-Alter glückl. zu machen. In diesem Vorsatz kam er zu mir. Ich bestärkte ihn darin und seine Abreise war auf gestern festgesetzt. Gott ließ aber ihm und uns allen zum Glück, am vorigen Dienstage seine Krankheit in ein hitziges Fieber ausbrechen, seegnete jedoch dabey unsere geringe Sorgfalt, so, daß er auf dem besten Wege der Beßerung ist. Nun bittet mich sein Herz, voll der wärmsten kindlichsten Liebe, Ihnen das zu schreiben. Er wünscht u. hofft, daß Sie an seinen Leiden herzliches Theil nehmen werden und versichert Sie nicht allein seiner kindlichen Liebe und der wahren Reue über seine Entfernung von Ihnen und seine Fehler, sondern auch von dem festen Entschluß, so bald Gott ihm die Kräfte giebt, wieder in Ihre Arme zu kehren. Ich, der ich nur zu gut fühle, daß, wenn der Mensch auf Erden glückl. seyn soll, es nur durch Liebe von, oder zu, seinen Kindern seyn kann, ich freue mich, Ihnen dieses zu schreiben, und bitte Sie inständig, mir bald einen Brief an Ihren mir immer lieben Sohn zu schicken. Sie können ihn am besten in seinen Leiden, die seine Seele selbst durchdringen, helfen und aufrichten und Gott wird Sie dafür mit dem Trost eines wohldurchlebten Alters und der größten Freude an allen Ihren Kindern segnen. Trauen Sie meiner Versicherung die wahre Hochachtung, mit welcher ich mich nenne -Ew. Hochehrwürden -ergebenster: Schloßer -Markgräflich badischer Hofrath und Oberamtmann der Markgraffschaft Hochberg. +Ew. Hochehrwürden +ergebenster: Schloßer +Markgräflich badischer Hofrath und Oberamtmann der Markgraffschaft Hochberg. Emmendingen in Breisgau bey Freyburg d. 9 Märtz 1778. @@ -5349,10 +5351,10 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Lieber Herr Sarasi es freut mich daß ich Ihnen wieder schreiben kann, ich habe eine grosse Bitte an Sie die Sie mir nicht abschlagen werden, daß Sie so gütig sind und meinem bestem Freunde und Cameraden dem Herrn Conrad Süß doch einen Meister verschaffen, wenn er ausser der Zeit nach Basel kommt, weil jetzt die Handwerksburschen stark gehen und ich den Herrn Hofrath bitten will, daß er seinem Vater zureden soll ihn noch länger als Johannis bey sich zu behalten, damit ich die Schusterey bey ihm fortlernen kann die ich angefangen habe und er ohnedem bey seinem Herrn Vater und mir viel versäumt. Es wird Ihnen das nicht schwer fallen, da er gewiß ein guter und fleissiger Arbeiter und sonst wohlerzogenes Kind ist und Sie werden mich dadurch aus vieler Noth retten, die ich Ihnen nicht sagen kann Auszugehen ist mir noch nicht gesund und was würd ich anfangen, wenn er auch fortgienge da ich gewiß wieder in meine vorige Krankheit verfallen muß. Hier bin ich dem Herrn Hofrath gegen über und ist mir so wohl bis es besser mit mir wird. Wenn es nur einige Wochen nach Johanni seyn könnte, melden Sie mir doch ob sich dort keine Meister finden die auf die Zeit einen Gesellen brauchten. Wenn Sie nur wollten probieren sich von ihm Schuhe machen zu lassen, ich bin versichert, daß er sie gut machen wird, besonders wenn er einige Zeit in Basel gewesen und weiß wie Sie sie gern tragen. Fleissig ist er gewiß, davon bin ich Zeuge und er arbeitet recht nett besonders wenn er sich angreift. Viel tausend Grüsse an Ihre Frau Gemalinn und an den Herrn Hofmeister und an die Kleinen. Ich bin bis ans Ende -Ihr +Ihr -gehorsamster Freund und Diener Lenz. +gehorsamster Freund und Diener Lenz. Er soll jetzt das erste mal auf die Wanderschaft und ich bin jetzt bey seinen Eltern ein viertel Jahr lang wie das Kind im Hause gewesen. Er ist mein Schlafkamerad und wir sitzen den ganzen Tag zusammen. Thun Sie es doch bester Herr Sarasi, lieber Herr Sarasi es wird Sie nicht gereuen. – Emmedingen, einige Tage vor Johanni, 1778. Ich könnte mich gewiß nicht wieder so an einen anderen gewöhnen, denn er ist mir wie ein Bruder. @@ -5364,8 +5366,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Weiter weiß ich nichts zu schreiben, als ich gehe alle Morgen mit meinem
    lieben Herrn Süß
spatzieren und bekomme auch alle Tage den Herrn Hofrath zu sehen. Nun fehlt mir nichts als daß alles so bleibt und Gott meine Wünsche erhört und Sie meine Bitte erfüllen, daß der arme Conrad wieder zu seinen Glaubensgenossen kommt. Und ich verharre unaufhörlich und zu allen Zeiten Ihr -bereitwilligster Diener und gehorsamster Freund -J. M. R. Lenz. +bereitwilligster Diener und gehorsamster Freund +J. M. R. Lenz. Ich trage Ihren Brief immer bey mir und überlese ihn offt er hat mir eine grosse Freude gemacht und daß Sie sich auch meines Conrads so annehmen. @@ -5377,9 +5379,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Ich kann in der Eile Ihnen theurester Herr und Gönner nichts schreiben als hunderttausendfältigen Dank für die Freundschaft und Güte, die Sie für mich und meinen lieben Conrad haben, an dem ich mir die Freyheit nehme einige Zeilen mit beyzulegen, und Ihnen zu melden, daß ich jetzt nach Wiswyl herausreisen soll, wo ich brav werde Bewegung machen können mit der Jagd und Feldarbeit. Ich bin so voller Freude über soviel glückliche Sachen, die alle nach meines Herzens Wunsch ausgeschlagen sind, daß ich für Freuden nichts rechts zu sagen weiß als Sie zu bitten, daß Sie doch so gütig sind und Ihr Versprechen erfüllen, dem ehrlichen Konrad Arbeit für Sie zu geben, weil es mir nicht genug ist wenn er bey Ihrem Meister Schuhmacher ist und er nicht auch für Sie arbeitet. Verzeyhen Sie meine Dreistigkeit, ich bitte doch um Nachrichten von Ihnen und Ihrer Familie auch nach Wiswyl, zwar ist der Herr Hofrath jetzt auch nach Frankfurt verreist, der Conrad wird mir Ihr Briefgen schon durch seinen Vater zuschicken ich werde wohl einige Zeit da bleiben. Hunderttausend Grüsse Ihrer Frau Gemahlinn und sämtlichen Angehörigen, auch dem Herrn Professor Breitinger. -Ihr -gehorsamster Freund und Diener -Lenz. +Ihr +gehorsamster Freund und Diener +Lenz. @@ -5387,8 +5389,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Ihrem -gehorsamsten -Lenz. +gehorsamsten +Lenz. Wiswyl den 13ten August 1778. @@ -5400,11 +5402,11 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D unter folgender Adresse,
    „an Hn. Lenz, abzugeben
    bey dem Förster Lidynn, zu Wiswyl zuzuschicken
und den genauesten Preiß hinzuzusetzen, das Geld soll auf das prompteste mit dem verbindlichsten Dank an Sie wieder nach Basel übermacht werden. Ich beschäftige mich hier unter Anleitung des Herren Lydinn mit dem Ackerbau und der Jagd, die mir tausend Vergnügen anbietet und meinen Kopf von Tag zu Tag mehr aufheitert, da die körperliche Bewegung, die Entfernung von Büchern und der Umgang mit einem Manne der in der Einrichtung seines Hauswesens und Ausfüllung der ganzen Sphäre in die ihn die Vorsehung gesetzt hat, mir auf jedem Schritt eine neue Wahrheit aufschließt; mir die Entfernung von meinem theuren Wohlthäter Schlosser, auf dessen baldige Wiederkunft ich dennoch zähle, ungemein versüßen. Da Wiswyl nur drey Stunden von Emmedingen ist, so hoffe ich wenn er von Frankfurt zurück gekommen ist, eine kleine Veranlassung mehr, zu seinem öftern Besuche hieher zu werden. Wollten Sie so gütig seyn mein Gönner! durch eine geneigte Sorge für meinen dreisten Auftrag, mir Gelegenheit zu geben, den braven und rechtschaffenen Mann bey dem ich wohne auch Ihnen zu verbinden, da auf diese Weise das begehrte Päckgen Gold schon künftigen Montag in Emmedingen seyn könnte – – so würde ich diese Gewogenheit mit zu dem grossen Conto setzen, auf welches ich zeitlebens nur die Interessen zahlen kann durch die Versicherung der aufrichtigen und beständigen Ergebenheit mit der ich beharre -Ihr +Ihr -gehorsamer Fr. u. Diener. -JMR Lenz. +gehorsamer Fr. u. Diener. +JMR Lenz. Dero Frau Gemahlinn und werthesten Angehörigen bitte mich bestens zu empfehlen, ingleichen dem neuen Führer der letzteren. Den Preis bitt doch ja hinzuzusetzen, da es nicht meine Sache ist – – – für die Güte der Ware brauche ich nicht zu sorgen @@ -5415,9 +5417,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Sagen Sie niemand von unserm Projeckt; das sich eher nicht ausführen lassen konnte. Tasuend Empfehlungen an Ihr ganzes Haus. Auch von meinem Förster den Sie noch mehr lieben werden, wenn Sie ihn sehen. -Ihr -wärmster -JMR Lenz +Ihr +wärmster +JMR Lenz
@@ -5425,8 +5427,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D ihn zu nennen belieben, Sie um noch eine gütige Auslage, bestehend in einem viertel Centner mittleren Berner-Pulvers, das man hier und in Strasburg nirgend so gut haben kann, nebst dem genauesten Preyse zu ersuchen, welches mit eben der Gelegenheit hieher spedirt werden kann. Das Geld für beyde Artikel werde die Ehre haben Ihnen mit verbindlichstem Dank (vielleicht in Gesellschaft des Herrn Hofrath Schlossers und seiner Gemahlinn) mit meinem fürtreflichen Förster selbst einzuhändigen. Wie erwünscht die Zeitung von der glücklichen Niederkunfft Ihrer verehrungswürdigen Gattin – und wie reitzend Ihre Einladung in eine Baurenhütte am Mäyenfels einem Menschen unter meinen Umständen gewesen will ich Ihrer gütigen Freundschaft für mich lieber zu vermuthen überlassen. Auch bitte ich mir noch manchen guten Rath persöhnlich aufzuheben, der mein künftiges Leben, wenn der Himmel mich dessen würdigt und seine Zufriedenheit dem Ihrigen ähnlich zu machen fähig wäre. Leben Sie glücklich bis dahin und empfehlen mich Ihrer unverbesserlichen Hälfte. Dero -gehorsamster -J M R Lenz. +gehorsamster +J M R Lenz. Weisweil d. 30sten Septbr. 1778. @@ -5473,9 +5475,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D bis das was ich gutes und vortheilhaftes draussen eingesogen, ausgedrükt wäre, mögte man hernach mit dem löchrichten Herzen machen was man wollte. Bey alledem aber habe ich die Theologie – nicht gründlich studirt, kann auch keine grosse Theologen auf die grosse Bühne der Welt schicken. Dafür aber hab ich mich ein wenig in der Geschichte und Gesetzen meines Vaterlands umgesehen, die ich immer fleissiger mit Zuziehung der erfahrensten Männer zu studieren gedenke, will dabey gern in dem bißgen Griechisch und modernen Sprachen, was ich weiß, auch in der sogenannten schönen Kenntniß von Kunstwerken und Kunstsachen, auch wenn der Adel, der fast den zahlreichsten Theil unsers Landes ausmacht und um Unterricht verlegen ist, mit zu unsrer Bürgerschule gezogen werden soll, in besondern Stunden in dem historischen Theil der alten und neuen Taktik Fortifikation u. s. f. soweit Unterricht geben, daß er hernach praktischem Unterricht schneller nutzen kann, so auch in Staatsgeschichte und
    Staatswirtschaft
welches mir ein Hauptbedürfniß meines Vaterlands scheint – auch lateinische Autoren lesen, und Redübungen mitbetreiben helfen, nach meinen Kräften – Wissen Sie ein redlicheres, stärkeres und ausdaurenderes Subjekt für diese Anstalt deren Einrichtung so wie die Stärke und Umfang seiner Nerven, Kräfte und erworbenen Anlagen Sie kennen, so bezeuge ich hiemit vor Gott – den ich nicht leichtsinnig zum Zeugen nehmen mag – daß ich der Anstalt Glük wünschen und mit dem Schmerz hier nicht haben nützen zu können mich auch ahnen lernen werde ohne einen Gedanken von le den, Ihnen und Ihnen ähnlichen, mit voller warmer Hochachtung gewiedmeten wegzugeben oder ärmer an m Gefühl zu werden, mit dem ich auch schweigend mich jederzeit und überall nennen werde -Ihren -gehorsamstergebensten -JMR Lenz. +Ihren +gehorsamstergebensten +JMR Lenz. eingerahmt: Mein Vater ist – für mich – reich, so auch meine Geschwister. Daß also das nicht in Anschlag kommen darf. @@ -5503,8 +5505,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Hauptsächlich aber daß man eine Zeitlang gearbeitet und sich bey den Planen anderer Leute versucht haben muß, eh man selbst Plane machen kann. Verzeyhen Sie meine Eile und Feder und erfreuen mich, wenn Ihnen mein Glück und Ihre Zufriedenheit lieb ist, baldmöglichst mit einigen gütigen Zeilen Ihrer Hand über diese wichtigen Punkte meiner Reise und meiner Bestimmung. Nach tausend Handküssen von uns sämtlichst an Ihnen und meine theureste Mutter Ihr -gehorsamster Sohn -J M R Lenz. +gehorsamster Sohn +J M R Lenz. @@ -5516,11 +5518,11 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Kraft dieser meiner Obligation bescheinige ich Endesunterschriebener, daß ich von Herrn George Behrens in Riga die Summe von 100 Rbl. sage Ein hundert Rubel Silbermünze zum nothwendigen Gebrauch als ein Darlehn empfangen und solche a dato innerhalb sechs Monathen, nebst den gehörigen Zinsen a 6 pro Cento dankbarlichst wiederzubezahlen mich anheischig mache Dörpat, den 18ten Jenner 1780. -Jakob Michael Reinhold Lenz -der mathematischen und schönen Wissenschaften Beflissener. +Jakob Michael Reinhold Lenz +der mathematischen und schönen Wissenschaften Beflissener. -Ich bin zufrieden mit den 100 Rubeln ohne Intereße -G Berens +Ich bin zufrieden mit den 100 Rubeln ohne Intereße + G Berens gut für hundert Rubel @@ -5538,8 +5540,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Ganz wieder Versprechen bekommst Du schon itzt einen Brief. Wie wir unsere Reise angefangen, wirst Du von unserm Verwandten Lieutenant Breyer erfahren haben. So giengs auch weiter und wir sind wenigstens 25 mahl umgeschlagen und würden’s noch öfter seyn, wenn nicht mein Reisegefärth wie ein Herkules gearbeitet den Schlitten zu halten. Er bietet mir auch sein Haus in Petersbg. an, bis ich ein Quartier ausgemacht, denn zu den grossen Aubergen London Demuth p will er mir durchaus nicht rathen. Ich werde sehr wohl zur Intrada mit ihm berathen seyn; nichts destoweniger schmerzt michs, daß ich Frau Obristin nicht gesprochen und sie gebethen, mir die Adresse des Herrn Rittmeister Uckrainer, oder ihm meine zu geben, auf den Fall daß ich Igelströhms nicht mehr vor mir finde. Ich denke er würde mir in Ansehung des Cadettenkorps und anderer Sachen die ausser der Sphäre meines Condottieri liegen, vielen guten Rath haben geben können. Doch die Vorsicht wird alles selber lenken; erschöpft wie ich von der Reise bin, kann ich mein Vertrauen nur auf sie setzen. Kannst Du mir aber, wenn Herr Rittmeister U – – bald nachkäme, die Satisfaktion ihn in Petersburg noch zu sprechen noch verschaffen, so wirst Du mir eine Freundschaft erweisen. Tausend Empfehlungen an alle theuren Freunde und Gönner, Frau Obristin Oldekops und Danksagungen ohne Zahl an Dein kostbares Weibgen; bis auf die nächste Zuschrift die ich unter Adresse des Herrn Brauers zu erhalten hoffe – – vielleicht mit Herrn Rittmeister Ukrainer, den ich sehr zu sehen mich sehne wie bis ins Grab -Dein treuer Bruder -J M R Lenz +Dein treuer Bruder +J M R Lenz
Herrn Herrn Oberpastor
    Lenz
Assessor des Consistoriums und Inspekter der Schulen @@ -5563,9 +5565,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Der Frau Gemalinn bitte zu sagen, daß man sie stündlich auf den Sommer hier erwartet – Von meinen Umständen wird Ihnen der Herr Schwager nächstens und vielleicht gute Neuigkeiten schreiben. Ich höre der Herr Sohn sollen mit General Berg herüber kommen. Das wäre mir eine angenehme Neuigkeit die vielleicht selbst auf mich Einfluß haben könnte, wenn bis dahin nicht schon alles richtig ist. Empfehlen Sie mich Ihrer fürtreflichen Gemahlinn und samtlichen Angehörigen und behalten im freundschaftlichstgütigen Andenken -Ihren -ganzergebensten Diener -J M R Lenz. +Ihren +ganzergebensten Diener +J M R Lenz. Herr Aelster Schow wird nun wohl retunirt sein. Es war unvorsichtig vom Derptschen Magistrat mit dem Gouvernement zu hadern, da die Sache der Statthalterschaften noch seit Beginnung der Welt in Rußland auf keinem bessern Fuß gestanden. Sehr unvorsichtig! @@ -5579,8 +5581,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D St. Petersb. d. 27sten Merz Mein schätzbarster Freund! Ich weiß diesen Brief nicht besser an Ihre Demoiselle Schwester gelangen zu lassen, als durch Ihre Hand und bediene mich der Gelegenheit, so vielleicht die ersten und besten Nachrichten von Ihrem allerseitigen Wohlbefinden zu erhalten. Ich hatte vor meiner Abreise ein Abschieds- und Danksagungsschreiben an Ihre Mad. Schwester und zugleich an Ihr ganzes verehrungswürdiges Haus aufgesetzt, da ich aber eben aus einer schweren Leibes- und Gemüthskrankheit, von der Sie vielleicht gehört haben, genesen war, so mußte ich aus den Folgen schließen, daß Sie dasselbe nicht erhalten. Das ist die Ursache, warum ich eine mir so angenehme Schuld itzt nachhole. Ich habe viel ausgestanden in der Krankheit und auf der Reise, mein Körper und meine Munterkeit haben dadurch gelitten, das einzige was mir geblieben ist die Erinnerung und das Gefühl für alle Freundschaft und Güte, die mir bey meiner Entfernung vom Vaterlande wiederfahren. Ich wünschte nicht, daß Sie in ähnliche Situationen geriethen; so sehr ich von Herzen wünschte, Ihnen worin dienen zu können. Ich erinnere mich von Ihrem Herrn Vater gehört zu haben, daß Sie eine der deutschen Universitäten besuchen wollten. Sagen Sie mir welche es seyn wird; vielleicht hab ich dort einige Bekanntschaft. Sollte Sie aber einmal mehr als Neugier, sollten merkliche Aussichten Sie in unsere Gegenden herüberführen, so seyn Sie versichert, daß ich alles anwenden werde, was in meinem Vörmögen ist, Sie meiner unveränderlichen Hochachtung und Erkenntlichkeit für Ihre ganze würdige Familie zu überführen. Wahr ist es daß der Schwürigkeiten befördert zu werden, hier mehr sind als anderwärts, Schwürigkeiten die ich als Einheimischer bis zur Aufgebung aller Hofnung erfahre und die einem Fremden doppelt auffallen müssen. Eine Menge Leute von Talenten, die von allen Orten her hier zusammenfliessen und durch Connexionen und Cabale jedem Unerfahrnem den Weg verbauen, ein hartes Klima, eine höchst theure Lebensart, fremde Sprache und Sitten und eine Art von Zusammenverschwörung gegen den, der die beyden letztern nicht kennt – tausend Ungemächlichkeiten, die mich die eine Reise zu Land und Wasser von einigen 700 Stunden bald vergessen machten. Alsdann der Pöbel und das Gesinde in einer grossen Stadt, der zu tausend Ausschweifungen vertritt, und der Arbeit ungewohnt, wegen Diebereien und oft den grausamsten Verbrechen, eine Art von Feind ist gegen den man beständig zu Felde liegt – kurz alles alles lieber Freund was sich besser denken als sagen läßt, machen die Versorgung hier unaussprechlich schwerer als anderwärts, so wie vielleicht kein Ort ist wo man so leicht und so glänzende Hofnungen gibt, die das Unheil nur grösser machen. Nein mein Freund! wahres Verdienst, Tugend und Wissenschaft müssen besondere Wege finden sich geltend zu machen an einem Ort, wo jeder durch die seltsamsten Schicksale hergeworfene und verschmitzt gewordene Fremde sich das Ansehen von Verdienst und Tugend zu geben weiß – kurzum, wo man Gott dankt, daß man Othem holt. – Es ist wahr daß die höchste Monarchin und verschiedene Grosse hier einen unbestechlichen Sinn für wahren Werth haben – aber der Weg zu ihnen wird einen bis von den geringsten Personen auf eine solche Art verrammelt, daß eine Lebenszeit daraufgeht, eh Glück oder Zufall ihn eröfnen. Dies muß ich Ihnen schreiben, weil eine gewisse Meynung die auswärts noch von vorigen Zeiten herrscht, als Verdienste seltner waren, einen Fremden leicht verführen kann, sich die Sachen bey weitem anders vorzustellen, als sie sind; eine Meynung, die tausend Unheil anrichten kann. Ich bin noch nicht befördert und weiß noch nicht ob Petersburg oder Schweden mir nur den nothdürftigsten Unterhalt geben wird, den man oft mit den glänzendsten Namen bezeichnet Empfehlen Sie mich Ihren Mlls. Cousinen und sagen Ihnen, daß ich keinen von Ihren und meinen Freunden in Curland gesprochen, da meine Reise zu Wasser gieng. Von denen Herrn v. Kleist habe gehört, daß sie sich in Curland verheurathet: von Herrn v. Medem weiß ich nichts zu sagen. In Kurland wenn man Bekannte unter dem Adel hat, giebts noch eher Aussichten als hier, wo die ganze Welt möcht ich sagen sich zusammendrängt. Doch werden Sie selbst leicht errathen, warum ich meine Verbindungen dort mit Fleiß abgebrochen, da sie von keiner Dauer seyn konnten. Für einen Fremden, besonders für einen Juristen könnten sie es eher seyn, auch für Theologen, die die Landessprache lernen. – Haben Sie mir keine Nachricht von Herrn Ott zu geben? Der Minister bey dem er engagirt war ist jetzt in Moskau. Empfehlen Sie mich Dero sämtlichen Angehörigen und lieben unaufhörlich -Ihren ergebensten Freund -JMR. Lenz. +Ihren ergebensten Freund +JMR. Lenz. Dem Herrn Cousin, Herrn Amtmann Schöll meine verbindlichste Empfehlung @@ -5601,9 +5603,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D -mit ganzer Seele theilnehmender Bruder +mit ganzer Seele theilnehmender Bruder -J M R Lenz. +J M R Lenz. St. Petersbg. den 27 Merz 1780. Dem verehrungswürdigen Herrn Onkel und ihren sämmtlichen fürtreflichen Strasb. Cousinen bitte meine beste Empfehlung zu versichern. Wenn Ihr Herr Bruder an mich schreiben will, so lassen Sie ihn nur die Adresse an meinen Bruder machen: den Oberpastor Lenz in Dörpat p. Francfort, Memel et Riga, weil ich noch keine Bestimmung habe @@ -5622,8 +5624,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D so gleich und so prompt geschehen war. als er an fremdes Geld kommandirt hatte. Er nennt die Fastagenbrake die hier nothwendig ist, besonders da seine Fässer nicht nach dem Kransmaaß waren, die Reparatur seiner Pipen, die er doch selbst verlangt, das Bewachen seines Vermögens u s f. Schikanen und meynt man hätte mit 1/3 von 88 Rblendie er zu allem bewilligt, die Richter, unter denen Etatsräthe sind u s. f. die Pächter und alles bestechen können, sie ihm zu ersparen. Er glaubt daß der Transport in einem Ort wie Petersbg. so wie dort auf dem Lande umsonst geschehe, kurz daß hier jedermann sich zu seinen Diensten umsonst kommandiren läßt, wie seine Unterthanen. Auch ist der Brief an Brauer völlig in dem Ton eines Souverains den dieser mit Stillschweigen und Mitleiden erwiedert und abwartet; wie er sich bey dem Rath vermuthlich eines unvernünftigen Untergebenen, der die Sache die er durch Brauers Hilfe ausgerichtet, nun eben so leicht und vermutlich mit Vortheil für sich auszurichten meint, in kurzem befinden wird. Ob er alsdenn statt der billigen Erkenntlichkeit für die Sicherheit seiner Entreprise und für seinen Gewinnst den man ihm in Gold und Silber umgesetzt zuschickt, um den Insp. der sonst Monathlang hätte lauffen können, in einem halben Tage abzufertigen, kurz für Ansehen Credit und Connexionen womit Brauer ihn unterstützt hat, noch über Schikanen und aus Versehen in die Rechnung eingeführte Posten schreyen wird. er weiß vermuthlich nicht wieviel 1 Rbl. in Ptersb. macht. Er will nicht wissen, daß niemand hier einen Schritt umsonst thut und daß sein Schwiegervater d. H. Tulander Eymerweise bezahlt – Da des Schwiegersohns Eymer grösser, unbehandelsamer sind und beym Aufrollen jedes allein 8 Cop. beym Abrollen 7 gekostet, welches er auf soviel 1000 Eymer berechnen kann. Daß das Geld in der Festung in Kupfer ausgezahlt wird – soviel tausende – – daß das Zählen bewachen – – doch wer kann da für Verdruß endigen. Mag ers anders probiren! und sichs stehlen lassen Ich bin weder Kaufmann noch Liefrungsverständiger, soviel aber sehe aus dem Briefe den mir Brauer vom Baron gewiesen, daß er Petersburg nicht kennt und wenn ers auch durch keinen Unglüksfall für den er sich gar nicht in Acht zu nehmen nöthig zu haben glaubt zu seinem Schaden kennen lernt (da er meynt, Geld zehle, bewache und transportire sich selber) er wenigstens in kurzem einsehen wird daß der Staat den Handlungsstand so sehr zu schätzen weiß als den stolzen und dummen von entfernten Landsassen. Ich küsse Dein Weib und Kinder und bin nach 1000 Empfehlungen an alle Gönner und Freunde Frau Obr. Oldekop Peuker -Dein treuer Br. -JMR Lenz. +Dein treuer Br. +JMR Lenz. Sey doch auch so gut wenn Du Papa schriebst, ihn zu bitten, gelegentlich was einfliessen zu lassen, für all die Freundschaft und Güte die mir Brauers
    (u. Pflugs)
hier zukommen lassen. Sie verdienen es doch wahrhaftig. Wäre es auch möglich daß Du an Hn. Major Igelstrohm, der Dich jedesmal grüssen läßt, für alles was er mir erzeigt hat, ein Paar Worte auf der Post schriebst würd ich es als ein Zeichen Deines brüderlichen Herzens erkennen. Von Papa selbst könnt ein Brief der so eingerichtet wäre daß ich ihn allen Gönnern und Freunden vorlesen könnte mir auf einmal sehr beförderlich werden. Bitt ihn doch daß er sich in demselben aber des allzuängstlichthuns enthalte, weil es in aller Absicht mehr schadet als nutzt und auf seinen Karakter ein häßlich falsches Licht wirft. Mit Klagen ist hier gerade
    alles zu verschlimmern
und niemals was auszurichten, welches ich wohl erfahren – besonders wenn man weiß, oder zu wissen glaubt, daß der Klagende keine Ursache dazu hat. @@ -5647,8 +5649,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D zu
    Dörpat.
-S. T. -Schätzbarster Freund! +S. T. +Schätzbarster Freund! @@ -5658,8 +5660,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D der Bachanten und Menaden das Angesicht verhüllen muß; wie jener Grieche bey der Aufopferung seiner Tochter. Von Ihrem Museum weiß ich fast nichts mehr so wenig als vom Merkur, da wir hier periodische Blätter mit näherer Beziehung auf Vaterland haben. Doch könnten sie sich vielleicht mit Ihnen zu ähnlichen Zwecken vereinigen, ohne einander im Debüt zu schaden, da die deutsche Litteratur, wenn sie mehrere Angelegenheiten Rußlands aufnähme, hier vielen Eindruck macht. Vielleicht gibt es in unseren entferntesten Gegenden, echtere Deutsche als bey Ihnen. Verzeyhen Sie mir diese Impertinenz, die wie alle Machtansprüche auch ihren Theil Wahrheit hat, da vielleicht unter keiner Regierung sich Expatriierte von allen Ständen und Fähigkeiten so genau an ein ander geschlossen und so freundliche Behandlung erfahren. Ich muß schliessen, weil mir kaum soviel Zeit übrig bleibt, Ihnen zu sagen, daß hier ein ehmaliger Eleve von Ihnen, Herr Legationsrath Claudes mir bekannt worden und ich mit ihm näher bekannt zu werden wünschte um Ihnen mit mehr Eindruck versichern zu können, daß ich nicht aufhören kann zu seyn Ihr -verbundenster Fr. u. Diener -J M R Lenz. +verbundenster Fr. u. Diener +J M R Lenz. Petersbg. D. 5ten April 1780. @@ -5669,8 +5671,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D -S. T. -Hochgeschätzter Freund +S. T. +Hochgeschätzter Freund @@ -5680,9 +5682,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D führt. Sollten Sie noch einigen Zusammenhang mit Dessau haben, so werden Sie ihn und vielleicht mehrere Personen verbinden wenn Sie ihm ein Verhältniß mit den dasigen Lehrern befestigen helfen. Sie brauchen einen Mitarbeiter an ihr Erziehungsjournal, der gesammelte und bewährte Erfahrungen aus derselben Laufbahn, wiewohl von einem andern Klima her, zu der ihrigen gesellte. Ein Mann der in dieser Absicht zu ihnen reist giebt ihnen Ehre, indem er von ihnen Ehre annehmen will und mich dünkt, es wäre einmal Zeit, daß sich die Philanthropine, auch wegen ihres Kredits in Rußland – an die Schule anzuschließen anfiengen. Herr Bause wird hier allgemein geschätzt – und einem Mann seines Schlages würde der Professor Titel bey ihnen, unter dem er an unsrer Schule fort arbeitete, statt aller Honorarien seyn. Man trug mir einmal auf, Schriftsteller beym Philanthropin zu werden; ich kann mich nicht besser rächen als durch Empfehlung eines Tüchtigern. Dem Triumvirat in W. darf ich nicht bitten, mich zu empfehlen. Sie haben zu viel zu thun, um an mich zu denken. Auch wär’s ihnen zu verargen, wenn sie die Gunst des freundlichsten der Fürsten minder beschäftigte. Ihnen darum keinen Vorwurf gemacht, wenn Sie auch mir einige Ihrer Neuigkeiten mittheilen. Der den Vorzug hat von einer Nation zu seyn, die vielleicht in der Krise der unverdorbensten Originalität steht. Eine Nation bey der Werther, der mißverstandne Werther in 24 Stunden vielleicht mehr
    Verwüstungen
anrichtet, als an den geschwätzigen Ufern des Rheins u. der Donau in soviel Jahren wo aber auch die stummen Scenen Ihrer Elfride auf eine Art ausgeführt und
    sentirt
werden, von der Sie vielleicht (so grosse Hochachtung ich für manche lndividua Ihrer Gegend habe) sich bey dem Gros der dasigen Karaktere keine Vorstellung machen können. Mit dieser Achtung nenne mich, nach verbindlichstem Empfehl an Ihre lebende Elfride -Ihren -ergebensten Fr. und Diener -JMR Lenz +Ihren +ergebensten Fr. und Diener +JMR Lenz St Peterbg. d. 6ten April 1780 Wenn Sie meinen Freund Hartknoch sehen, so grüssen Sie ihn von mir und sagen Sie ihm, daß wenn er erst Gesundheit aus Ihren Gegenden geholt, sich ihm die weissen Bären die er sich vielleicht in unsern Gegenden hinsetzt, noch wol einmal auf eine Art entzaubern könnten, die ihn überführte, daß wahre Schätzung des Verdienstes nur im Vaterlande (das nicht immer native soil zu seyn braucht) möglich sey – @@ -5699,12 +5701,12 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Sie haben mir in Lübeck nicht gesagt, daß die bekannten Dichter Grafen v Stolberg sich dort in der Nähe aufhielten. Können Sie diesem Freunde ihren Aufenthalt nicht sagen. Sie erzeigen vielleicht beyden einen Gefallen, wenn Sie ihm behülflich sind, sie zu sehen. Nach bester Empfehlung an Ihre Frau Gemalinn und schätzbare Familie, nebst deren Führer und allen Lübeckschen Freunden nenne mich mit wahrer Ergebenheit -Meines hochgeschätztesten -Freundes +Meines hochgeschätztesten +Freundes -verbundenster Diener -JMR Lenz +verbundenster Diener +JMR Lenz St Petersbg. d. 8ten Aprill 1780. @@ -5726,9 +5728,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D in der Haltung des Kopfs, in der Brust alles voll Kraft und
    fortwährender
Anstrengung – – der Großherr ist der Pendant zu ihr. Soviel ähnliches von Mutter auf Sohn hab ich selten gesehen nur ist Güte der Seelen am Munde, wenn er nicht angestrengt ist noch das Zeichen, das ihm die Sorgen der Haltung eines ganzen Reichs fehlen. Man sieht ihm am Gesicht an, daß er unermüdet arbeitet – auch soll er in allen Fächern der Wissenschaften seine Meister suchen. Sein Geschmack ist so rein und ohne Fehl und Eigensinn, daß ich von der Seite uns Glück wünschen wollte, wenn wir die Arrangements der Deutschen und Ausländer nur hier ganz so hätten, was Städte Bücherumsatz p. betrift. Doch künftig hiervon ein mehrers und besseres; wie von unsern Grossen überhaupt, von denen ich die wenigsten kenne. Der geheime Rath und Ritter Betzky ist ein würdiger Greis, dem Heiterkeit und stille frohe Thätigkeit aus jeder Miene leuchtet. Er hat so ganz das Schweitzerhaffte – mehr aber doch aus den Bernergegenden her. So seine Tochter und sein Schwiegersohn, von denen ich Ihnen ein andermahl schreibe: wenn meine Situation und deren Entscheidung mich näher mit ihnen bekannt gemacht, denn ich hoffe beym Cadetkorps anzukommen. Den Sächsischen Minister besuche ich oft, dessen Gesicht viel richtigen Verstand u. ein offenes u. wohlwollendes Herz weist. Vielleicht auch von dem eine Silhouette. Einige der Günstlinge des Großfürsten schickte u karakteriserte ich Ihnen gern – vielleicht kann ichs künftig besser. Ob Kaufm. Urtheile mit meinen übereinstimmten, wär ich begierig zu wissen. Besonders von den Grossen Orlovs – – Gallizin Schwäger Or. Der Gouverneur von Liefland würde Ihren ganzen Beyfall erhalten. Eine so gewölbte Stirn, soviel eherne Treue und ausharrende unzertrümmerliche Redlichkeit finden Sie nicht leicht in dem Gesicht– (auch in dem Karakter) eines andern Grossen. Seine Gemalinn – und einige Grosse von Riga werden Sie auch freuen, worunter die geh. Räthin Vitinghoff und die Vizegouverneurin Meyendorf Ihre Lieblinge werden würden. – Auch meine Familie hat Gesichter über die Ihr Urtheil zu wissen begierig wäre. Mein Vater. Mein ältester Bruder, den Kaufm. nicht kennt und der doch von ihm gekannt zu werden verdient – Doch ich behalte keinen Platz zur Erkundigung nach dem Befinden Ihrer teuresten Gattin u. Familie und zu der hochachtungs- und dankvollsten Empfehlung. Der Fürst Kurackin das wahre Emblem des immer heitern Geistes – mehrere von denen ich künftig schreibe Die Post geht ab und ich weiß nicht, ob Ihnen daran gelegen ist durch eine andere Gelegenheit als die eines Reisenden wie die itzige, Nachricht zu erhalten von Ihrem -unverändert und Ihren Freunden ergebensten -Diener -J M R Lenz. +unverändert und Ihren Freunden ergebensten +Diener +J M R Lenz. Herrn D. Hirzel – allen Herrn Pfenninger – Herrn Schultheß und Gemalin Herrn Füeßli und Breiting, Herrn Schick Herrn Bodmer, Herrn Landvogt Lavater.
@@ -5746,8 +5748,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D á
    Doerpat
-Hochwolgeborne Freyfrau -Gnädige Frau! +Hochwolgeborne Freyfrau +Gnädige Frau! @@ -5756,17 +5758,17 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D In wie vielen Rücksichten Ew. Exzellenz durch einen Schritt, der mir die zum Dank angesetzte Feder kraftlos aus der Hand stürzt, durch Hochdero großmüthige Vermittlung bey meinem Gesuch in Petersburg, die Herzen einer ganzen Familie von den beängstendsten Sorgen entlastet, wird Ihnen Ihr eigenes Herz am besten zu ahnden geben. Es war diesmal nicht das Gesuch allein sondern noch viele andere Mißverständnisse und Besorgnisse, die sich dadurch wie durch Dazwischenkunft der Sonnenstralen bey trüben Wolken aufgeheitert. Dieser Schritt ist ganz der grossen Seele würdig die das verworrenste Anliegen jedes Hülfsbedürftigen mit eben dem treffenden Blick durchschaut, mit eben der schnellen Großmuth ihm zuvorzukommen eilt, mit der sie schon in wichtigem Fällen der Gottheit nachzuahmen gelernet. Genießen Ew. Excellenz dieser Zufriedenheit die sich selbst allein belohnen kann und erlauben einem Beglückten, durch das Studium von Handlungen der Art sein eigenes Herz zu verbessern und der Ehrerbietung freyen Lauf zu lassen, mit der er sich unter Ew. Exzellenz Clienten rechnet als -Hochwohlgeborne Freyfrau -Gnädige Frau -Eurer Excellenz +Hochwohlgeborne Freyfrau +Gnädige Frau +Eurer Excellenz -unterthänigen und gehorsamsten Diener und Verehrer -J. M. R. Lenz. +unterthänigen und gehorsamsten Diener und Verehrer +J. M. R. Lenz. Ich schreibe Dir auf der Copey des Briefes an Fr. v. Vietinghof und bin so besetzt, daß ich nichts hinzufügen kann, als Dich aufs höchste zu bitten, Einlage an Papa mit geflügeltester Eile zu besorgen, Couvert etc. drum zu machen. Der theure gute Altgen hat alles unrecht ausgelegt, wie ich befürchtete und seine Ge sundheit leidet drunter, wenn er im Mißverstande länger bleibt. Dies kränkt mich doppelt, da seine und Eure Briefe mir baares Geld sind. Nächstens mehr von Deinem treuesten JMRLenz @@ -5774,10 +5776,10 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D St. Petersburg d. Ap. - v. Lenz aus Riga. + v. Lenz aus Riga. -Werthester Herr und Freund! +Werthester Herr und Freund! @@ -5828,8 +5830,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Dein -getreuer Bruder -J M R Lenz +getreuer Bruder +J M R Lenz Mit nächster Post schreibe an Papa, vorher aber muß – aufs schleunigste NB Nachricht
    von Dir haben, ob
der Herr G. Gouverneur
    Braun
mit der Monarehin gereist oder ob er in Riga, und sie vielleicht auf der Rückreise wieder wo sehen werde; imgleichen ob General Berg mit gewesen und ob Du ihm mein
    Exposé
zugeschickt. Lieber Bruder, Eure Ängstlichkeit und Mißtrauen in mich schadet mir unaussprechlich, ich darf – gewisse Sachen nicht schreiben, die Euch über meine Handlungen mehr Licht geben würden: da ist
    Zutrauen nothwendig.
Und auch das,
    daß du nicht grad jeden fragst.
Der Rath einer gewissen Person, die Du mir empfahlst hat mir geschadet. Antworte doch bald ich bitte Dich. NB. Dies kann nicht schaden, Igelstrohm mag sein was er will. Es hätte mir schon viel genutzt @@ -5848,8 +5850,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Noch eins. Wenn Freund Hartknoch, an den ich mit dieser Post unmöglich Zeit behalte zu schreiben – es druken wollte – nur für Freunde – so steht es bei ihm. Nur bäte ich, die Interpunktion richtig zu besorgen und meinen Namen vorn wegzulassen. – Der Kaiser Deutschlands verdient bey Catharinen zu glänzen. – Doch ist mir die Uebergabe lieber als der Druk. Nun zum Schluß eine Bitte, die mir innigst am Herzen liegt. Schon lange bester Vater wünscht ich bei der Entfernung von Ihnen, wenigstens einen Schatten von Ihnen zu haben. Es ist der Wunsch meines Herzens. Ihr Porträt ist überhaupt nicht getroffen und es liegt uns Kindern, es liegt mehrern Menschen daran, etwas wahres von Ihnen zu haben. Thun Sie mir diese Väterliche Güte und lassen mir von Bruder Carl Ihre, meiner theuresten Mama, auch seinen eigenen Schatten, den Jakob, oder ein guter Freund zeichnen kann zukommen. Auch Hartknoch bitt ich sehr um seinen Schatten –. – Tausend zärtlichste Grüße bitte ihm zu sagen. Ich küsse Ihnen und meiner theuresten Mama tausendmal die Hände und bin nach zärtlichstem Gruß an Bruder Carl -Ihr theuresten Herrn Vaters gehorsamster Sohn -J M R Lenz. +Ihr theuresten Herrn Vaters gehorsamster Sohn +J M R Lenz. auch von Lottgen ein Schatten! – @@ -5860,8 +5862,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Mehr durch die zu voreilende Liebe meiner Gönner und Freunde auswärts, die mir allzuviel Gutes auf Hofnung beylegte und dadurch tausenden ungerecht wird, gegen welche meine Verschuldung nur
    Gott
kennt – als durch irgend auf der Welt etwas, leide ich. Ach Sie wissen nicht, Sie können es nicht wissen – – wie viel Edles im Stillen unbekannt und verborgen – und gekränkt durch verborgene Fehle der Jugend und Unbesonnenheit schmachtet. Da steh ich und meiner Freunde allzu vortheilhafte Meynung von mir will mir fast alle Gelegenheit aus den Händen reissen, die ersten Pflichten der Nächstenliebe zu beweisen. Sie wissen, Sie wissen es alle nicht, muß ich nochmals ruffen und an meine Brust schlagen: Gott! Gott! lasse mir diese Gnade wiederfahren – Nicht durch diesen Schlag sondern durch was anders und höhers gerechtfertigt hoffe ich, Gott wird auch da wo ich nicht zu seufzen vermag mich mit unaussprechlichen Seufzern zu vertreten wissen und die Herzen meiner Freunde lenken aus allzu gütigem Vorurteil für mich meinen Bitten nicht taub zu seyn. Ich werde Ihnen verständlicher werden wenn Sie eine neue NB von mir selbst, der Hand nach verbesserte Ausgabe von fünfen meiner Jugendarbeiten lesen werden: der
    Hofmeister.
    Menoza.
Die
    Soldaten.
    Freunde
machen den Philosophen und der
    Engländer.
Wie nah grenzen doch oft Geschmack und Religion an einander, wie nah und innig sind sie mit einander verbunden, wie weisen die Fehler gegen den ersten so sicher auf Fehler gegen die letztere. Jugendliche Unbesonnenheit, Sorglosigkeit, Sturm, Nichtachten der Verhältnisse, die wir oft durch einen unvorsichtigen Ausdruk unherstellbar zerstören – wie weisen sie sich in dem selbst, was geschrieben war, daß es dauerhaft, daß es so ewig gefallen sollte, als unserm kleinen Daseyn und Kräften jedem nach seinem Maas die Ewigkeit abgesteckt ist. Wie viel Edle, leiden unter den gehässigen Mißdeutungen die solche Flecken in unserm Werk veranlassen – und wie ist das alles die Folge der herumziehenden unsteten Lebensart, der der ruhig erwägende Blick auf alles Gute und Schöne um sich her, durch tausend unnöthige Unruhe getrübt und umnebelt ist. Nehmen Sie diese Herzensergießung in Liebe auf und seyn mir zu meinem Vorsatz auch nach Ihrem Wirkungskreise und Einsichten als Gottes- und Menschenfreund behülflich der ich nach tausend Empfehlungen an Ihre Gattin und Kinder beharre -Dero beständig ergebener Verehrer -Lenz +Dero beständig ergebener Verehrer +Lenz Die von mir erhaltenen Silhouetten, worunter ich durch einen jetzt erst abreisenden Petersb. Freund auch die meines Vaters – meiner 2ten Mutter – meines Schwagers und sehr lieben Schwester zähle, lassen Sie doch Ihrem Kennerblick empfolen seyn. Was ich von den ersten geschrieben bitte doch ja nicht als fremdes Zeugniß verbotenus abzudrucken, sondern zum Ihrigen zu machen
@@ -5875,14 +5877,14 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D die Sachen von Janotzky. Der schnelle Abgang der Post verhindert mich, Ew. Hoch Edelgeborenen die Ihnen schon von meinen frühesten Jahren her gewidmete Hochachtung auszudrücken, womit ich allen Mißverständnissen Trotz biete, die Nebenumstände in unserer sublunarischen Welt nur zu offt erregen und mit der, nach gehorsamstem Empfehl an Dero Frau Gemalinn beharre -Hoch Edelgeborner Hochgelehrter Herr -lnsonders hochzuehrender Gönner -Dero +Hoch Edelgeborner Hochgelehrter Herr +lnsonders hochzuehrender Gönner +Dero -gehorsamst ergebenster Diener -J. M. R. Lenz. +gehorsamst ergebenster Diener +J. M. R. Lenz. Aya, d. 26sten 7br. 1780
@@ -5895,11 +5897,11 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Liebe Eina! mein Vater hätte keinen bessern Advokaten wählen können. Auch haben Sie Ihre Zeit sehr wohl abgepaßt und diese Feinheit die ich sonst in Ihrem Karackter so wenig gewohnt war, hätte mich bald vollends auf die Gedanken gebracht – zu einer Zeit Eina! da ich die Trennung von Ihnen so lebhaft fühle, so wenig im Stande bin mich zu vertheidigen. Oder glaubten Sie vielleicht die Wunde auf die man schlägt, blute weniger -Empfindungen -eines jungen Russen +Empfindungen + eines jungen Russen -der in der Fremde erzogen -seine allerhöchste Landesherrschaft wiedererblickte. +der in der Fremde erzogen +seine allerhöchste Landesherrschaft wiedererblickte. So ward ich denn noch dazu aufgehoben Das Angesicht zu sehn, das unter Still und Nacht @@ -6031,8 +6033,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Wirst Du nicht die Geduld verlieren, heut nichts als Verse zu lesen. Sei versichert, daß meine Ader Dir wieder sehr lange Ruhe lassen wird. -HochEdelgeborner Herr -Insonders hochzuverehrender Herr Justiz-Bürgermeister! +HochEdelgeborner Herr +Insonders hochzuverehrender Herr Justiz-Bürgermeister! @@ -6046,15 +6048,15 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Sobald ich den Brief wiederbekomme, werde ihn Ew. HochEdelgeb. in der Handschrift weisen. Mich nach gehorsamer Empfehlung an Dero Frau Gemalinn nennend -HochEdelgeborner Herr -Hochmehrender Herr Justiz-Bürgermeister -Ew. HochEdelgeb. +HochEdelgeborner Herr +Hochmehrender Herr Justiz-Bürgermeister +Ew. HochEdelgeb. -aufrichtig ergebensten Diener -J M R Lenz. +aufrichtig ergebensten Diener +J M R Lenz. Von Hause d. Novbr. 1780. @@ -6068,8 +6070,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Grüß alle Freunde die sich meiner erinnern mögen und schick mir doch ja bald was von meinen Sachen, da ich weder Wäsche noch Bücher habe und gar nichts von meinen Arbeiten, die Eile verlangen. Liphart wird hoffentlich nicht irresanabel seyn. Ich habe an den Sohn geschrieben. -HochEdelgebohrner Herr! -Insonders Hochzuverehrender Herr Justiz-Bürgermeister! +HochEdelgebohrner Herr! +Insonders Hochzuverehrender Herr Justiz-Bürgermeister! @@ -6081,14 +6083,14 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D von Strasburg zu Frankreich und Derpt zu Rußland zu ziehn, die in sofern ziemlich passend bleibt, da wir sonst keine, Frankreich aber noch viele andere blühende Akademieen hat. Und doch kommen aus Gascogne und Languedoc Franzosen dahin um Deutsch und Lateinisch zu lernen. Zugleich studiren dort Ungarn, Russen, Pohlen u. s. f. Unsere einheimischen neuveränderten Rechte, Ukasen u. s. f. erfodern gewiß eben sowohl ihre eigene Doktoren, als der Körper Justinians: gleiche Ansprüche macht die sehr versäumte Vaterländische Geschichte, die Pastoraltheologie und Homiletik, wie sie für unsere Bauren paßt, samt den Landessprachen, die unsere Prediger oft erst für die andere Welt vollkommen erlernen; imgleichen der einheimische Landbau, über den bisher immer der Vorurtheilvolle sclavische Bauer und ausländische Bücher die uns nichts fördern, die letzte Instanz bleiben. Was den Plan anbetrift, so ist bei einer Sache die die Natur vorbereitet, kein weit aussehender Plan nöthig, als den sie selbst mitten unter der Ausführung an die Hand giebt, wie sie es bey allen Dingen macht, die nicht in der Idée sterben sollen. Man vergißt, daß die grossen Flüsse aus kleinen Quellen entstehen und wenn wir Müllers russische Geschichte lesen, kommt uns der ehemalige erste Fonds der Derptschen Akademie unglaublich vor. Ein einziges Kransgut würde zur ersten Besoldung der nöthigsten Professoren hinreichen und wenn wir die Mittelzahl von 500 Rbl., die jeder Student überhaupt in Derpt liesse annehmen (die in der That sehr geringe ist) sich bald bezahlt haben, wenn dis Geld auf einmal in die Cirkulation käme; kämen vornehme Russen dazu, die ohnehin von unsern Sitten mit Recht vortheilhafte Begriffe haben und an dem Umgang des umliegenden Adels bald Geschmack gewinnen würden, so würde Derpt in kurzem eine der mächtigsten Städte seyn. Und wieviel würde die Population unter allen Ständen gewinnen, durch die größere Menge der Domestiken, Familienannäherungen, Bekanntschaften, Verbindungen mehrerer Städte mit dieser p. Doch ich ermüde Sie mit einem Auszuge, der von lauter schon oft gesagten Dingen spricht. Ew. HochEdelgebornen -gehorsamster Diener -JMR Lenz. +gehorsamster Diener +JMR Lenz. Ohlershoff d. 26sten Nov 1780. Meinen Respekt an Dero Frau Gemalinn. Mein Bruder aus Pernau wird Denenselben bereits geschrieben haben. Wenn Ew. HochEdelgeb. eines oder das andere der Petersb. Manuscripte zu sehen wünschten, so bitte mir nur Nachricht davon zu geben. -HochEdelgeborner Herr -Insonders hochzuverehrender Herr Justizbürgermeister. +HochEdelgeborner Herr +Insonders hochzuverehrender Herr Justizbürgermeister. @@ -6096,12 +6098,12 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Da ich eben an Hn. Nicolai schreibe, so nehme mir die Freiheit, wenn Ew. HochEdelgebornen an ihn schreiben wollten, Ihnen mein Couvert dazu anzubieten. Ich hoffe alsdenn nächstens, Ihnen von der Erfüllung seines Versprechens etwas überbringen zu können, da ihn Dero Liebhaberey für seltene Manuscripte bekannt ist. Mit vollkommenster Ehrerbietung nenne mich, nach gehorsamer Empfehlung -Ew. HochEdelgebornen -Meines hochzuehrenden Herrn +Ew. HochEdelgebornen +Meines hochzuehrenden Herrn -ganz ergebenster Diener -J M R Lenz. +ganz ergebenster Diener +J M R Lenz. Von Hause den 28ten 10br. 1780. @@ -6124,13 +6126,13 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Sommer über verschlossen bleibt. In Erwartung alsobaldiger Nachricht von Ew. Wohlgeborenen habe die Ehre nach gehorsamer Empfehlung an Dero Frau Gemahlinn zu beharren -Wohlgeborener Herr -Insonders hochzuehrender Herr Justizbürgermeister -Dero +Wohlgeborener Herr +Insonders hochzuehrender Herr Justizbürgermeister +Dero -ergebenster Diener -J M. R Lenz. +ergebenster Diener +J M. R Lenz. St. Petersbg. D. 25. Merz 1781. @@ -6155,8 +6157,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D und hilf mir bethen, daß meine Führung derselben nicht ganz unwürdig sey. Uebrigens wünsche Deinem und Hr. Past. Oldekopps Garten bei herannahenden Frühling noch mehr Reiz für Euren Geschmack als der Häuserbau geben konnte, wider den ich sonst nichts habe, als daß er ein wenig steinern ist – und diese Eigenschaften auch unserm Zutrauen mittheilt. Indessen „ein jeder bei seinem Geschmack“ wird wol auch ein deutsches Sprichwort bleiben, und so bin ich aus Geschmack Dein -treuer Bruder -JMR Lenz +treuer Bruder +JMR Lenz 10ten Apr 81. @@ -6190,17 +6192,17 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Man räht mir hier von allen Seiten nach Moskau zu reisen, theils um die Sprache, theils um Herrschaften kennen zu lernen, besonders da Graf Panin jetzt dort ist, bey dem unser Vetter Lenz aus Cüstrin Leibarzt ist. Wie mach’ ich es dorthin zu kommen, da ich von den 50 Rbln alles für Schulden weggeben müssen. Die Reise kostet 25 Rbl. Dort finde ich schon Unterstützung am Grafen. Wie befinden sich die Augen und die Zähne meiner theuresten Frau Mama! – – Auch ihr küsse gehorsamst die Hand. -Hochwohlgeborner Herr Staatsrath -Insbesonders hochzuverehrender Gönner und Wohlthäter! +Hochwohlgeborner Herr Staatsrath +Insbesonders hochzuverehrender Gönner und Wohlthäter! Der von Ew. Hochwohlgebornen mir geschehene Vorschlag mich morgen beprüfen zu lassen, um eine Information in einem vornehmen russischen Hause zu übernehmen, verdient meinen ehrerbietigsten Dank, da Ew. Hochwohlgebornen mich mit Dero wirksamen Empfehlungen zu unterstützen versprechen. Darf ich es aber wagen, Ew. Hochwohlgebornen vorher noch eine gehorsamste Bitte zu thun. Dieselben wissen, daß die eigentliche Absicht meiner Reise nach Moskau war, unter Dero Rath und Leitung die Geschichte des Vaterlandes (wofür ich Rußland halte) studiren zu können. Ich halte sie für ein unentbehrliches Stück von Erziehung, finde mich also noch nicht tüchtig nach meiner besten Ueberzeugung mich in ein Russisches Haus zu begeben, ehe ich wenigstens einige sichere Fortschritte in derselben gemacht, von denen ich hernach durch eigenes Studieren weiter kommen kann. Sollte mein Aufenthalt in Dero Hause oder auch meine Führung in demselbigen Ew. Hochwohlgebornen oder Dero verehrungswirdigen Gemahlinn einige Beschwerde verursachen oder zu andern Unannehmlichkeiten und Mißvergnügen Gelegenheit geben: so bitte mir’s als ein Zeichen Dero Gewogenheit und Menschenliebe aus, mir dieses bekannt zu machen, da ich dann keinen Augenblick säumen will, Ihnen die Ursache Ihres Mißvergnügens aus dem Gesichte zu bringen. Wollen Ew. Hochwohlgebornen aber noch ferner der Schuldherr meiner Erkenntlichkeit bleiben, für die ich freylich jetzt nur mit Worten Bürgschaft leisten kann, und mir wenigstens nur soviel Aufschub gönnen, daß ich nach Dero unschätzbaren Tabellen und andern gedruckten und ungedruckten Schriften die Russische Geschichte bis auf die neuern Zeiten mir einprägen kann, so werden Dieselben dadurch außer dem Dank meiner Eltern und aufrichtigen Freunde vielleicht auch noch den Beyfall erhabener edelmüthiger Gönner sich zu eigen machen und mich lebenslang bereit finden mich zu beweisen als Hochwohlgeborner Herr Staatsrath -Geneigter Gönner -Ew. Hochwohlgebornen -gehorsamster Diener +Geneigter Gönner +Ew. Hochwohlgebornen +gehorsamster Diener JMR Lenz. M d. 30 8br. 1781. @@ -6225,8 +6227,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D zu fragen, ob er nicht einen Herrn von Töllner, Preußischer Offizier, kennt, welcher mir von Ihnen und dem Bruder in Dörpt zu meinem Troste sehr vieles erzehlt hat. Er rühmte mir ein gewisses Buch, dessen ich hier habhaft zu werden wünschte. Es heißt: Lebensläuffe in auf und absteigender Linie, von einem deutschen Plutarch, der aller Aufmerksamkeit und Nacheiferung würdig ist. Ein solcher Maler der Seelen und Sitten wäre hier am rechten Ort, wo sich
    täglich
in der Nähe und Ferne sovieler Stoff dazu anbietet. Ein Moralischer Chevalier de Luc würde den Reichtum der Karaktere allhier, mit dem Geschmak und der Kürze behandeln müssen, mit welcher jener den Reichtum der Schöpfung in den Schweizergebirgen behandelt hat. Wollte Gott, theurester Vater! ich könnte Ihren Seegen zu irgend einer Art von
    fixer
Existenz in dieser Mütterlichen Stadt herüberholen! Die Würde welche Sie bekleiden, wird durch Ihre Person erst interessant und erregt die sympathetischen Empfindungen aller derer, so sich in ähnlichen Verhältnissen befinden. Sprechen Sie wenigstens schriftlich ein Wort des Trostes über mich, werden Sie zum andemmal ein schöpferischer Vater meiner Ruhe und meines Glüks, zu dem ich in der Güte so vieler um mich verdient Edlen einige Anstalten zu entdecken hoffe. Ich habe das Glük gehabt, Sr. Excellenz dem
    Herrn Curator Cheraskoff
besonders empfolen zu seyn und beschäftige mich gegenwärtig mit einem Aufsatz über einige Schönheiten seiner Gedichte, insofern sie auf die Erziehung der russischen Jugend Einflüsse haben. Herr Hofrath
    Schade,
der bey der Kaiserl. Commission zur Untersuchung hiesiger Schulanstalten war, ein Mann von lebenslänglicher Erfahrung über diesen Gegenstand, hat mich dazu gütigst aufgemuntert. Vielleicht bin ich so glüklich, da die hiesige Käis. Universität sich unsrer Anstalt mit besonderm Eiffer annimmt, wenigstens dem Namen nach mit einige Ansprüche auf ein Art von Bürgerrecht bei derselben zu erhalten. Was meinen Muth und Zutrauen auf die allesbelebende Vorsicht unaussprechlich stärkt, ist der huldreiche Blick den der oberste Befehlshaber unserer Stadt auch auf unsere Anstalt zu werfen scheint. Soll ich Ihnen sagen, daß ich das Glük gehabt vor Sr. Durchl. dem Grafen Anhalt selbst vorgelassen zu werden und daß dieser herablassende Menschenfreundliche Herr sich fast eine Viertelstunde mit mir zu unterhalten die Gnade für uns hatte? Welch ein Gemählde in einer solchen Gallerie als sich mir hier von allen Seiten aufthut um mein Auge – und vielleicht bald – auch meinen furchtsamen Pinsel zu üben! – Herr Major Hüne – und andere Freunde, denen mich der Bruder aus Derpt empföhlen, befinden sich gesund und munter. Darf ich bitten, meiner theuresten Frau Mutter und sämtlichen geliebtesten Geschwistern und Freunden tausend warme Grüsse zum Neuen-Jahr zu sagen, Zeit, Raum und Umstände erlauben mir diesesmahl nicht ein mehreres. Ihrer geneigten Fürbitte bey dem höchsten Geber aller Weißheit und Gaben, den ich für die Erhaltung Ihrer uns allen so theuren Gesundheit, Ruhe und Zufriedenheit unablässig anflehe, empfehle auch in diesem Jahr meines theuresten und verehrungswürdigsten Vaters Moskau den 18ten November 1785. -gehorsamsten Sohn -Jacob Michael Reinhold Lenz. +gehorsamsten Sohn +Jacob Michael Reinhold Lenz.
@@ -6247,15 +6249,15 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Meinen
    Nathanael
für
    Nathanaele
wünscht’ ich von einigen Christen in Deiner Gesellschaft gelesen. a Dieu Lieber! Lieber wenig, als die antwort aufgeschoben. Küß' Deiner Stiefmutter in meinem Namen die Hand. Wills Gott! Kann ich Dir auch einmahl schreiben – „Land! Land! Land!“ -Freytags nachts 12. Uhr. +Freytags nachts 12. Uhr. -Den 30. März, 1787. +Den 30. März, 1787. -Lavater. +Lavater. -An Sr. HochEhrwürden den Herrn -Consistorialrath Dingelstedt. +An Sr. HochEhrwürden den Herrn +Consistorialrath Dingelstedt. @@ -6295,8 +6297,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Die Härte der Grundsätze ist überall gleich und man trift freilich mit unter auch überall weichere und edler gestimmte Gemüther. Doch auch diese wünschten gern die ganze Welt nach sich umzustimmen diese Bekehrungskrankheit ist allgemein. Der Schöpfer liebt und will die Verschiedenheit bei aller Eintracht der Gesinnungen und wenn nun der ganze Leib Auge wäre, was würde der Fuß sagen? Warum richten und verdammen sich doch die Menschen untereinander ohne Ursache? – – Ich bin fast ganz von Kleidem und Wäsche gekommen, durch diese scharfsinnige
    Sucht nach Aehnlichkeiten,
die uns alle Individualität nimmt. Sollte denn Gott nicht helfen denen so tag und Nacht zu ihm schreyen über diese felsenfeste und Unbewegliche Bekehrer zu
    der kleinen Schimäre
mit der sie Morgens früh aus dem Bette aufstehen. Ich küsse Sie Ädler! mit dem innigsten Bedauren und bitte mir eine überlegte – aber niemals schwärmerische Theilnehmung in Liebe an meinem Schiksal aus, wenn Geschäfte Ihnen gleich nicht Zeit lassen zu schreiben an Dero -auch abwesend gleich aufrichtigen und -ungekünstelten Verehrer JMR. Lenz. +auch abwesend gleich aufrichtigen und +ungekünstelten Verehrer JMR. Lenz. @@ -6305,18 +6307,18 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Mosco.
-In grosser Zerstreuung -d Septbr. 1787. +In grosser Zerstreuung +d Septbr. 1787. Wehrtester Freund! Es haben mich einige Mitglieder der hiesigen freyen Typografischen Gesellschaft bevollmächtigt, mit Ihnen über Theilnahme an derselben Briefe zu wechseln. Wahr ist es, daß wir hier deutsche Druckereyen haben, allein die Lektüre ist noch nicht so sehr ausgebreitet daß z. B. ein neuer Buchladen zu errichten wäre. Wer weiß, was geschieht, wenn die Sache in die Wege zu richten wäre, daß Kaufleute die nach Derpt zum Jahrmarkt reisen, dem Herrn Reimmann nachahmten und ihre Zeit so nähmen, daß sie von Riga nach Moskau und von hier nach Derpt giengen. Vielleicht wäre möglich zu machen daß der Jahrmarkt im Troitzkischen Kloster (denn in Moskau ist keiner) der am 15ten August anfängt, entweder verlegt, oder mit einem neuen vermehrt wird, der etwa sich an den im nahgelegenen Dorf Pawlow vom 26sten Oktober anschliessen könnte, wovon in der neuherausgekommenen Beschreibung des Moskowschen Gouvernements, die hier zu 1 1/2 Rbl. verkauft wird, nachgelesen werden kann. Man ist hier eben bemüht, eine Lesegesellschaft einzurichten, der alsdenn ein Buchhändler der neue Sachen aus Deutschland mitbrächte, willkommen seyn würde. Soweit darf ich in dieser Sache schreiben, da Herr von Kutusoff, dessen Silhouette ich nebst der vom Fürsten Trubetzkai und seiner Gemahlinn dem R. Allerley beilege, gegenwärtig nicht in Moskau ist, auch Herr Nowikoff sich auf dem Lande befindet. Nicht diese wirklich grosse und ädle Russen allein, sondern mehrere, unter denen sich Se. Excell. der Curator der hiesigen Universität selbst befindet, haben mich aufgemuntert, das Auserlesenste der neueren Russischen Litteratur unter dem Tittel Russisches Allerley auch den Ausländern mitzutheilen. Als der Graf Anhalt hier durchging, mußte demselben versprechen, einige Gesänge der Russiade oder Gedichts von Rußland in der Uebersetzung mitzutheilen, welches Gedicht ich dereinst besonders abzudrucken und als denn dem Grafen der als Original nicht so leicht weglieset, zuzueignen gedenke. – Sollten sich in Liefland und vielleicht in Kurland oder auch Preussen Subscribenten nicht Pränumeranten zu dem Allerley finden so würde mich es freuen , wenn Sie für Verlagskosten schadlosgehalten würden; sonst wird auch Rüdiger, der erst ganz kürzlich Blostschejewefs Beschreibung des Russischen Reichs von mir in der Uebersetzung drucken lassen den Verlag gern übernehrpen. Nach bester Empfehlung an die Frau Gemalinn Dero -aufrichtigergebenster -JMRLenz. +aufrichtigergebenster +JMRLenz. -Sr. HochEdelgebornen Herrn Brouwer -fürnehmen Handelsherrn in Peterb. +Sr. HochEdelgebornen Herrn Brouwer + fürnehmen Handelsherrn in Peterb. Мнлостнвый rocyаpы мои н покровинено @@ -6382,11 +6384,11 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Lenz. -Dieses bitte gehorsamst gleichfalls abzuschreiben oder abschreiben zu lassen. +Dieses bitte gehorsamst gleichfalls abzuschreiben oder abschreiben zu lassen. -Erlauchter Graf -Gnädiger Herr! +Erlauchter Graf +Gnädiger Herr! Ew. Hochgräflichen Erlaucht werden den schwachen Versuch einer Uebersetzung einer der vorzüglichsten Geisteswerke in Rußland mit der Nachsicht aufzunehmen geruhen, die der Eiffer, Ew. Hochgräflichen Erlaucht dieses Werk bekannt zu machen, allein sich versprechen kann. In der That hat Rußland so gut als andere Nazionen Ursache auf Produkte dieser Art stolz zu seyn und der physische Boden dieses Landes das Ew. Hochgräflichen Erlaucht mit einem so nachahmungswürdigen Eyffer kennen zu lernen gesucht, würde nicht weniger undankbar seyn, wenn die Kräfte des Staats nicht bisher durch nothwendige Kriege auf den Grenzen wären angegriffen worden. Diese haben den Genius der Nation zu kriegerischen Unternehmungen umgestimmt, welchem ein geistlicher Friedensrath niemals unentbehrlicher seyn dürfte, als in einer Epoche, da Catharina die Grosse auf ihren bereits erworbenen Lorbeern der Ruhe zu geniessen wünscht. @@ -6395,21 +6397,21 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Wenn gegenwärtiges Gedicht so glüklich ist, sich den Beyfall Ew. Hochgräflichen Erlaucht zu erwerben, so würde mir die geneigte Erlaubniß ausbitten, Hochderoselben preißwürdigen Namen einer kleinen Sammlung ähnlicher Russischer Originalwerke vorsetzen zu dürfen, die unter dem Tittel: Russisches Allerlei herauskommen soll, um eine kleine Ephemerische Schrift vor den Anfällen solcher Kritiker zu sichern, die auf die Verbindungen eines Schriftstellers keine Rüksicht zu nehmen gewohnt sind. Ew. Hochgräflichen Erlaucht ganz und gar unverdienten Gnade und Großmut empfielt sich mit derjenigen Ehrerbietung, die auf keinen Stand Rüksicht nimmt und dem Eigennutz der die Triebfeder der meisten Gunstbewerbungen ist, angewiesene Grenzen zu setzen weiß -Erlauchter Graf -Gnädiger Herr -Ew. Hochgräflichen Erl. +Erlauchter Graf +Gnädiger Herr +Ew. Hochgräflichen Erl. gehorsamster Diener -Projet à mon frère ou à un de mes amis de St. -Petersbourg, s’ils vouloient -s’interesser pour moi chez Son -Excellence Je Chancellier de Besborodko -en suppliant la Cour d’une pension -tant petite qu’elle pourroit être. +Projet à mon frère ou à un de mes amis de St. +Petersbourg, s’ils vouloient +s’interesser pour moi chez Son +Excellence Je Chancellier de Besborodko +en suppliant la Cour d’une pension +tant petite qu’elle pourroit être. @@ -6423,9 +6425,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Dieses bitte gehorsamst einem recht guten Freunde in Petersburg zu zeigen oder einem meiner Brüder Carl oder Christian nach Riga zuzusenden, damit sie die Gütigkeit haben einen kleinen – Nd. aber viel kürzeren Aufsatz darüber zu machen und solchem durch meinen edlen Freund Brauer wo möglich an Se. Excellenz den Herrn Grafen Besborodko selbst gelangen zu lassen, in dessen Gunst wenigstens empfolen zu seyn wünschte. -An den Fürsten, Graf
    Anhalt,
damals General-Gouv. von Moskwa +An den Fürsten, Graf
    Anhalt,
damals General-Gouv. von Moskwa
-Durchlauchtigster Fürst und Herr!
+Durchlauchtigster Fürst und Herr! @@ -6575,8 +6577,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Hier ist das Gestrige ein wenig besser abgeschrieben, haben Sie die Güte es wo es sich thun läßt dem Innhalt nach auch Herrn Rüdiger mitzutheilen Dero -allezeitergebenster -Diener JMRLenz +allezeitergebenster +Diener JMRLenz
въ двopБ Никитa Пaвлoвa Гocпoдину θиpнгaбepъ @@ -6734,8 +6736,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Die unglükliche Leidenschaft welche sich meiner in Liefland bemächtiget und ihre häuffigen ernstlich väterlichen Briefe nach Petersburg und Moskau mir so oft vergeblich ausgeredet die mein Bruder und alle meine Verwandte so heftig bestritten und die ich deswegen auch aus meinem Herzen zu reissen versuchte hat sich desselben wieder bemächtiget So spielt das Schiksal mit unserm Herzen und unsem Wünschen und der Rath meiner schreibenden bärtigen Freunde, die sich mir unter der Gestalt meiner angebetheten Julie welche denen Frauenzimmern Lieflandes ein Collegium von den Sitten der alten Teutschen aus dem Tacitus mit einigen teutschen und esthnischen Reimen unter meinem Fürsitze zu eröfnen nach Maurerischen Zeichen und Regeln sich endlich rühmlich entschlossen mich den Gebeinen des verewigten Zingischans und Tamerlans schwören lassen müssen und demzufolge alle die[sje unterirrdischen Geister in Anspruch und Einspruch genommen Es wird in diesem Collegio ein Oratorium vorkommen welches Medea heißt die den Jason verjüngerte und ihre Kinder umbrachte auch eine Hölle und ein Orpheus denn ohne diese giebt es weder Musikalisches noch Poetisches Vergnügen, weil nach dem Tode kein Vergnügen statt hat und Engel und Geist die Schimäre eines verborgnen Giftes sind Diese ehrwürdigen alten Geheimnisse aber, noch daß es ein Verbrechen ist sie anzutasten, versteht der überwitzige Geist unsrer Liefländischen Damen nicht welchen wir durch witzeln wieder in die rechte Leise setzen wollen und ihnen beweisen daß auf der ganzen bewohnten Erde unter Gelehrten und Ungelehrten noch Spuhren dieser ehrwürdigen Phrygersitte und des einzigen rechten seelig machenden Glaubens von welchem abzuweichen dem Schwerdte die weil er seinen eignen Schild und zwölf Apostel hat – – und alle die ihm nicht beypflichten wollen rundweg für Türken und Mameluken zu erklären das Recht hat - ja ihnen nicht nur öffentlich sondern auch heimlich nach Ehre guten Namen zeitlichen wo möglich ewigen Wolfarth zu stehen in den Weg zu treten zu äusern völlige uneingeschränkte Vollmacht und Gewissensfreiheit weil er von dem einzigen rechten Dienst der Phönizier und Anbeter des Herkules und Jason gewichen und zügellosen Leidenschaften und schwännerischen Einbildungen gleich des Oehlgötzen frohnet – -Zärtlichgeliebte Geschwister -vielgeliebte Schwester! +Zärtlichgeliebte Geschwister +vielgeliebte Schwester! Dein letzter Brief hat mich sehr gerührt, ich habe daraus ersehen daß du dich vollkommen wohl befindest, dein lieber Mann ist wieder gesund und munter, seine äusseren Umstände haben sich verbessert, eure Familie vermehrt, es fehlet euch also nichts zur irrdischen Glükseeligkeit als ein wenig Iangeweile oder wie du mir mit deiner so eignen Naivetät schreibst ein Virtuos, den zu zum Narren brauchen könntest wenn du schwermüthig wirst. Soll ich dirs rein deutsch heraus sagen noch obenein ein Liebhaber denn das kann bey allen andern Vergnügen nichts schaden wenn man einen Nothnagel auf schlimmes Wetter übrig behält. Liebe Schwester du bist sehr naif. Deine Offenherzigkeit freut mich mehr als die Scheinheiligkeit der Bethschwestern die ihre wahren Gesinnungen verbergen. Nach wem soll man sich denn umsehen wenn man in den Wagen steigt? Wer soll einem die Hand bieten wenn man in die Assemblee fährt. Diese Höflichkeiten will dir gerne gestatten, aber, aber – und wer soll bisweilen einen artigen Vers auf mich machen? – Wunder- 20 bare Grillenfängerin! muß denn das ein Liebhaber seyn? Ja sonst gefallen sie nicht und gerathen nicht. Umgekehrt! dem Liebhaber gerathen keine Verse, der artige Mann lügt mit kaltem Blut und viel schöner als es ein Liebhaber je thun kann, er lügt in des Liebhabers Namen. Die Regel ist nicht ohne Ausnahme, aber das ist zu verlässig, je besser gesetzt je feiner gereimt gedacht gerundet der Vers je mehr die Seele in der rechten Harmonie, desto weniger liebte der der ihn machte. Die Liebe begnügt sich wenn sie in den Fall kommt mit ängstlichen einzelnen Lauten, und behält das beste zurük: der schöne Geist und artige Mann wird ein freygebiger Gastwirth und stellt das letzte aus sieben Schüssern auf den Tisch, denn er ist großmüthig Was soll das Wimmern und Püsteln närrisches Weib wenn eins deiner Kinder kränkelt. Ist nicht jemand da einen Vers darauf zu machen? Er ist gewiß ein Narr denn er machte Verse auf ein Weib das ihn nicht lieben durfte sie also wie die Zukerdüten brauchte, die man doch annimmt wenn sie aus gutem Herzen kommen und auch in den Mund stekt wenn einem bitter wird. Aber er muß ein Liebhaber seyn und muß fallen sonst schmeken sie nicht – Schwester Schwester – Und du suchtest dir einen Geheimsekretär? @@ -6768,8 +6770,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Und hirmit ein für allemal genug von diesen der Ehre dieser Dame sonst nachtheiligen Gerüchten da ich mit derselben ganz und gar nichts zu theilen habe :/: -Theurester mit unsterblichem Ruhm -von oben geschmükter verehrungswerther Papa! +Theurester mit unsterblichem Ruhm +von oben geschmükter verehrungswerther Papa! Nicht Schmeichelei, die reinste Dankbarkeit beseelt meine Feder. Ich lebe – aber Ihnen die Wahrheit zu sagen, danke es nur dem allgegenwärtigen, daß ich noch athme – Herr Reimmann kann Ihnen sagen daß ich – doch er wußte es nicht – in der seltsamsten Lage von der Welt war, als ich Ihren Brief mit dem neuen Beweis Ihres Andenkens erhielt. Man verfolgt mich – und rathen Sie wer? – Ich habe niemals die Freundschaft verletzt die ich meinen frühsten Gönnern schuldig war. Aber – theurester Vater! ich winde mich als ein
    Wurm
im Staube und flehe um Erlösung von allen
    andern
Anmuthungen, die bei dem
    seltsamen
Nazionalcharakter hier– mir Gift werden. Man versorgt Petersb. von der Schifflände Gschat aus mit Waaren aus Briänsk Moskau u. s. f. Dahin könnten eben sowohl auch aus Liefland über die Düna Dnepr Trubschewsk Waaren für Moskau gebracht werden. @@ -6791,8 +6793,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Ich schike diesen Brief offen, weil ich nicht glaube Mißdeutungen zu besorgen zu haben. Erbetrift mit wenig Worten einen dem Ansehen nach armen und durch einen verstümmelten Körper doppelt unglüklichen Liefländer, der, in dem Hause beym Compt. der Assignationen unvermuthet aus Kadom erschien und sagte er wollte nach Riga und zwar über Smolensk Polotzk Witepck und
    Plescou
– reisen, ich möchte ihm Briefe mitgeben. Dieses that ich und schrieb (nachdem einige Anstösse von Unpäslichkeit gehabt, die mich hindem selbst zu Euch zu kommen), sehr weitläuftig, weil alles doch in einem hingeht. Nun erfahre ich daß seine Reise theils durch eingefallenes Thauwetter, theils wegen Mißverständniß mit seinem angenommenen Fuhnnann einen Stillstand gewinnt und da er mir eine silberne Uhr zum Verkauf anbot, schliesse, daß es ihm auch am Gelde fehlen muß. Seine Reise über Plescou war mir doppelt erwünscht, da ich dort an einem Herrn Albert oder Albrecht und am Baron Dietz Commendanten, dessen du dich aus den Kinderjahren – doch wohl vielleicht nicht mehr erinnerst – Bekannte habe und diese mit unserm Bruder in Derpt und dem dasigen Adel verschiedene Geschäfte von Wichtigkeit in Richtigkeit bringen könnten, die sich anders nicht einfädeln lassen, als durch einen Internuncius, wozu ich aus wesentlichen Hindernissen
    persöhnlich
diesmal nicht dienen konnte. Da mir also wirklich diese Reise gut und nützlich scheint, auch derselbe mehr Lust nach Riga wo er Verwandte hat als hier zu bleiben bezeuget, allein wahrscheinlich zu den Reisekosten Beyhülfe braucht, so habe mich des Couverts unsers gemeinschaftlichen Freundes Reimmann bedienen wollen, Dich und unsere sämtlichen Geschwister aufs inständigste zu bitten, etwa auf Abschlag der gütigen Beyhülfe, die mir durch Eure Güte und unsers lieben theuren Vaters zukommt, ihm, im Fall er in Umstände kommen sollte, seine Uhr zu versetzen, oder andere Schulden des Fortkommens halber zu machen, selbiges zu vergüten weil der Allwissende schon die Umstände so zu lenken wissen wird daß mir und Euch kein empfindlicher Verlust daraus erwachsen kann. Der Fuhrmann hat 26 Rubel bis Riga bedungen und ist ein gewöhnlicher, der nach Riga zu gehen pflegt: die besondren Umstände des H. v. Schröders sind mir nicht bekannt, er hat mir zwar einige Namen aus Curland genannt, die ich in Straßburg kennen gelernt, als einen von Bohlschwing mit dem er weitläuftig verwandt zu seyn aussagt. Ich hoffe daß er, welcher in 7 Tagen in Plescou seyn will und in 12 in Riga, wenn er auch Aufhaltungen findet, dennoch spätestens in 14 Tagen oder 3 Wochen bey Euch eintreffen und meine Briefe richtig abhändigen wird, woran mir mit alledem gelegen ist weil viele Dinge darinn auch meine eigene Persohn betreffen. Er hat Verwandte in Kockenhusen, wo, wenn ich nicht irre ein Prediger ist, dessen sich Bruder Carl erinnern wird, der allerley kleine Stükchen erzählte, als Papa der silberne Becher wegkam. Es war, wo ich nicht sehr irre damals ein Landtag oder Adelsversammlung in Riga, von der ich mit meinen hiesigen Zerstreuungen den eigentlichen Termin vergessen habe. Die Derplische Universität ist zu Wasser geworden, so sehr ich mich in St. Petersb. bey der Akademie bemüht, sie wieder in Andenken zu bringen, allein ich hoffe, der Liefländische Adel wird nichts dabey verlieren, weder der Rigische noch des Dörptschen Kreises bey welchem unser lieber Bruder Friedrich soviel Influenza hat. Ist nicht eine Verordnung daß der Adel zu gewissen Zeiten sich in Riga aufhalten muß, besonders der in Collegicis. Und dehnt sie sich nicht etwa auch auf die Landgeistlichkeit aus, die Geschäfte in Riga haben? – Ich küsse dich mein theurer Bruder und deine liebe Gemalinn und Haushaltung zum neuen Jahr mit tausend warmen Bruderküssen und bin ewig -Dein getreuer obwohl offt kränklicher Bruder -Jacob Michael Reinhold Lenz. +Dein getreuer obwohl offt kränklicher Bruder +Jacob Michael Reinhold Lenz. Der Buchhandel würde auch bey Pieskau gewinnen, so wie die Bankgeschäfte, da diese Stadt mit allen Städten an der Düna durch die Polota, Ewst u. s. f. und durch den Urnensee mit dem Kanal und der Schifflände Gschat zusammenhängt, wo ein starker Handel von Moskau auch nach Liefland ist. Amnestie aller meiner alten Thorheiten in Liefland und ein neues Jahr. N.S. Es ist ein Schwager (Bruder der andren Frau) des Herrn Past. Brunner in St. Petersburg, der bey einem Feldregiment Offizier war und, wo ich nicht irre See Dienste bey den Landtruppen zur Bewahrung der Küste genommen: er heißt Neumann und hat viele Empfehlungen. Sollte derselbe dem Bruder Carl nicht zu Gesicht gekommen seyn? Oder den Kindem des Bruder Friedrich in Petersburg. Ich habe seine Adresse nicht aus der man mir ein Geheimniß macht, wenn er nach Liefland reiste, würde ihm gern einen Brief an den Herrn von Engelhardt in Odennyer auf den Gütern des Grafen Romanzoff mitgegeben haben: dieser Herr von Engelhardt ist dem Bruder Benjamin in Reval bekannt geworden, wo er Verwandte unter dem Adel hat. Ich habe noch einen Brief von ihm. Wie sehr wäre zu wünschen, daß eine hohe Schule im
    Lande
in der Nähe entstünde, wo die jungen Liefländer ehe sie herausreisten und ihr Geld in der Fremde verschwendten, ein oder zwey Jahre das
    Vaterland seine Sprache
und
    Gerechtsame
kennen lernten. Es sind nur
    20
die ins Cadettencorps aufgenommen werden. An
    Gelehrten
auch im
    Lande,
besonders auch in
    Moskau
wo viele gelehrte Russen besonders der
    Medizin
auch auf eigene und der Käiserin Kosten fremde Länder besucht haben und alle Sprachen, die deutsche nicht ausgenommen sprechen,
    fehlt es nicht
aber nur an
    Eltern
und
    Kindern
die ihre tausend und über tausendjährige Vorurtheile überwinden. @@ -6840,8 +6842,8 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D
d. Jenner 1792. -Hochwolgebohrner Herr -insonders hochzuverehrender Gönner + Hochwolgebohrner Herr +insonders hochzuverehrender Gönner @@ -6852,9 +6854,9 @@ einbrechenden Schimmer des Tags verstecken konnte machte ich den Schattenriß. D Aussprache zu begehen scheuen, machen das einzige Mißverständniß. Die Russische Geistlichkeit in Petersburg versteht sich sehr wohl mit der deutschen und wenn Drukereyen in beiden Sprachen oder die Uebersetzung des nehmlichen Buchs in beyde – den Weg öfneten, so würde man bei dem Russen des nehmlichen Nervensystems und Blutumlaufs, auch die nehmlichen Gesinnungen antreffen. Ich befinde mich ein wenig in einer kritischen Lage, welche meinen lieben Brüdern und Schwestern nicht unbekannt seyn kann. Man hält mich hier überall für reich – da ich doch einen Vater habe, der bereits über dem Grabe schwebt, eine Wittwe als Tochter mit ihren Kindern bei sich hat oder in Petersburg unterstützt und von den starken Familien meiner übrigen wohlversorgten Geschwister gleichfalls in Anspruch genommen wird. – Es ist schwürig, mit meinen Geschwistern Briefwechsel zu führen, denn da ein Prof. in Giessen mir die Ehre erwiesen mich mit dem Romanschreiber – der aber in andem Aemtern dabei steht – Hn. Göthe in eine Liste zu setzen, so suchen und finden sie in allen meinen Briefen nichts als unverständliche Worte Poesie und Roman. Der Himmel wolle ihnen das wohlbekommen lassen und den Buchhandel in Liefland vermehren, damit sie auch den berühmten Rousseau vom Fuß der Pedemontischen Gebirge zur Ehre unsrer Nation in unsrer Sprache lesen können. Meine ziemlich ernsthafte Krankheit setzt dismal allen launigten Nebenausschielenden Anspielungen Grenzen, unser Leben ist freilich auf diesem Erdball nur allzuoft wunderbarer, als es sich das Hirn der Dichter und Leser von Gedichten vorstellen mag. – – Ew. Hochwolgeb. Wollen mir meine Geschwätzigkeit als einem Kranken und zum Jahrmarkte verzeihen da man gern viel spricht und ich hoffe, daß auch mein Bruder und Geschwister das Glük haben werden, denenseihen aufzuwarten. Man spricht von neuen Magazinen die einige reiche Entrepreneure von Metallgruben an verschiedenen Plätzen des Reichs errichten werden, welches da man in Liefland nur Branntwein nach Permien und Casan schikt, leicht zu einem solidem Handel mit Brod und Gerstensaft Gelegenheit geben könnte, woran es in den Berggruben zu mangeln scheint. Der Russische Tressenhandel würde z. B. nebst Kupfer zu Branntweinkesseln und Eisen zu andern Kesseln, gegen Lieferungen an Grütze, Malz u. s. f. über Pleskau, Toropez und Smolensk durch Agenten sehr wohl geführt werden, und manche Weitläuftigkeiten erspahren. Ich will vom Leinwand und Strumpfhandel schweigen, der auch aus benachbarten Ländern geführt wird, und da fast halb Rußland barfuß geht, bei Vereinigung der Düna mit dem Dnepr und der Moskwa mit vielem Vortheil, nebst dasigen Lächsen und gesalzenem Fleisch gegen Sibirische Fische geführt werden könnte, die man auf dem Wasser lebend erhalten kann. Sollten die Engländer mehr Bley und Zinn einführen, daß mehr Küchengeräth angeschafft werden könnte und sich etwa ihres Plüsch und Manchesterhandels wegen in Absicht der Geistlichen mit der
    Krone
in Verhandlungen einlassen, so würde der innere Handel auf den Liefländischen Märkten bald mehr Vergnügen machen, als selbst der entfernte. Ich breche ab um Ew. Hochwohlgeb. als ein Kranker die aufrichtige Achtung zu bezeugen, welche mir Ihr persönliches Bezeigen eingeflößt. Den Liphartischen Häusern bezeige meine Ehrerbietung gleichfalls, und den jungen von Löwenstern bitte gelegentlich beizubringen, daß ihr ehmaliger Hofmeister im Hause des D.
    Büsching
in Berlin schon vor mehrern Jahren den Schritt gethan, den wir alle einmal machen werden und welchem in diesen Tagen auch bisweilen nahe war. -Ew. Hochwolgebornen -gehorsamer Diener -JMR Lenz. +Ew. Hochwolgebornen +gehorsamer Diener +JMR Lenz. Moskau, d. 14ten Jenner 1792. Hn. Postmeister Peuker wird dieser Brief wo möglich zur Bestellung ergebenst empfohlen. diff --git a/data/xsd/textelements.xsd b/data/xsd/textelements.xsd index 06c5317..bd11eae 100644 --- a/data/xsd/textelements.xsd +++ b/data/xsd/textelements.xsd @@ -36,12 +36,47 @@ + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + @@ -53,7 +88,7 @@ - +