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@@ -2111,7 +2111,7 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. –
-Ich habe vergessen, Sie neulich zu bitten, den barokken Titel Komödie, der in einigen individuellen Grillen seinen Grund hatte, vor den Soldaten wegstreichen zu lassen und statt dessen darauf zu setzen: Ein Schauspiel von Steenkerk aus Amsterdam. Es könnte außer der Seltsamkeit noch den Schaden haben, daß ein ganzer Stand, der mir ehrwürdig ist, dadurch ein gewisses Lächerliche, das nur den verdorbenen Sitten einiger Individuen desselben zugedacht war, auf sich bezöge.
+Ich habe vergessen, Sie neulich zu bitten, den barokken Titel Komödie, der in einigen individuellen Grillen seinen Grund hatte, vor den Soldaten wegstreichen zu lassen und statt dessen darauf zu setzen: Ein Schauspiel von Steenkerk aus Amsterdam. Es könnte außer der Seltsamkeit noch den Schaden haben, daß ein gantzer Stand, der mir ehrwürdig ist, dadurch ein gewisses Lächerliche, das nur den verdorbenen Sitten einiger Individuen desselbem zugedacht war, auf sich bezöge.
Hannover. Den 8ten Merz. 1776.
@@ -2162,27 +2162,28 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen. –
Es freut mich daß gegenwärtiger Brief den mir Lavater offen für Dich zugeschickt hat, mir Gelegenheit giebt bester Herder! Dir in die Arme zu fallen. Zwar ein wenig zerrissner noch als er zu seyn behauptet, aber doch – meines Zwecks gewiß.
-Ich danke Dir daß Du die Soldaten zum Druck befördert hast, ich habe nun alle dem Uebel das daraus hätte entstehen können, vorgebeugt – ich – und für den Weg den Du sie hast nehmen lassen. Reich wird sie hoffentlich vor Michaelis nicht bekannt machen und alsdenn wird das mit Fingern deutende Publikum auf nichts mehr zu deuten haben. Auch – wenn Gott mein Gebeth aus der Tieffe erhört, von mir eins und anderes geschehen seyn, das denen die ich geissele, weist wo es ich mit ihnen hinaus will. Ich habe eine Schrift über die unter Händen, die ich einem Fürsten vorlesen möchte, und nach deren Vollendung und Durchtreibung ich – wahrscheinlichst wohl sterben werde. Gott laß mich mit Freudigkeit – Dein Wille –
+Ich danke Dir daß Du die Soldaten zum Druck befördert hast, ich habe nun alle dem Uebel das daraus hätte entstehen können vorgebeugt – ich – und für den Weg den Du sie hast nehmen lassen. Reich wird sie hoffentlich vor Michaelis nicht bekannt machen und alsdenn wird das mit Fingern deutende Publikum auf nichts mehr zu deuten haben. Auch – wenn Gott mein Gebeth aus der Tieffe erhört, von mir eins und anderes geschehen seyn, das denen die ich geissele weist wo es ich mit ihnen hinauswill. Ich habe eine Schrift über die unter Händen, die ich einem Fürsten vorlesen möchte und nach deren Vollendung und Durchtreibung ich – wahrscheinlichst wohl sterben werde. Gott laß mich mit Freudigkeit – Dein Wille –
Grüsse und umarme Dein Weib. Geseegnete unter den Weibern. Lange mit Dir geseegnet.
Ich hoffe euch zu sehen, eh ich gehe. Lebt wohl!
Lenz
Weise niemand diesen Brief. Er ist für kein Auge das nicht durchdringt. Selbst für Deines itzt noch Dunkelheiten bleiben.
-Wegen der Soldaten sey ruhig! Ists wahr daß Du nach Weymar kommst so werde ich wieder einmal eine Freude haben. Eine.
+Wegen der Soldaten sey ruhig. Ists wahr daß Du nach Weymar kommst so werde ich wieder einmal eine Freude haben. Eine.
+Außenseite des zum Umschlag gefalteten Bogens, roter Siegelrest:
Herrn
-Herrn Herder
+Herrn
Oberkonsistoralrath
in Bückeburg
-Laß Dich umarmen – Es sey vergeßen das Unrecht das man meinem Gottheits Bilde anthat. Du hast mir das Leben wieder gegeben da Du ihr ihr Gesicht wiedergabst. So wie es sich m: Herzen auf ewig eingegraben hatte u: wunderbar! bis auf Züge die der Mahler Balay ganz u: gar unausgedrükt ließ. So ist das Auge – doch Du wirst glauben ich schwärme u: das ärgert mich.
+Laß Dich Umarmen – Es sey vergeßen das Unrecht das man meinem Gottheits Bilde anthat. Du hast mir das Leben wieder gegeben da Du ihr ihr Gesicht wiedergabst So wie es sich m: Herzen auf ewig eingegraben hatte u: wunderbar! bis auf Züge die der Mahler ganz u: gar unausgedrükt ließ. So ist das Auge – doch Du wirst glauben ich schwärme u: das ärgert mich.
Dein Urtheil that mir entsezlich weh. Nimm mich krank wie ich bin auf Dein Herz, u: übe Dich an mir in der göttlichen Kunst zu verzeyhen. Sage mir ob Du nicht 2. Bilder von ihr unter meiner Aufschrift erhalten.
-Tausend Dank Vater! Ich kann jetzt kein Wort mehr sagen. Ach daß ich einen Wunsch äußern dürfte.s
-O wie theuer mir Dein Bild ist, Du Einziger der meinen Schmerz nicht entehrt. Es soll mich so wie das ihrige bis ans Ende der Erde begleiten. Deins u Goethens
+Tausend Dank: Vater! ich kann jezt kein Wort mehr sagen. ach daß ich einen Wunsch äußern dürfte.
+O wie theuer mir Dein Bild ist, Du Einziger der meinen Schmerz nicht entehrt. Es soll mich so wie das ihrige bis ans Ende der Erde begleiten. Deins u
Den 11ten Merz 76.
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Karl Buchner: Aus dem Verkehr einer deutschen Buchhandlung mit ihren Schriftstellern. Berlin
- 1873, S. 61.
+ 1873, S. 60.