This commit is contained in:
gbabelo
2025-12-19 13:04:29 +01:00
parent 8a4cbaf063
commit 3a2cade085
2 changed files with 12 additions and 9 deletions

View File

@@ -1630,6 +1630,7 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen.
<letterText letter="91"><page index="1"/><hand ref="18">
<line tab="1"/>Mein lieber Lindau; <tl></tl> zu Herrn v. Kniestätt. Er ist der einzige am Hof den ich kenne, und der wird Sie mit allen ehrlichen Leuten bekannt machen! Ich küße Sie herzlich; hier haben Sie einen Brief für ihn Leben Sie wohl. Schl.
<line type="break"/>E. d 2<subst><del>4</del><insertion>3</insertion></subst> Dec: 1775.</hand>
<line type="empty" />
<line tab="1"/>Den Einschluß gieb doch Zuckerpüppgen unserm Goethe ab. Sollt er noch nicht da seyn, laß es nur seinen Eltern
<line type="empty" />
<line type="break" /><hand ref="18"><align pos="center">vive St. Thomas!</align></hand>
@@ -1646,26 +1647,28 @@ Und doch muß ich meinen Entschluß vor Ihnen verbergen.
</letterText>
<letterText letter="92"><page index="1"/>
<line tab="1"/>Ich kann mich nicht enthalten gnädige Frau, Ihnen den ganzen ganzen Brief der Gräfin Waldner über den Beschluß Ihrer Henriette zuzuschicken. Sie werden in jedem Zuge das unaussprechliche sehen, das ich nicht als Mannsperson, das ich nach der kältesten Erkenntniß drin finde. Haben Sie die Gnade ihn mir wiederzuzuschicken, weil ich der Person der er gehört, ihn nur unter dem Vorwand abgeschwatzt habe um die Stelle die Ihre Henriette angeht, für mich auszuschreiben, nichtweniger die über Hn. von Bismark Denkmal auf seine verstorbene Frau, das ich bey dieser Gelegenheit Ihnen nicht genug empfehlen kann.
<line tab="1"/><aq>il trouve bien toutes ses pensées toutes ses actions il semble </aq>denken Sie, <aq>il semble</aq> (wie wenig sie mit dieser Empfindung prahlen will) <aq>il semble quon voudroit avoir eté cette femme et etre morte pp.</aq>
<line tab="1"/>Ich kann mich nicht enthalten gnädige Frau, Ihnen den ganzen ganzen Brief der Gräfin Waldner über den Beschluß Ihrer Henriette zuzuschicken. Sie werden in jedem Zuge das unaussprechliche sehen, das ich nicht als Mannsperson, das ich nach der kältesten Erkenntniß drin finde. Haben Sie die Gnade ihn mir wieder zuzuschicken, weil ich der Person der er gehört, ihn nur unter dem Vorwand abgeschwatzt habe um die Stelle die Ihre Henriette angeht, für mich auszuschreiben, nichtweniger die über Hn. von Bismark Denkmal auf seine verstorbene Frau, das ich bey dieser Gelegenheit Ihnen nicht genug empfehlen kann.
<line tab="1"/><aq>il trouve bien toutes ses pensées toutes ses actions il semble </aq>denken Sie, <aq>il semble</aq> (wie wenig sie mit dieser Empfindung prahlen will) <aq>il semble quon voudroit avoir eté cette femme et etre morte pp</aq>
<line tab="1"/>Kurz um gnädige Frau, ich werfe mich Ihnen zu Füssen, daß Sie mir dieses Heiligthum von Abdruck einer schönen Seele (wie wenig vermutet sie, ihren Brief in andern Händen zu sehen) wieder zukommen lassen, damit ich bey seiner Besitzerin kein Kirchenräuber werde.
<line tab="1"/>Sie schreibt alle ihre Briefe auf der Hand, grad wie sie ihr aus dem Herzen kommen, nun zählen Sie auf die Wahrheit der Ausdrücke <aq>ilest impossible de rendre</aq> und des <aq>jy ai pleuré de bien <ul>bon coeur.</ul></aq>
<line tab="1"/>Sie schreibt alle ihre Briefe auf der Hand, grad wie sie ihr aus dem Herzen kommen, nun zählen Sie auf die Wahrheit der Ausdrücke <aq>il est impossible de rendre</aq> und des <aq>jy ai pleuré de bien <ul>bon coeur.</ul></aq>
<page index="2"/>
<line tab="1"/>Ich darf Ihnen nicht mehr Zeit wegnehmen gnädige Frau nur eines bitten will ich noch, bitten und betteln, Nachrichten von Ihrer Familie und die Wölkgen die vor Ihrem Angesicht hängen werden balde zerteilt seyn.
<line tab="1"/>Von mir darf ich nichts sagen, meine Reise nach Italien könnte durch die magnetischen Kräfte die meinen Reisegefährten an Strasburg heften, noch auf ein Jahr hinausgeschoben werden. Mittlerweile werden sich erschröckliche Nebelwolken vor meine Stirne lagern und ich Freunden und Feinden ein Ungeheuer scheinen bis Gott andere Zeiten schafft.
<line tab="1"/>Entziehen Sie mir, ich mag Ihnen erscheinen wie ich wolle, wenigstens nachdem was ich gewesen bin, oder Ihnen anfangs schien, entziehen Sie mir, gnädige Frau den kleinen Funken gütiger Achtung, Nachsicht nicht, den mein guter Genius in Ihrem Herzen für mich erhalten wolle, der immer immer mein ganzes Glück ausmachen wird. Bedenken Sie, ich flehe, daß ich grosse lange Büssungen im Fegefeuer vor mir habe vielleicht mehr
<line tab="1"/>Ich darf Ihnen nicht mehr Zeit wegnehmen gnädige Frau nur eines bitten will ich noch, bitten und betteln, Nachrichten von Ihrer Familie und die Wölkgen die vor Ihrem Angesicht hängen werden balde zertheilt seyn.
<line tab="1"/>Von mir darf ich nichts sagen, meine Reise nach Italien könnte durch die magnetischen Kräfte die meinen Reisegefährthen an Strasburg heften, noch auf ein Jahr hinausgeschoben werden. Mittlerweile werden sich erschröckliche Nebelwolken vor meine Stirne lagern und ich Freunden und Feinden ein Ungeheuer scheinen bis Gott andere Zeiten schaft.
<line tab="1"/>Entziehen Sie mir, ich mag Ihnen erscheinen wie ich wolle, wenigstens nachdem was ich gewesen bin, oder Ihnen anfangs schien, entziehen Sie mir, gnädige Frau den kleinen Funken gütiger Achtung, Nachsicht nicht, den mein guter Genius in Ihrem Herzen für mich erhalten wolle, der immer immer mein ganzes Glück ausmachen wird. Bedenken Sie, ich flehe, daß ich grosse lange Büssungen im Fegefeuer vor mir habe vielleicht <insertion pos="top">mehr</insertion>
<line type="empty" />
<line type="break" /><align pos="right">Lenz.</align>
<line type="break"/>Strbg d 28sten 10br 1775
<page index="3"/>
<line type="empty" />
<line tab="1"/>Haben Sie die Gütigkeit Ihre mir unschätzbare Zuschriften künftighin immer unter folgender Adresse an mich kommen zu lassen
<line type="empty" />
<line type="break" /><aq>A Messieurs Meuille et Perrin
<align pos="center"><line type="break" /><aq>A Messieurs Meuille et Perrin
<line type="break"/>Marchands trés renommés
<line type="break"/>pour rendre a Mr. Lenz
<line type="break"/>a Kehl</aq>
<line type="break"/>a Kehl.</aq></align>
<page index="4"/>
<line type="empty" />
<align pos="center"><note>Außenseite des zum Umschlag gefalteten Bogens:</note></align>
<line type="break" /><address>An die Frau
<line type="break"/>Geheimde-Räthin von <ul>La Roche</ul>
<line type="break"/>in Coblenz.</address>

View File

@@ -601,7 +601,7 @@
<letterTradition letter="92">
<app ref="4">
Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv, GSA 56/N3, Bl. 12.
Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv, GSA 56/N3, Bl. 12. Lenz schickt einen Brief Henriette v. Waldners mit. Auf dem Umschlag handschriftlicher Vermerk „a ?????“; Stempel: „DEKEHL“, rotes Siegel.
</app>
</letterTradition>